MyMz
Anzeige

Besuch

Aus 1000 Zentnern Äpfel wird Saft

Wenn die Presse des OGV Döfering im Kreis Cham läuft, verwandelt sich die Flurbereinigungshalle in einen Taubenschlag.
Von Petra Schoplocher

Alle Hände voll zu tun haben die ehrenamtlichen Helfer des OGV Döfering an den Tagen, an denen die Obstpresse in Betrieb ist. Auch Ehrenvorsitzender Michael Stautner lässt es sich nicht nehmen, mit hin zu langen. Er hat auch das Förderband (links) ausgetüftelt. Foto: Schoplocher
Alle Hände voll zu tun haben die ehrenamtlichen Helfer des OGV Döfering an den Tagen, an denen die Obstpresse in Betrieb ist. Auch Ehrenvorsitzender Michael Stautner lässt es sich nicht nehmen, mit hin zu langen. Er hat auch das Förderband (links) ausgetüftelt. Foto: Schoplocher

Schönthal.Es rumpelt und rattert, dazwischen ein fröhliches Hallo, ein netter Plausch und vor allem: fleißige Menschen und jede Menge Obst. Während die ältere Dame ihre zwei Säckchen goldroter Äpfel Richtung Förderband schiebt, fährt draußen ein Traktor vor, die Frontschaufel voller Obst. Es ist Dienstag Abend, Apfelpresstag beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Döfering.

Ende Juli hat der Verein die ersten Termine angeboten, „so früh wie noch nie“. Auch die Menge ist außergewöhnlich, was die Helfer allerdings nicht aus der Ruhe bringt. „Notfalls erhöhen wir das Kontingent“, schmunzelt Vorsitzende Maria Schneider. Bereits im ersten Jahr – 1994 schaffte der Verein die Presse an – standen 760 Zentner in der Bilanz. 1100 waren es auch schon, und „in diesem Jahr werden wir die 1000 auch schaffen“, ist Elisabeth Krumschier, eine der treuen Helferinnen, überzeugt.

Kauf war für den OGV ein Risiko

Hildegard Wutz füllt die Maische in die Kastenform, die mit einem hygienischen Kunststofftuch ausgelegt ist, das dann zusammengeschlagen wird. Zuvor wurde das Obst mittels Förderband in den Häckslern transportiert.Foto: ps
Hildegard Wutz füllt die Maische in die Kastenform, die mit einem hygienischen Kunststofftuch ausgelegt ist, das dann zusammengeschlagen wird. Zuvor wurde das Obst mittels Förderband in den Häckslern transportiert.Foto: ps

Die Anschaffung der Presse – als erster weit und breit und nach wie vor der einzigen im Altlandkreis – barg ein gewisses Risiko, erinnern sich Schneider und Ehrenvorsitzender Michael Stautner. Weil im Zuge der Flurbereinigung aber viele Obstbäume (privat wie öffentlich) gepflanzt wurden, waren die Verantwortlichen damals zuversichtlich, auch langfristig „Kunden“ zu haben. Eine richtige Einschätzung, zumal bis heute Frauen und Männer aus dem gesamten Umland, bis Rötz, Cham und Gleißenberg, ihr Obst anliefern. Was sie mitbekommen, ist Rohsaft. „Abkochen muss ihn zuhause jeder selbst“, erklärt Hildegard Wutz aus dem Vorstandsteam. Dann könnte der Saft in Beutel abgefüllt werden (die der OGV zum Selbstkostenpreis gleich mit anbietet).

Apfelpressen beim OGV in Döfering

Die neue Presse, angeschafft, nachdem die alte 2012 „fast den Geist aufgegeben“ hat, sorgt mit 300 Bar dafür, dass der Saft nur so sprudelt. Tut er am besten, wenn Äpfel und Birnen – die gerne gemischt werden – nicht zu reif sind. Mehlig dürfen die Früchte auch nicht sein.Foto: ps
Die neue Presse, angeschafft, nachdem die alte 2012 „fast den Geist aufgegeben“ hat, sorgt mit 300 Bar dafür, dass der Saft nur so sprudelt. Tut er am besten, wenn Äpfel und Birnen – die gerne gemischt werden – nicht zu reif sind. Mehlig dürfen die Früchte auch nicht sein.Foto: ps

