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Region Cham
Mittwoch, 22. August 2018 28° 2

Verkehr

Autofahrer ignorieren die B20-Sperrung

Die Fahrverbot auf der B20 zwischen Cham und Straubing wird rigoros missachtet – oder es geht gnadenlos über Privatgrund.
Von Johannes Schiedermeier

Slalom am Waldrand zwischen Baumstämmen und Eisenstempen und dann quer über die Wiese von Landwirt Willi Stocker zurück auf die Bundesstraße. Für diese Insider-Abkürzung Wilting-Sattelpeilnstein wurde sogar ein Baumstamm der Absperrung ins Maisfeld gerollt. Fotos: Schiedermeier
Slalom am Waldrand zwischen Baumstämmen und Eisenstempen und dann quer über die Wiese von Landwirt Willi Stocker zurück auf die Bundesstraße. Für diese Insider-Abkürzung Wilting-Sattelpeilnstein wurde sogar ein Baumstamm der Absperrung ins Maisfeld gerollt. Fotos: Schiedermeier

Cham.Landwirt Willi Stocker zuckt die Schultern und deutet auf den Baumstamm, der die äußeren Reihen seines Maisfeldes geplättet hat: „Die Baumstämme hatte ich als Absperrung für meine Wiese hier oben hingelegt!“ Der Landwirt hat es aufgegeben. Als er an diesem Donnerstagabend am Wiesenrand steht, kommt ein weißer Transporter den Schotterweg herauf. Der Fahrer sieht sich kurz um, umkurvt entschlossen Baumstämme und Eisenstangen und fährt am Waldrand entlang und quer über die Wiese auf einer inzwischen deutlich sichtbaren Schneise auf die B 20 zurück.

Die vier Spezies der Sperr-Muffel

„Das geht hier ständig so. Ich habe sogar schon einen Brennstoff-Tanker runterfahren sehen“, sagt Stocker. Zwei Stunden am Waldrand später ist der Reporter um eine Erfahrung reicher. Während auf der B 20 links die neuen Leitplanken gerammt werden und rechts die Markierer-Kolonne unterwegs ist, fährt Sattelpeilnstein ungerührt durch die Vollsperrung nach Hause.

  • Spezies 1
Spezies 1 – Die Umfahrer Fotos: Schiedermeier
Spezies 1 – Die Umfahrer Fotos: Schiedermeier

Vier Spezies der Sperr-Muffel kristallisieren sich heraus: Da sind die Umfahrer der Sperrschilder: Die Arbeiter nehmen es längst gelassen, wenn sie kommen. Das Positive: „Die sind ziemlich verunsichert und fahren deswegen langsam“, sagt einer der Markierer. Auf die Frage, warum er das Sperrschild einfach umkurvt hat, erklärt ein Autofahrer: „Ich bin ja vorsichtig!“

  • Spezies 2
Spezies 2 – die ganz Coolen Fotos: Schiedermeier
Spezies 2 – die ganz Coolen Fotos: Schiedermeier

Spezies 2 – die ganz Coolen. Die biegen auf der Gegenfahrbahn in die Vollsperrung ein, überholen Lastzüge und brettern Richtung Wilting. Auf die Frage, weshalb, tippt sich der Fahrer ans Hirn: „Da is eh nix los. Und dafür sollen wir 20 Minuten rundum fahren!“ Er fühlt sich deswegen auch im Recht: „Man sieht doch, dass es geht. Die Straße ist doch eigentlich frei. Wieso wird dann gesperrt?“ Und die Markierer und Leitplanken-Trupps? – „Die stören doch keinen!“

  • Spezies 3
Spezies 3 – die Lemminge Fotos: Schiedermeier
Spezies 3 – die Lemminge Fotos: Schiedermeier

Spezies 3 sind die Lemminge. Sie stehen ganz lang unentschlossen an der Absperrung und quälen sich mit der Entscheidung. Dann fahren ein paar durch und sie hängen sich an. Auf die Frage warum, bekommt man die obligatorische Antwort: „Da fahren doch alle!“

  • Spezies 4
Spezies 4 – die Harten Fotos: Schiedermeier
Spezies 4 – die Harten Fotos: Schiedermeier

Spezies 4 sind die ganz Harten. Sie sind durch nichts aufzuhalten. Sie reißen Absperrbänder mit dem Auto ab, rollen ganze Bäume ins Maisfelder, um über private Wiesen abzukürzen, und antworten mit Blick auf die deutlich sichtbare Schneise der Verwüstung: „Is doch eh scho alls hi!“ Übrigens gibt es auch beruhigende Beobachtungen. Der Sperrmuffel an sich ist eher ordentlich veranlagt. Wenn er glaubt, dass es knapp ist, dann rückt er die Baken zur Seite, fährt rein, hält an, und rückt sie dann wieder zurecht. Außerdem blinkt er, bevor er am Sperrschild vorbeifährt. An der Kreuzung bei Sattelpeilnstein gibt es noch eine weitere beruhigende Beobachtung: Alle warten, bevor sie die voll gesperrte Bundesstraße überqueren – man weiß ja, dass da welche kommen.

„Wer reinfährt, ist schuld!“

Manfred Rieger, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt in Regensburg, kennt solche missachtete Sperrungen. „Es spricht sich schnell rum, wenn eine Straße im Grunde befahrbar ist. Die Leute verstehen aber nicht, dass es meistens wesentlich schneller geht, wenn man sperrt und vor allem für alle Beteiligten sicherer ist.“ Ab und zu gebe es sogar Sonderregelungen vonseiten des Bauamtes. Zum Beispiel für Schulbusse. „Das kann dann der Fall sein, wenn die Straße befahrbar ist und der Busplan nicht mehr zu halte wäre wegen der Länge der Umleitung.“

Sehen Sie hier eine Grafik zur Sperrung der B20 zwischen Cham und Straubing und den Umleitungen

Und Rieger verweist noch auf einen zweiten Punkt: „Wenn da ein Unfall passiert mit einem Baustellenfahrzeug, oder der Autofahrer mit seinem Wagen über ein ungesichertes Bankett stürzt, dann trifft ihn die volle Schuld. Ganz abgesehen von dem Ärger, den es mit sich bringt, wenn da am Ende der Straße plötzlich die Polizei steht.“

Die Polizei kennt Beschwerden über diverse Schleichwege im Bereich der B 20-Sperrung, so Chams Polizeichef Alfons Windmaißer. Man sei diesen Beschwerden auch nachgegangen und habe dort kontrolliert. Für eine genaue Auskunft über das Ergebnis ist eine Info des zuständigen Sachbearbeiters für Freitag in Aussicht gestellt.

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