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Menschen

Auf Edelsteinen Richtung Gruft

Der Vertriebsinspektor des Bayerwald-Echos, Pauli Haimerl, hat mit einem selbst entworfenen Strategiespiel einen ganz großen Wurf gelandet.
Von Johannes Schiedermeier

  • Da lacht der Haimerl Pauli: Er wollte einmal seinen Namenszug auf einem Karton mit einem Spiel von ihm zu lesen.Jetzt kommt er mit „Dahschur – die Rote Pyramide“ in die Verkaufsregale.Foto: Schiedermeier
  • Einer der ungezählten Spieletests. Rechts im Bild Nela Haimerl, die den Prototypen gefertigt hat, der auf dem Tisch liegt, links Andreas Bambauer aus dem Spieletreff Deggendorf.Foto: privat

Cham. Ein Vertriebsinspektor des Bayerwald-Echos muss ein helles Kerlchen sein. Schließlich ist er dafür verantwortlich, dass jede Zeitung jeden Tag ihren Weg in den Briefkasten findet. Der Haimerl Pauli hat seine guten Voraussetzungen jetzt ganz anders genutzt: Seit er über Gold und Edelsteine als Erster den Weg in die Rote Pyramide von Dahschur gefunden hat, ist er der unbestrittene Großwesir des Spielereiches.

Hunderte Stunden Kopfzerbrechen

Schon als Bub bastelte er mit zwölf Jahren seine ersten Tischfußballspiele und hatte einen Lebenstraum: Einmal sollte sein Name auf einem Karton stehen, in dem ein von ihm entworfenes Spiel in den Verkaufsregalen angeboten wird. Zugegeben, es hat gut 40 Jahre gedauert. Vor ein paar Tagen herrschte dann großer Jubel im Hause Haimerl. Harald Mücke rief an. Der Chef von Mücke Spiele, dessen Firma als Logo die einzige Mücke der Welt trägt, die Rüssel und Stachel besitzt, teilte mit: „Gratulation, sie haben den ersten Preis gewonnen.“

Um ermessen zu können, was das bedeutet, muss man wissen, dass der Haimerl Pauli und seine Frau Nela praktisch jede freie Minute investieren, um zu spielen und zu entwerfen. Dahschur, die Rote Pyramide, wurde in 300 Spielerunden erbaut. Dazu kamen lediglich geschätzte 500 Stunden Kopfzerbrechen. Dann war das Spiel geboren. Den Stundenlohn für die Veröffentlichung des Spieles will sich der Pauli gar nicht ausrechnen. Da lacht er nur. „Sowas rechnet sich nicht. Das macht man aus Spaß.“

Und Spaß hat der Haimerl Pauli jede Menge. Für jemanden, der sich hart tut, Spieleanleitungen überhaupt zu lesen und zu verstehen, ist es etwas ganz Staunenswertes, wenn jemand so eine Anleitung selber geschrieben hat. Nela Haimerl hat den Prototyp für das Spiel entworfen. Der war so gut, dass Mücke das gesamte Spiel ohne Veränderungen in den Verkauf bringt. Man kann es nun im Schaufenster des Bayerwald-Echos bestaunen und im Kaufhaus Frey.

36 Glassteine und Holzmännchen

Doch bis dahin war der Weg ziemlich steinig. Und es waren keine Edelsteine. Davon gab es nur die 36 in Rot Grün und Blau, die eigentlich aus Glas sind. Dazu ein Set aus kleinen Holzfiguren. Diese Utensilien hatte Mücke preiswert eingekauft und kurzerhand zur Vorgabe für das künftige Spiel erklärt. 120 Spiele-Autoren machten mit. Dann noch 64. Davon blieben 32 übrig, dann 20. „Dass man unter die letzten Auserwählten kommt, ist noch keine Garantie dafür, dass das Spiel auch veröffentlicht wird. Dann kommen die Redakteure des Verlags und prüfen, ob das Spiel ins Konzept passt. Da kann man auch noch durchfallen“, erzählt der Haimerl Pauli. Pro Jahr werden von 400 Prototypen zwei veröffentlicht.

Als Kind hatte der Haimerl Pauli in der Familie niemanden, der Spiele-Fan war. Nun hat er gut geheiratet. Seine Frau Nela kauft mit ihm 30 bis 40 Spiele pro Jahr. 80 stapeln sich immer in den Regalen des Spielezimmers. Das sind nur deshalb so wenige, weil nur die besten bleiben dürfen. Der Rest verschwindet im Internet.

„Ich habe schon auch gezweifelt“

„Es gab Momente, da habe ich daran gezweifelt, dass daraus jemals was wird“, verrät der Haimerl Pauli. Und deswegen ist er all jenen dankbar, die in den rund 300 Spielerunden unermüdlich mit ihm gefeilt haben. Insbesondere seiner Frau Nela und seinem Neffen Tini Thom.

Immer wieder wurde nachgebessert bis keiner mehr was zu Meckern gefunden hat. „Die Pyramide war um Klassen besser als alles, was ich bisher entworfen hatte“, sagt der Haimerl Pauli. Stolz ist er auch darauf, dass das Spiel – so komplex es ist – nur eine Stunde dauert und man es deswegen auch nach einem langen Arbeitstag immer noch spielen kann. Den ersten Test hat der Autor schon erfolgreich bestanden. Von der Auflage von 1000 Stück ist auf der größten Spielwarenmesse der Welt in Essen bereits einiges über den Tresen gewandert – handsigniert und persönlich erklärt.

Noch Spiele im Kopf

15 Spiele hat der Haimerl Pauli derzeit im Kopf und auf Skizzenpapier. Doch sein ganzer Stolz gehört einem roten Karton, der mehr beherbergt, als nur ein Spiel. Was ist daran Besonderes? Schon ist der Autor nicht mehr zu halten: „Das ist ein ganz neuer Mechanismus, den ich erfunden habe. Mit diesen Karten von 1 bis 6. Das gab es noch nie...“ Jetzt hofft er, dass möglichst viele dem Befehl des Pharaos Snofru nachkommen und eine Prachtstraße zur Roten Pyramide von Dahschur bauen, die Grabkammern mit Edelsteinen füllen und Großwesir werden wollen.

Dahschur – die Rote Pyramide

Spielidee: Pharao Snofru (den es tatsächlich gegeben hat), befiehlt den Bau einer Prachtraße zur Roten Pyramide von Dahschur (die es auch tatsächlich gibt), und deren Grabkammern mit Gold und Edelsteinen zu füllen.

Je erfolgreicher die Fürsten (Mitspieler) den Befehlen nachkommen, desto mehr Anerkennung (Punkte) gibt es vom Pharao. Der Sieger wird Großwesir.

Das Dilemma: Das eigene Aktionspotenzial hängt von den gewählten Fürstenkarten der Mitspieler ab. Und die verfolgen nun mal ihre eigenen Ziele.

Spieldauer: eine Stunde. Kosten des Spiels: 39 Euro. Das Spiel ist erhältlich im Kaufhaus Frey und beim Bayerwald-Echo. Im Echo wird es auf Wunsch vom Autor handsigniert und erklärt. (Wichtig für alle mit Spieleanleitungs-Phobie).

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