Wenn es auch neu ist seit diesem Jahr, hat sich das Nummernsystem schon bewährt. Wer mit seinem gewaschenen (!) Obst kommt, erhält eine Ziffer und trägt sich in eine Liste ein. Diese bildet dann gleich die Grundlage für die Abrechnung. Hildegard Wutz nutzt den Blick ins Buch, um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Auch, wer nicht mit zentnerweise Obst (gegen Ende der Saison – bis Anfang November – werden auch Quitten verarbeitet) kommt, ist in Döfering richtig. Drei Liter sind schon aus einem „normalen“ Eimer herauszuholen, erklären die Fachleute.

Der Trester, der „Rest“, ist zu schade für Kompost oder Biotonne. Ihn bekommen kostenlos Jäger und Jagdpächter, bevorzugt aus Döfering, und somit Wildtiere. Je reifer die gepressten Früchte sind, desto schlechter lösen sich die Reste von den Tüchern –Mehraufwand. Foto: ps
Der Trester, der „Rest“, ist zu schade für Kompost oder Biotonne. Ihn bekommen kostenlos Jäger und Jagdpächter, bevorzugt aus Döfering, und somit Wildtiere. Je reifer die gepressten Früchte sind, desto schlechter lösen sich die Reste von den Tüchern –Mehraufwand. Foto: ps

Manch einer hat bis zu 200 Liter im Keller. „Der hält sich“, sagen Schneider und Wutz unisono und schnell führt das Thema weg vom Technischen zu den Trinkgewohnheiten. Pur, verdünnt, warm, in den Tee, für die Enkel... „Gesund und schmeckt“, lautet die einfache Zusammenfassung. Und nicht zuletzt wisse man genau, was drin ist. Regulär ist die Obstpresse dienstags ab 18.30 Uhr und mittwochs ab 8 Uhr in Betrieb (Anlieferung eine Stunde lang). Wegen des Feiertags läuft sie am heutigen Dienstag ab 8 Uhr. Gepresst wird alles, was da ist – und da kann es für die OGV-ler schon mal Richtung Mitternacht gehen, ehe der Dienst zu Ende ist.

Die Presse kann von beiden Seiten bedient werden, was den Ablauf enorm beschleunigt. Jeweils vier Lagen werden im Idealfall gepresst, das macht 30 Liter Saft. Foto:ps
Die Presse kann von beiden Seiten bedient werden, was den Ablauf enorm beschleunigt. Jeweils vier Lagen werden im Idealfall gepresst, das macht 30 Liter Saft. Foto:ps

Der einzige Lohn: Für sie ist das Pressen umsonst. Alle anderen zahlen nach Gewicht, Mitglieder weniger. „Mancher hat so viel, dass sich ein Beitritt lohnen würde“, weiß Hildegard Wutz. Dabei hat der Verein auch „so“ schon 180 Mitglieder. Auch dank der vor elf Jahren ins Leben gerufenen Kindergruppe „Freche Früchtchen“, die sich großer Beliebtheit erfreut. Oft würden die Eltern dann gleich mit den Weg zum OGV finden, weiß Maria Schneider.

Döferinger Helfer sind immer zur Stelle

Für die Ehrenamtlichen ist die Arbeit mit dem letzten Pressvorgang indes noch lange nicht zu Ende. Wenn die Kunden weg sind, muss gespült, gereinigt und aufgeräumt werden. „A mords a Arbeit“, sei das, zudem die längste und schlechtere. Dennoch: Sorgen, dass sich zu einem Termin einmal zu wenig Helfer einfinden könnten, hat der OGV nicht. Dabei gibt es nicht einmal Absprachen. „Das Grundteam ist immer da“, berichtet Hildegard Wutz.

Neben „Chefin“ Maria Schneider als Hausherrin finden sich immer die mindestens nötigen vier bis fünf Freiwilligen ein, die für einen optimalen Ablauf nötig sind. Auch sie selbst freut sich auf die Termine, die schon so etwas wie Kult-Status haben. Da kommt gerne auch der ein oder andere Landwirt „nur“ auf einen Ratsch vorbei. Merke: Apfelpressen beim OGV in Döfering ist mehr als Saftherstellung.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht