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Prävention

Augenblicke, die alles verändern

Eine Ausstellung des ADAC an der Mittelschule will mit realen Schicksalen für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren
Von Roman Hiendlmaier

Schwarze Silhouetten als Symbole für individuelle Tragödien: Mit realen Schicksalsschlägen versucht die ADAC-Ausstellung
Schwarze Silhouetten als Symbole für individuelle Tragödien: Mit realen Schicksalsschlägen versucht die ADAC-Ausstellung "Schatten" für das Thema Verkehrssicherheit zu sensibilisieren.

Bad Kötzting.„Mario, setz dich hin, der Sepp ist tot“ - die ganze Wucht des plötzlichen, unerwarteten Verlusts einer nahestehenden Person traf Mario Kleinert während seiner Zeit als Wehrpflichtiger. Ein kurzer Anruf eines Freundes machte ihm schlagartig klar, dass der Schreibtisch neben dem seinen in der Dienststube für lange Zeit leer bleiben wird.

Eindrucksvoll schilderte der Rektor der Karl-Peter-Obermaier-Mittelschule am Dienstag den unvergesslichen Moment in seinem Leben, als zum ersten Mal das Schicksal aus einem Freund eine Erinnerung machte, wie eine Wanderausstellung solche Ereignisse schildert.

Reale Schicksale

Zwei Wochen lang beschäftigt sich „Schatten - ich wollte doch leben!“ an der Mittelschule mit den realen Schicksalen sechs junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, die im Straßenverkehr ums Leben kamen.

Während der Eröffnungsreden stehen sechs schwarze Schattenfiguren zwischen den Zuhörerstühlen in der Aula, während nicht nur der Schulleiter seinen Schülern diesen Schicksalsschlag beschreibt. Auch Bürgermeister Markus Hofmann musste einen traurigen Moment seines Lebens miterleben, als er vom tödlichen Unfall seines Azubi-Kollegen und langjährigen Banknachbarn in der Realschule erfuhr. Nicht weniger bewegend die Schilderungen des Bad Kötztinger Vize-Polizeichefs Josef Weindl, was seine Kollegen und er erleben, wenn sie Hinterbliebenen die Unfall-Nachrichten überbringen. Angehörige und Freunde, für die danach nichts mehr ist wie zuvor, Mütter und Väter, die nach dem Verlust ihres Kindes einen unendlichen Schmerz erleiden.

Ziel: Bewusstsein schaffen

„Es geht darum, bei den Jugendlichen ein Bewusstsein zu schaffen, für einen Augenblick, der, wenn er eintritt, oft irreversible Fakten schafft“, sagt ADAC-Nordbayern-Vorstand Thomas Dill, der mit seiner Kollegin Natascha Süß die Wanderausstellung durch bayerische Schulen verantwortet.

Gesprächsthema: Die schwarzen Silhouetten in der Aula wurden von den Schülern schon vor der Ausstellungseröffnung rege diskutiert.
Gesprächsthema: Die schwarzen Silhouetten in der Aula wurden von den Schülern schon vor der Ausstellungseröffnung rege diskutiert.

Das Risiko, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, sei bei jungen Fahrern

sehr viel höher als bei anderen Verkehrsteilnehmern, sagt Thomas Dill. 2018 kamen in Deutschland 364 junge Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Die sechs lebensgroßen, geschwärzten Silhouetten stehen für junge Menschen, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen. Besonders betroffen macht dabei die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um fiktive Unfälle handelt, sondern sich jeder Crash real ereignet hat. Die Texte, die sich über Benjamin, Jasmin, Rocky, Sarah, Sascha und Sissy auf den Schatten-Figuren befinden, erzählen ihre tragischen Schicksale. Neben Schilderungen zum Unfallhergang werden auch persönliche Hintergründe geschildert. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, mit Wut, Trauer und Verzweiflung soll nachhaltiger beeinflussen, als es jede Info-Broschüre oder Unfall-Statistik je können würde.

Die Ausstellung

  • Idee:

    Die hat die Diplom-Designerin Marlene Schlund entworfen. Das Projekt entstand 2005 während ihres Studiums als Beitrag zu einer Ausschreibung des Bayerischen Innenministeriums. Es wurde als eine von sieben Arbeiten ausgezeichnet, später durch den ADAC umgesetzt.

  • Konzept:

    Die Auseinandersetzung mit dem Tod, mit realen Schicksalen und Emotionen wie Wut, Trauer und Verzweiflung hat die Designerin nachhaltiger beeinflusst, als es jede Info-Broschüre oder Unfall-Statistik je gekonnt hätte. Diese Erfahrung möchte sie zur Prävention an die Jugendlichen weitergeben.

  • Für Schulen ist dieses Programm des ADAC Nordbayern kostenfrei.

Ausstellung dauert zehn Tage

Zehn Tage lang stehen die Figuren nun in der Aula, um betroffen zu machen, zum Nachdenken anzuregen und Anlass für Gespräche zu geben. Nebenbei feilt der ADAC mit dem Präventions-Projekt auch an seinem Image: Weg vom Streiter einer Freie-Fahrt-für-alle-Mobilität, hin zum Mahner für einen vernünftigen Umgang mit der von den Schülern sukzessive erworbenen Freiheit.

"Ich wollte doch nur leben": ADAC-Verkehrssicherheitsexperte Thomas Dill schildert den Schülern die Idee der Ausstellung.
"Ich wollte doch nur leben": ADAC-Verkehrssicherheitsexperte Thomas Dill schildert den Schülern die Idee der Ausstellung.

Mehr als 10 000 Jugendliche haben bisher die Ausstellung erlebt, die der ADAC als theoretisches Präventions-Pendant zu praktischen Angeboten wie dem Fahrsicherheits-Training anbietet. Wobei für diese Gefahr jemand gar nicht selbst verantwortlich sein muss, um zum Opfer zu werden: „Es reicht nicht, nur zu sagen: Mir wird schon nichts passieren - es geht auch darum, nein zu sagen, wenn einem der Fahrer oder die Fahrerin nicht fahrtüchtig erscheint, auch wenn’s in diesem Moment vielleicht schwer fällt“, sagt ADAC-Mitarbeiterin Natascha Süß vor einer der sechs Silhouetten. Die 15-jährige Sarah starb auf dem Rücksitz eines Pkw, über den ein 20-Jähriger die Kontrolle verlor und der gegen einen Baum prallte.

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