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Theater

Auf einen Kerschgeist mit dem Tod

Der Lichtenegger Bund begistert mit dem Brandner Kaspar das Publikum in Rimbach mit einer fernsehreifen Aufführung.
Von Stefan Weber

Der Boindlkramer (Ernst Martin) und der Brandner Kaspar (Walter Kolbeck) beim ersten Treffen. Fotos: Rabl-Dachs
Der Boindlkramer (Ernst Martin) und der Brandner Kaspar (Walter Kolbeck) beim ersten Treffen. Fotos: Rabl-Dachs

Rimbach.Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Brandner Kaspar, der den Tod unter den Tisch trinkt und ihm so ein paar Lebensjahre mehr abluchst – damit aber letztlich auch nicht glücklich wird? Nach der Geierwally hat sich Regisseur Johannes Reitmeier mit der Laientruppe des Lichtenegger Bundes (LiBu) vergangenes Jahr einmal mehr an die Umsetzung eines sehr bekannten Stoffes für die Waldbühne auf der Burgruine Lichtenegg gemacht. Schon damals war das Stück restlos ausverkauft, und auch in diesem Jahr dauerte es nur wenige Tage, bis alle Karten weg waren.

Verständlicherweise, wie die vielen Besucher im Vorjahr und seit Samstagnacht auch das Premieren-Publikum bestätigen können. Der LiBu begeistert von der ersten Minute an die Gäste auf der Tribüne. Das hört sich dabei einfacher an, als es ist. Denn natürlich kommt jeder mit seinen ganz eigenen – und hohen – Erwartungen an den Brandner Kaspar an diesem Abend auf die Burg: Die Schwarz-Weiß-Verfilmung von 1949, die barocke Farb-Version aus dem Jahr 1975 oder die jüngste Kino-Adaption von 2008 – die Messlatte liegt hoch, wenn der Brandner Kaspar auf die Bühne gebracht werden soll.

Dieser Boindlkramer hat Humor

Die Truppe unter Reitmeier’scher Regie versteht es selbstverständlich – wie schon seit Jahrzehnten – das Stück zum einen perfekt umzusetzen, und zum anderen selbst LiBu-eigene Akzente zu setzen, die für die besondere Note sorgen. Da ist allen voran natürlich der Biondlkramer selbst zu nennen: Ernst Martin als Gegenpart des alten Hallodris Brandner Kaspar ist kein ernster Tod; verschmitzt, mit Humor und äußerst gestenreich will er den Titelhelden dazu bringen, doch noch den Weg ins Paradies anzutreten, nachdem der ihn mit zwölf Stamperln Kerschgeist dazu gebracht hat, ihn erst in 14 Jahren wieder zu besuchen.

Das Lob des Schirmherren

  • Helmut Brunner:

    Bayerns Landwirtschaftsminister ist der Schirmherr dieses Jahr. Er hatte nach der Premiere nur lobende Worte für die Schauspieler.

  • Leistung:

    Als „fernsehreife Aufführung ohne Schwachpunkt“ bezeichnete Brunner die Premiere. „Ich baue darauf, dass der Brandnerkaspar noch ein Jahr gespielt wird“, gab er Regisseur Johannes Reitmeier und der Schauspielern als Bitte an diesem Abend mit auf den Weg.

  • Emotional:

    Er selbst sei kein gefühlsbetonter Mensch, „aber ihr habt mich heute zum Staunen gebracht, Respekt“, so Helmut Brunner.

  • Lob:

    LiBu-Vorsitzenden Walter Kolbeck bezeichnete er als „Triebfeder“ des Vereins und versicherte: „Die Leute wissen, was Du in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hast.“ Der Lichtenegger Bund, das sei nicht nur die Leistung auf der Bühne, sondern schon fast wie eine Familie. (wf)

Doch damit diese berühmten Szenen die Zuschauer in ihren Bann ziehen, braucht es natürlich einen ebenso überzeugenden Brandner Kaspar. Der wurde mit LiBu-Vorsitzendem Walter Kolbeck wahrlich gefunden. Er spielt das alte Schlitzohr perfekt, und so zählen die gemeinsamen Auftritte der beiden zu den Höhepunkten im Stück. Um auch für den Lokalbezug zu sogen, ist der Ort der Handlung natürlich Rimbach, gewildert wird in Tschechien, und Abstecher führen nach Warzenried.

Die Bürger werden zu Engeln

Wie auf Burg Lichtenegg üblich, glänzen aber auch die weiteren Rollen mit ihren Auftritten und runden so das Bild des kompletten Stückes ab. Wenn Traudl, die Frau des Brandner Kaspars (Elisabeth Rauch) kurz vor ihrem Tod phantasiert, dann sind die Zuschauer gebannt, und es ist ganz ruhig auf den Rängen. Die Sympathien gehören auf der anderen Seite klar dem jungen Paar der Brandner-Enkelin Marerl (Kathrin Martin) und dem dieses Jahr erstmals in der Rolle des Stoiber Gustls spielenden Felix Riedl – und dass Eva-Maria Bablick einmal mehr die ausdrucks- sowie willensstarke und verschlagene Frau in der Rolle der Bürgermeisters-Tochter Kathie gibt, versteht sich auf Burg Lichtenegg schon fast von selbst.

Doch es wäre ja keine Reitmeier-LiBu-Produktion, wenn nicht auch von der kleinsten Rolle so ziemlich alles verlangt würde. So werden aus den Dorfbewohnern im Handumdrehen (wobei der Bühnen-Umbau die volle 20-minütige Pause in Anspruch nimmt) Engel im Himmel der Bayern. Hier wacht der Erzengel Zeremonienmeister (Matthias Schulte) über das Geschehen, und hat mit seiner dann doch etwas weibisch-extrovertierten Art die Lacher auf seiner Seite.

Premiere auf Burg Lichtenegg

Es wäre aber auch kein Stück auf Burg Lichtenegg, wenn das Ensemble nicht nur auf, sondern auch mit der Bühne wieder wahre Wunder vollbracht hätte. Auf den ersten Blick eher schlicht, zeigt der zweite Blick, dass auf wenig Fläche wieder einmal sehr viel erreicht wurde. Das verschiebbare Brandner-Haus lässt sich schnell zum Wirtshaus umbauen, und geteilt gibt das Haus schnell einfach nur ein Zimmer ab. Als besondere Finesse wird die Fahrt des Boindlkramers mit dem Brandner Kaspar auf den Bühnen-Vorhang projiziert. Die Szene wurde vergangenes Jahr von Videotechniker Bruno Hartl aus Miltach und Trickfilm-Animateur Christian Obergberger gedreht – eine bis dato nicht gekannte Technik auf der Waldbühne.

Dass dann auch noch alle Licht- und Toneffekte perfekt sitzen, und die Musik wie selbstverständlich nicht vom Band, sondern von vier Musikern kommt, das alles sorgt dafür, dass der Theaterabend auf Burg Lichtenegg einmal mehr zu Erlebnis wird. Darum ließ auch Regisseur Johannes Reitmeier keinen Zweifel aufkommen, dass er mit der Truppe weiter arbeiten will: „Die meisten Ehen werden nach spätestens 25 Jahren geschieden“, sagte er bei der Premierenfeier. „Aber das haben wir ja schon überstanden – in 18 Jahren feiern wir schon die Goldene Hochzeit“.

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