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Region Cham
Dienstag, 14. August 2018 24° 3

Naturerlebnis

Auf Tuchfühlung mit Schmetterlingen

Ralph Sturm zeigte bei seinem Vortrag beim Bund Naturschutz Bilder, die die Besucher in ungläubiges Staunen versetzten.

Beeindruckenden Bilder, wie die Eiablage des Segelfalter-Weibchens, zeigte Ralph Sturm bei seinem Vortrag in der Altenmarkter Klostermühle. Foto: Sturm
Beeindruckenden Bilder, wie die Eiablage des Segelfalter-Weibchens, zeigte Ralph Sturm bei seinem Vortrag in der Altenmarkter Klostermühle. Foto: Sturm

Cham.Vier verschiedene Tiere, und doch nur eine einzige Art – das sind die Schmetterlinge. Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham, hatte zu einem gut besuchten und fesselnden Vortrag in die Klostermühle Altenmarkt eingeladen. Ralph Sturm gab in seinem Bildervortrag faszinierende Einblicke in die Welt dieser wandelbaren Flatterwesen.

Blattlose Zweige an einem Ast. „Auf diesem Foto sieht man fünf Schmetterlinge“, sagte der Referent. Ungläubiges Staunen und Suchen, und dann, wenige Sekunden später, das Aha-Erlebnis. Das, was jeder für ein dürres Blatt oder einen vertrockneten Zweig halten würde, sind in Wahrheit Schmetterlinge mit zusammengeklappten Flügeln, die in der Winterstarre verharren und auf die ersten wärmenden Strahlen der Frühlingssonne warten. Auch Vögel, Fressfeinde der Falter, fliegen an den so perfekt getarnten Insekten vorbei. Überhaupt gibt es jede Menge Überlebensstrategien, beginnend mit dem ersten Entwicklungsstadium, dem Ei. Das wird häufig einzeln an die spezielle Futterpflanze angeklebt, damit die geschlüpfte Raupe sofort mit der Nahrungsaufnahme beginnen kann.

Ralph Sturm gab faszinierende Einblicke in die Welt der Schmetterlinge. Foto: BN
Ralph Sturm gab faszinierende Einblicke in die Welt der Schmetterlinge. Foto: BN

Auch der Kohlweißling verteilte seine Eier einst auf diese Weise. Bis Kohlgewächse in Massen auf Feldern angebaut wurden. Da „bemerkte“ der weißliche Schmetterling, dass es bei einem solch reichhaltigen Angebot viel effektiver ist, die Eier grüppchenweise abzulegen – genügend Futter war ja vorhanden.

Raupen sind meist unbeliebt

Überhaupt ist Fressen die Hauptbeschäftigung der Raupen. Der Referent zeigte in einem Kurzfilm, mit welcher Geschwindigkeit eine Raupe Blätter in sich hineinschlang. Deswegen erfreut sich das zweite Stadium eines jeden Schmetterlings beim Menschen keiner großen Beliebtheit und wird oft als Schädling verfolgt. Laut Ralph Sturm ist das eine typisch menschliche Einteilung. Denn auch wenn die Raupen nach dem Blattaustrieb einen Baum kahlfressen, treibt dieser zum zweiten Mal aus. Außerdem haben Schmetterlinge sehr spezifische Futterpflanzen, das heißt, die verschiedenen Arten brauchen verschiedene Pflanzen zu ihrer Entwicklung. Der Schwalbenschwanz als einer der größten und farbenprächtigsten heimischen Schmetterlinge sucht für die Eiablage Dill oder Fenchel auf, der Ameisen-Wiesenknopf-Bläuling ist auf den Wiesenknopf angewiesen, viele andere Arten benötigen Brennnesseln. Für die Vogelbrut wiederum sind Raupen wichtige Eiweißlieferant und überlebensnotwendig. Damit aus den Raupen statt Vogelfutter ein Schmetterling werden kann, haben sie sich verschiedene Strategien zurechtgelegt. Abschreckung heißt eine Devise, bei der mit leuchtend roter oder gelber Warnfarbe die Botschaft an mögliche Fressfeinde lautet: Wenn Du mich verspeist, vergifte oder steche ich dich. Wirklich giftig oder allergieauslösend sind nur zwei der heimischen Raupen. Verstecken ist eine andere Methode, um unerkannt vom Schlaf- zum Fressplatz zu gelangen. Bei jedem Weg wird ein Faden gesponnen, der zu einem Gespinst wird und die Raupen verbirgt.

Insektizide sind der Todfeind

Unvorstellbare Abläufe finden im Puppenstadium statt: Das Individuum löst sich in seinem Inneren in eine breiartige Masse auf und setzt sich neu zum Falter zusammen. Ralph Sturm zeigte Aufnahmen vom Schlüpfen eines Schmetterlings. Auf das Insektensterben angesprochen, sagte Sturm, dass die Zahl der Individuen um über drei Viertel in den letzten drei Jahren zurückging. Grund für diese Entwicklung seien Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide. Einen kleinen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Schmetterlinge kann jeder einzelne leisten, indem er eine vielfältige Landschaft erhält, Raupen leben lässt, wo sie nicht in Massen auftreten und in seinem Garten eine Vielfalt an blühenden Pflanzen – in einer Ecke vielleicht sogar ein Fleckchen Brennnesseln – hat.

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