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Kultur

Aus Zuhörern wurden Freunde

Das Besamim-Quartett und Stefan Shen brillierten mit Mozart und Schubert im Konzerthaus Blaibach.

Das „Besamim-Quartett“ und Stefan Shen (2.v.re.) genossen den hochverdienten Applaus Foto: cjr
Das „Besamim-Quartett“ und Stefan Shen (2.v.re.) genossen den hochverdienten Applaus Foto: cjr

Blaibach.Die Überschrift „Unter Freunden“ war nicht von ungefähr so gewählt. Und wen das junge Ensemble aus Regensburg bis Samstagabend noch nicht zu seinen Freunden zählte, der wurde es nach dieser tadellosen Leistung sicherlich – der Schlussbeifall, durchsetzt mit Bravos, zeigte dies unmissverständlich.

Was war da im Konzerthaus Blaibach geschehen? Das einst (2007) von Studenten als das „Streichquartett der Universität Regensburg“ gegründete Besamim-Quartett brillierte in zwei sehr anspruchsvollen Werken der klassischen Literatur mit einer Qualität, die durchaus als hochprofessionell gelten darf.

Man hätte dem Primarius David Peterhoff, der 2. Geigerin Cosima May, Lisa Klimbacher - Bratsche und Elisabeth Schmack - Violoncello, und nach der Pause auch Stefan Shen - Violoncello, eigentlich ein volles Haus gewünscht. Aber Klasse statt Masse beim Publikum machte die freien Plätze dann vielleicht wieder wett.

W. A. Mozart’s „Streichquartett G-Dur“, KV 387, vor der Pause und Franz Schuberts „Streichquintett in C-Dur“, D 956, zählen zum Emotionalsten und Vorausschauendsten der Genres ihrer Zeit. Mozart widmete seinem väterlichen Freund Joseph Haydn sechs Streichquartette, wovon dieses G-Dur das erste war. Im kleinen, originell aufgemachten Programmheft setzen die Musiker es als musikalisches Pendant zum dichterischen Aufbruch in eine neue Zeit der Dramatik mit Klassikern von Goethe und Schiller gleich.

Meisterwerk tadellos gespielt

Die gesteigerte Beredsamkeit fand zu dieser Zeit auch Eingang in die reine Instrumentalmusik – und in die schwierige, neue Gattung des Streichquartetts. Wie tadellos die Interpretation dieses Meisterwerkes gelang – höchste Einigkeit noch in den expressivsten Phasen und im ständigen Wechselspiel von laut-leise Kontrasten – war angesichts der nichts verzeihenden Akustik des Konzerthauses auf höchstem Level gelungen. Das war Ensemblemusik in einem Guss, verblüffend differenziert und trotzdem von einem berückenden Gleichklang. War die Spannung schon hoch beim Mozart vor der Pause, so steigerte sie sich jetzt, beim „Streichquartett in C-Dur“, von Franz Schubert noch spürbar. Zwischen den Sätzen herrschte atemlose Stille, so beeindruckend wurde die Situation empfunden – befördert durch die kongeniale Umsetzung dieser aufwühlenden, einzigartigen Musik.

Zum Quartett kam nun quasi als Soloinstrument das stimmführende Cello von Stefan Shen hinzu – eine klangliche Erweiterung, die jedoch der 1. Geige nichts von ihrer virtuosen Leichtigkeit und den restlichen Streichern nichts von ihrer Bedeutung nahm. Auch hier wieder die souveräne Dynamik der Crescendi-Decrescendi in bewundernswerter Harmonie und Präzision, ein Zusammenspiel, wie es enger und gefühliger kaum sein konnte.

Die beiden Celli haben unterschiedliche Aufgaben im ersten Satz – sie erfüllen sie in musikantischer Weise.

Die berühmte Stecknadel

Der 2. Satz – Adagio – wartet mit einem delikaten Einstieg auf: Das Quartett bildet die Basis, auf der das 1. Cello tiefe Melancholie, aber auch tragische Momente zeigt. Zunächst in einer weiten tiefen Pizzicato-Passage, dann aber mit mühelosen Läufen bis ins Diskant treibt Shen die Spannung weiter hoch. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können. Der dritte, ländlich erscheinende Satz bringt orchestrale füllige Momente aller Instrumente mit Jagdmotiven und Dudelsack-Ostinati. Die hier schon praktizierte Steigerung löst sich im Finalsatz zunächst in einem tänzerischen Beginn auf – die 1. Violine hat hier schöne virtuose Figuren perfekt intoniert.

Das Bild wandelt sich hin zum Dramatischen, bevor es in einem gewaltigen „drei Mal Forte.“-Aufschrei endet.

Vom Gehörten beeindruckt, lässt das Publikum eine Weile verstreichen, bevor es in einem langen Beifall seiner Begeisterung und seinem Dank an die Musiker Ausdruck verleiht. (cjr)

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