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Ernährung

Augen auf beim Pilze-Sammeln

Dieter Henker ist seit 30 Jahren Pilzberater und weiß aus Erfahrung, was auf den Teller gehört und was nicht.
Von Monika Kammermeier

Pilzberater Dieter Henker und Elfriede Kellnhofer mit LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger. Foto: Monika Kammermeier
Pilzberater Dieter Henker und Elfriede Kellnhofer mit LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger. Foto: Monika Kammermeier

Nösswartling.Schon am Eingang des LBV-Zentrums hat einen der feine Duft nach Pilzen und Wald empfangen. Auf etwa 24 Tischmetern zeigten sich am Wochenende die Pilze in verschiedenen Altersstufen zwischen Laub, Rinden und Moos. Die Pilzberater Dieter Henker und Elfriede Kellnhofer erklärten die Besonderheiten der wichtigen Waldbewohner. Wer mochte, brachte seine gesammelten Schätze mit und ließ sich von den Experten beraten.

Krause Glucke: Die Krause Glucke oder Fette Henne (Sparassis crispa) ist eine parasitische Pilzart, die mit seinen krausen Verzweigungen an einen Badeschwamm erinnert. Mit Zwiebeln, Speck, Crème fraîche und Petersilie zubereitet, ist sie ein köstliches Pfannengericht.
Krause Glucke: Die Krause Glucke oder Fette Henne (Sparassis crispa) ist eine parasitische Pilzart, die mit seinen krausen Verzweigungen an einen Badeschwamm erinnert. Mit Zwiebeln, Speck, Crème fraîche und Petersilie zubereitet, ist sie ein köstliches Pfannengericht.

Pilzberater wird man durch mehrere Lehrgänge bei der Deutschen oder Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, und man muss regelmäßig Lehrgänge besuchen. Es gebe Pilze wie den Kahlen Krempling, den hätten Groß- und Urgroßeltern noch gegessen, aber heute gelte er als giftig, informierte Henker. Ein Team von sieben Leuten sammelte für die Ausstellung zwei Tage im Wald und auf den Wiesen. Es gebe sogar Pilze unter Wasser. Henker ist schon seit über 30 Jahren Pilzberater in Walderbach, gibt Vorträge und Pilzlehrwanderungen in seiner Freizeit. Die beiden Pilzberater begleiteten die Besucher durch die Ausstellung und berichteten viel Wissenswertes zu den Objekten.

Darum sind die Pilze wichtig

Für den Naturkreislauf seien Pilze mit ihrer vielfältigen Wirkungsweise sehr wichtig. Baumpilze beispielsweise besiedelten totes Holz und Materie und wandelten es in Substrat und Humus um. Außen sehe man den Fruchtkörper von dem, was innen als Pilz wachse. Ein solcher Baumpilz sei etwa der Zunderschwamm. Von ihm zupften die Menschen früher das weiche, wattige Innere und benutzten es zum Feuer machen. Mit der Haut dieses Pilzes, in Bayern als „Hodernsau“ bekannt, machte man Hüte oder Leiberl.

Dem Baumpilz schrieb man zudem antiseptische Wirkungen zu. Er wurde zur Wundauflage verwendet. „Ötzi“ beispielsweise trug einen Birkenporling bei sich. Man vermutete, dass dieser Pilz seine Apotheke war. Über den Baumpilz „Teuerling“ gibt es die Geschichte, dass es, wenn er viel wachse, schlechte Zeiten gebe. Die Pilze haben ihre Wachstumsperioden, sagte Henker, ähnlich wie die Baumfrüchte, etwa der Apfel. Den gebe es auch nicht jedes Jahr in gleicher Menge.

Schönfuß-Röhrling: Wie alle Dickröhrlinge bildet auch der Schönfuß-Röhrling Mykorrhiza mit Bäumen, wobei er sowohl mit Laub- als auch Nadelbäumen vergesellschaftet sein kann. Der Schönfuß-Röhrling schmeckt stark bitter und gilt als leicht giftig.
Schönfuß-Röhrling: Wie alle Dickröhrlinge bildet auch der Schönfuß-Röhrling Mykorrhiza mit Bäumen, wobei er sowohl mit Laub- als auch Nadelbäumen vergesellschaftet sein kann. Der Schönfuß-Röhrling schmeckt stark bitter und gilt als leicht giftig.

In beeindruckender Größe zierte ein Riesenbovist eine Tischecke. Er hatte die Größe eines Basketballs und soll ein köstlicher Speisepilz sein, der gerne als Schnitzel zubereitet verzehrt werde. Daneben fand sich der dickschalige Kartoffelbovist, der als giftig gilt.

Hier gibt es noch mehr Tipps zum Pilzesammeln:

Natur

Ja, die Schwammer wachsen in Cham!

Was treibt uns hinaus in den Wald auf der Jagd nach Steinpilzen und Co.? Irgendwas vom Steinzeitmenschen steckt noch in uns.

An einer Stelle erzählte ein Besucher, dass er jede Menge Gallenröhrlinge gesammelt habe, die er mit Maronen verwechselt hatte – Ein Nachbar bewahrte ihn vor dem Verzehr. Auch leicht verwechselbar sei der Speisepilz Hexenröhrling mit dem giftigen und ungenießbaren Schönfußröhrling. Der wohlschmeckende Hexenröhrling hat innen am Hut rote Röhren, der Schönfußröhrling dagegen gelbliche Röhren. Der giftige Satansröhrling übrigens bevorzuge kalkhaltige Böden, weshalb er hier weniger zuhause sei, dafür mehr bei Kelheim und Etterzhausen.

Koralle: Die Koralle wird auch Bauchweh-Koralle genannt. Für Verwechslungen kommen andere Korallen wie die noch giftigere Dreifarbige, die giftige Gelbliche Koralle, die ungenießbare Grünfleckende Fichten- , die ungenießbare Kiefern- und die essbare Goldgelbe Koralle in Frage.
Koralle: Die Koralle wird auch Bauchweh-Koralle genannt. Für Verwechslungen kommen andere Korallen wie die noch giftigere Dreifarbige, die giftige Gelbliche Koralle, die ungenießbare Grünfleckende Fichten- , die ungenießbare Kiefern- und die essbare Goldgelbe Koralle in Frage.

Man verwechsle die Pilze gerne wegen ihrer unterschiedlichen Erscheinung in den jeweils unterschiedlichen Altersstufen, sagten die Pilzberater. Henker zeigte an einem aufgeschnittenen jungen Fliegenpilz, wie man ihn in diesem Alter erkennen könne. Er habe innen unter der weißen Huthaut eine rötlich-orange Linie. Der Fliegenpilz gelte als Rauschpilz und sei hochgradig giftig. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung, Unwohlsein nach dem Verzehr, oder Kreislaufproblemen, solle man sich sofort ärztliche Hilfe holen. Es könnten innere Organe geschädigt werden, was sogar eine Transplantation notwendig machen könne.

Der Grüne Knollenblätterpilz sei ein solcher Kandidat für schlimme Vergiftungen. Er rieche süßlich, nach Kunsthonig, komme in Laub- und Nadelwäldern vor und sei weit verbreitet. Verwechselt werde er mit dem Gelben Täubling oder dem Anischampignon etwa. Die gelbe Koralle werde gerne mit der krausen Glucke verwechselt, gerade, wenn sie klein seien. Die Krause Glucke sei ein guter Speisepilz, die gelbe Koralle, auch Bauchweh-Koralle genannt, sei giftig.

Vorsicht beim Sammeln

Flockenstieliger Hexenröhrling: Ganz anders als sein Name vermuten lässt, ist dieser Flockenstielige Hexenröhrling ein Speisepilz und ist auch als „Zigeuner“ bekannt. Typischerweise zeigt sich auf Druck eine Blaufärbung. Roh ist er giftig, gegart ein beliebter Speisepilz.
Flockenstieliger Hexenröhrling: Ganz anders als sein Name vermuten lässt, ist dieser Flockenstielige Hexenröhrling ein Speisepilz und ist auch als „Zigeuner“ bekannt. Typischerweise zeigt sich auf Druck eine Blaufärbung. Roh ist er giftig, gegart ein beliebter Speisepilz.

Wer Schwammerl mit Lamellen sammle, solle sie nicht abschneiden, sondern auspulen oder aushebeln, damit wichtige Indizien zur Bestimmung nicht verloren gingen, sagte Henker. Er selbst mag übrigens sehr gerne die Steinpilze und auch den Flockenstieligen Hexenröhrling, der dieses Jahr besonders üppig gewachsen sei. Elisabeth Wanninger brachte einen Korb voller unterschiedlicher Pilze mit, giftige wie essbare. Da fand sich neben einem Braunen Filzröhrling ein Elfenbeinröhrling, ein amerikanischer Mykorrhizapilz, der mit der Weymannskiefer nach Deutschland kam, ein Täubling und ein Grauer Wulstling, der mit dem giftigen Pantherpilz verwechselt werden könne.

Die Ausstellung, die Samstag und Sonntag geöffnet hatte, informierte auch mit einer tollen Bildergalerie.

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