MyMz
Anzeige

Prävention

Aussichtsloser Kampf gegen Schweinepest

Die Jäger-Kreisgruppe hat in Schönthal eine Sammelstelle für Schwarzwild-Abfälle errichtet. Viel mehr kann sie nicht tun.
Von Petra Schoplocher

Hans Bürcky ist bei seinen Waldspaziergängen nicht mehr ganz unbeschwert. Die nahende Afrikanische Schweinepest fordert den Vorsitzenden der Jäger-Kreisgruppe. Foto: Schoplocher
Hans Bürcky ist bei seinen Waldspaziergängen nicht mehr ganz unbeschwert. Die nahende Afrikanische Schweinepest fordert den Vorsitzenden der Jäger-Kreisgruppe. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Eines ist für Hans Bürcky ganz klar: Die Afrikanische Schweinepest wird kommen – und zwar „so sicher, wie das Amen in der Kirche“. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen setzen er und seine Kollegen aus den Kreisgruppen des Bayerischen Jagdverbands auf Prophylaxe und Prävention. Unter anderem mit Sammelstellen. Eine erste hat die Waldmünchener Gruppe nun in Schönthal eingerichtet.

Zwei Behälter – ausrangierte 240-Liter-Tonnen – stehen durch ein Zahlenschloss gesichert auf dem Gelände der Kläranlage bereit. In diese werden Jäger ab sofort ihre Schwarzwild-Abfälle werfen. Während die Tierreste von Reh und anderen Wildwiederkäuern weiterhin im Wald „entsorgt“ werden dürfen, mussten Wildschweinabfälle schon immer in die Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht werden.

In der Kläranlage Schönthal hat die Kreisgruppe zwei 240 Liter-Tonnen aufgestellt. Foto: Bürcky
In der Kläranlage Schönthal hat die Kreisgruppe zwei 240 Liter-Tonnen aufgestellt. Foto: Bürcky

Zwar soll mit dieser Maßnahme verhindert werden, dass sich das für Schweine todbringende – für Menschen und Hunde aber ungefährliche – Virus ausbreitet, gibt Hans Bürcky die in Abstimmung mit den zuständigen Behörden auf Landkreisebene erarbeitete Strategie weiter. Er sagt aber auch: „Es gibt keinen Plan, wenn das Virus da ist“. Und malt sich praktisch aus, was passiert, wenn sich eine Sau auffallend verhalte. „Die dürfte ich dann ja gar nicht anfassen.“ Für den Jäger steht fest: Sollte die Afrikanische Schweinepest kommen, wäre das eine höchst staatliche Sache.

Dass die Seuche, die sich bereits in Tschechien ausbreitet, durch höhere Abschusszahlen noch stoppen ließe, glaubt Bürcky nicht. Zumal die Rechnung nicht funktioniere. „70 Prozent von was?“, fragt Hans Bürcky leicht genervt, wenn er von derartigen Abschussforderungen für Schwarzwild hört.

„Die Sau muss da sein“

Selbst wenn Nachtsichtgeräte erlaubt sein würden, „die Sau muss ja erst mal da sein“. Und genau darin liege das Problem. „Das Wildschwein macht, was es will, hält sich an keine Regelmäßigkeiten“, weiß der Tiefenbacher. Das macht die Jagd so zeitintensiv, da sie nachts erfolgt und die meisten Jäger tagsüber ihren Berufen nachgehen, ist eine Intensivierung kaum möglich. Um dem Schwarzwild auf der Spur zu bleiben, müssten seine Kollegen ohnehin täglich im Revier unterwegs sein, ergänzt Hans Bürcky.

