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Aktion

Auf der Suche nach der Barrierefreiheit

Chamer Schüler beteiligen sich an einem bundesweiten Projekt. Die gesammelten Erfahrungen werden in einer App aufgenommen.
Von Kilian Windmaisser

Überprüft auf die Zugänglichkeit mit dem Rollstuhl hatten die Schüler öffentliche Gebäude. Fotos: Windmaisser
Überprüft auf die Zugänglichkeit mit dem Rollstuhl hatten die Schüler öffentliche Gebäude. Fotos: Windmaisser

Cham.„Wenn keine Notruftaste in den Toiletten vorhanden ist, kann für Menschen mit Einschränkungen ein Problem entstehen“, ist sich Manfred Pankow, ein Rollstuhlfahrer aus Cham, sicher. Anlässlich des „05. Mai – Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ findet eine bundesweite Aktion statt.

23 Schülern einer Fünften Klasse der Johann-Brunner-Mittelschule und elf Kindern der Bildungsstätte St. Gunther untersuchten in Cham die Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden. Michael Trautner, Projektleiter von „Landkreis Cham inklusiv und barrierefrei“ erklärte: „Der barrierefreie Bau ist meist nur rund drei Prozent teurer als ein nichtbarrierefreier Bau, dagegen ein Umbau kostet später rund 30 Prozent mehr“.

Um an dieser Aktion teil zu nehmen, fand eine „Wheelmap-Rally“ statt. „Ein Ziel dieser Aktion ist, dass die Bevölkerung erkennt, dass es normal ist, verschieden zu sein und dass jeder Mensch überall teilnehmen kann“, sagte Trautner.

In den öffentlichen Toiletten sollte unter dem Waschbecken ein Freiraum sein, um es gut erreichen zu können. Auch eine Notruftaste darf nicht fehlen. Fotos: Windmaisser
In den öffentlichen Toiletten sollte unter dem Waschbecken ein Freiraum sein, um es gut erreichen zu können. Auch eine Notruftaste darf nicht fehlen. Fotos: Windmaisser

Es wurde mit Rollstühlen bei verschiedensten Einrichtungen vorbeigeschaut, und die Barrierefreiheit getestet. Dabei wurde beispielsweise die Stadtverwaltung Cham besucht. Gemessen wurde die Breite der Tür, welche mindestens 90 Zentimeter betragen sollte. Ebenfalls ausgemessen wurde der Aufzug und die Eingangstür zur Behindertentoilette. Auf der Toilette wurde stets darauf geschaut, dass genug Platz für den Rollstuhl ist. Der Bewegungsfreiraum sollte mindestens 1,50 Meter auf 1,50 Meter betragen. Geachtet wurde auch auf die Erreichbarkeit des Waschbeckens, die Einstellbarkeit des Spiegels, auf ein Leitsystem sowie auf eine Notruftaste. Bei dem Aufzug wurde gemessen, ob er breit genug für einen Rollstuhl ist. Die Chamer Stadtverwaltung ist seit ein paar Jahren sogar im Besitz einer Induktionsanlage. Sehr zufrieden waren die Schüler mit dem Kaufhaus Frey, da es hier bis auf die schwer zu öffnende Tür keine Kritik gab.

Monika Grassl, Lehrerin an der Bildungsstätte St. Gunther in Cham freute sich über das von der Offenen Behindertenarbeit im Landkreis Cham und vom „Landkreis Cham Inklusiv“ geleitete Projekt: „Ich finde die Aktion ganz prima. Es ist wichtig, dass die Städte sensibel gegenüber diesem Thema werden, und darauf achten, barrierefrei zu bauen. Außerdem bekommen die Schüler Eindrücke und werden ebenfalls darauf aufmerksam gemacht“.

Mit Maßband und Meterstab wurde die Breite von Türen, Durch- und Aufzugeingängen gemessen. Betragen sollte diese für Rollis mindestens 90 Zentimeter. Fotos: Windmaisser
Mit Maßband und Meterstab wurde die Breite von Türen, Durch- und Aufzugeingängen gemessen. Betragen sollte diese für Rollis mindestens 90 Zentimeter. Fotos: Windmaisser

Am Ende waren sich Michael Trautner, Manfred Pankow, die Lehrer und Schüler einig: „In Cham ist noch einiges verbesserungswürdig.“ „Vor allem die vielen Bordsteine am Chamer Marktplatz bereiten Rollstuhlfahrern Probleme“, sagte Trautner. „Auch Wirtshäuser müssen noch besser darauf achten, und in öffentlichen Gebäuden fehlen oft Induktionsgeräte“, fuhr Trautner weiter fort. Die gesammelten Erfahrungen werden anschließend in die App „Wheelmap“ eingetragen.

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