Fünf bis sechs Stunden Arbeit sind nötig, um Schwarzwildschäden wie diese zu beheben. Foto: Paul Bürcky
Fünf bis sechs Stunden Arbeit sind nötig, um Schwarzwildschäden wie diese zu beheben. Foto: Paul Bürcky

Dass der Mais häufig am besten bis an die Waldkante angebaut würde, könnten Wildschweine nur als Einladung verstehen. „Das ist für die, wie als wenn wir jeden Tag Steak essen könnten“. Zudem sei der Wald ein ideales Versteck. Bürcky will kein Öl ins Feuer der ohnehin schwierigen Beziehung zwischen Landwirten und Jägern gießen, sagt aber dennoch deutlich, dass „es das sicher nicht sein kann, dass es nur heißt: Jäger, schieß mal“. Auch die Gutsherrenart mancher Landwirte als Revierinhaber ärgert den Kreisvorsitzenden, der auf etliche Verträge hinweist, in denen der Jäger alleinig für Wildschäden verantwortlich ist. „Es gibt aber auch ganz wunderbare Verhältnisse“, schiebt er nach, dass es nicht zwangsläufig zu Spannungen zwischen den beiden Gruppen kommen muss.

237 Stück Schwarzwild hat die Kreisgruppe im vergangenen Jahr geschossen, 2016 waren es noch rund 500. „Warum auch immer“, kommentiert der Kreisvorsitzende diese Zahl, die er auf keinen Fall mit nachlassendem Engagement „seiner“ derzeit rund 110 Mitglieder verknüpft sehen will.

Lesen Sie hier: Was hilft gegen die Afrikanische Schweinepest? Die Bauern fordern mehr Jagd, die Jäger winken ab, die Politik steuert gegen.

Es gibt noch keinen Plan, was passiert, wenn die Schweinepest da ist.“

Hans Bürcky, BJV-Kreisvorsitzender

Allerdings könnte auf diese demnächst eine weitere Belastung hinzukommen: Sobald es wärmer wird, müssen die Abfälle in den Tonnen gekühlt werden. Ein erster Kostenvoranschlag für einen solchen Konfisatkühler liegt bei weit über 2000 Euro, zwei wären nötig plus ein Unterstellstand. „Wir sind ein Verein“, unterstreicht Bürcky, der sich nicht vorstellen kann, dass diese Investition ohne finanzielle Unterstützung zu stemmen ist. Auch die Entsorgung kostet: Pro Tonne und Anfahrt rund 30 Euro, dafür allerdings stellt das Landratsamt 1000 Euro jährlich zur Verfügung.

Den Herausforderungen stellen

Seit Sommer laufen Maßnahmen gegen die Schweinepest. Foto: dpa
Seit Sommer laufen Maßnahmen gegen die Schweinepest. Foto: dpa

Die Jäger wollen versuchen, sich der Verantwortung zu stellen. „Es wäre sicher nicht vermittelbar, wenn wir uns verschließen.“ Seiner Meinung nach passiert das Gegenteil: „Wir Jäger stellen uns den Herausforderungen der Zeit.“ Revierübergreifende Drückjagden, erklärt er, seien zwar ein gutes Mittel, bürgen allerdings auch Schwierigkeiten wie die Haftung des Jagdleiters und die immensen bürokratischen Anforderungen und Vorbereitungen. Saufänge lehnt die Kreisgruppe aus jagdethischen Gründen ab, schiebt Bürcky nach.

Vom Standort der Sammelstelle ist er sehr angetan: Lage, Einzäunung, Anfahrt, fließend Wasser und nicht zuletzt Strom, „alles da“. Sollte der Bedarf größer werden, hätte die Kreisgruppe Tiefenbach im Auge, entsprechende Gespräche gab es bereits.

Dass die heimische Tierproduktion in Aufruhr und Sorge ist, versteht Bürcky, schließlich müssten beim Auftreten eines ASP-Falles in einem Drei-Kilometer-Radius alle Tiere gekeult werden, ein Sperrgürtel von 15 Kilometern würde eingerichtet. „Wenn die Politik schon reagiert, schrillen die Alarmglocken“, fasst Bürcky die Lage zusammen. Die Jäger haben sie jedenfalls gehört.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht