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Region Cham
Dienstag, 24. April 2018 20° 3

Kriminalität

Autoräuber stoppte Opfer mit Barrikade

Der Räuber lief nach der Tat am Haus eines Polizisten vorbei und wurde bis zu seiner Festnahme von dem Further verfolgt.
Von Johannes Schiedermeier

In dieser Kurve im Wald auf der Strecke zwischen Arnschwang und Grub – auf Höhe des Fahrzeugs – war die Straße mit Ästen blockiert. Fotos: Baumgartner

Furth im Wald.Eine böse Überraschung hat eine 56-jährige Frau erlebt, die mit ihrem Auto in einem Waldstück zwischen Arnschwang und Grub Opfer eines dreisten Raubüberfalles geworden ist. Der Täter wurde inzwischen durch die Aufmerksamkeit eines Further Polizeibeamten geschnappt und sitzt in U-Haft.

Für das nicht alltägliche Raubdelikt im Straßenverkehr hatte der 34-jähriger durch ein Hindernis mit Ästen und Stammholz auf der Kreisstraße in einem Waldstück zwischen Arnschwang und Grub vorbereitet. Die Fahrerin aus dem Landkreis Cham wurde dadurch zum Anhalten gezwungen. Während die Frau die Holzteile von der Fahrbahn räumte, stahl der Tatverdächtige ihr Auto und flüchtete. Intensive Fahndungsmaßnahmen, Kommissar Zufall und das Engagement eines Beamten in der Freizeit führten zur Festnahme des mutmaßlichen Pkw-Räubers und zur Sicherstellung des Autos.

Gelauert, im Wald versteckt

Von dieser Fichte holte sich der Täter die Äste, um die Straße damit zu sperren. Fotos: Baumgartner

Der zunächst Unbekannte, hatte sich zuvor im Wald verborgen gehalten, um sich in den unversperrt auf der Straße stehenden Pkw der Geschädigten zu schleichen. Die Fahrzeugbesitzerin versuchte noch, den Raub ihres Autos zu verhindern, indem sie die Fahrertür öffnen wollte. Der Räuber ließ sich dadurch aber nicht mehr von seinem Vorhaben abbringen: Er gab Gas und fuhr in Richtung Furth im Wald davon. Die Frau blieb glücklicherweise unverletzt zurück. Da sich die Handtasche mit dem Handy ebenfalls in dem geraubten Fahrzeug befand, gelang es der Geschädigten nicht sofort, die Polizei zu verständigen.

Mit Unterstützung einer zufällig vorbeikommenden Autofahrerin konnte schließlich der Notruf abgesetzt, und die Tat der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz gemeldet werden. Von dort koordiniert starteten sofort intensive Fahndungsmaßnahmen nach Täter und Fahrzeug mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers. Neben den örtlichen Polizeikräften waren zudem Kräfte der Bundespolizei, die tschechischen Behörden und die Sicherheitskräfte aus Niederbayern eingebunden.

Vermutlich durch den hohen Fahndungsdruck veranlasst, ließ der Täter das geraubte Fahrzeug im Verlauf seiner Flucht zurück und versuchte den Beamten zu Fuß zu Fuß zu entkommen. Hierbei führte ihn sein Weg gut eineinhalb Stunden später allerdings genau an dem Zuhause eines Beamten der Polizeiinspektion Furth im Wald vorbei. Der Polizist, der zuvor bereits in die Fahndungsmaßnahmen eingebunden gewesen war, erkannte beim zufälligen Blick aus dem Fenster anhand der vorhandenen Beschreibung und dem auffälligen Verhalten des Mannes, den Gesuchten.

Augenblicklich nahm der Beamte, der sich mittlerweile in der Freizeit befand, die Verfolgung des flüchtigen Tatverdächtigen auf. Unter Mithilfe einer weiteren zufällig vorbeikommenden Person gelang es, den Flüchtigen, der sich zwischenzeitlich auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Anwesens versteckt hatte, insoweit unter Kontrolle zu behalten. Die eilig an das Objekt herangeführten Streifen der Polizeiinspektion Furth im Wald konnten den Flüchtigen schließlich vorläufig festnehmen.

Zeugenaufruf

  • Wer hat beobachtet?

    Die Kripo bittet um Mithilfe: Verkehrsteilnehmer, die zur Tatzeit in dem Waldstück unterwegs waren und verdächtige Beobachtungen gemacht oder durch die auf der Straße befindlichen Hindernisse gefährdet oder geschädigt wurden, werden gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzten. Insbesondere der Fahrzeuglenker eines hellen Pkws, der unmittelbar nach der Tat vorbeifuhr, wird gebeten, sich zu melden.

  • Wo ist die Handtasche?

    Der Räuber hatte auf seiner Flucht das Bargeld aus der Handtasche der Geschädigten genommen und sich der Handtasche anschließend entledigt. Eventuelle Finder dieser schwarzen Damenhandtasche, die als Beweismittel benötigt wird, werden ebenfalls gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

  • Für Hinweise

    Hinweise bitte an die Kripo unter der Telefonnummer (09 41) 506-28 88

Haftbefehl wegen Raubes

Der 34-jährige tschechische Staatsbürger verbrachte die folgende Nacht in Polizeigewahrsam und wurde am Sonntag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ unter anderem Haftbefehl wegen eines räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer. Der Tatverdächtige sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Im Rahmen der weiteren Fahndungsmaßnahmen konnte auch das Fahrzeug der Geschädigten in einem Waldgebiet abgestellt aufgefunden werden. Nach Abschluss der polizeilichen Spurensicherung konnte dieses der Besitzerin zwischenzeitlich bereits wieder ausgehändigt werden. Vermutlich aufgrund der rabiaten Fahrweise des Räubers entstand an dem Fahrzeug Sachschaden in Höhen von knapp 3500 Euro.

Einzeltat unter Drogen

Die weiteren Ermittlungen werden durch das in Furth im Wald ansässige Kommissariat 10 der Kriminalpolizei Regensburg geführt. Neben dem Raubdelikt werden dem Tatverdächtigen verschiedene weitere Delikte, unter anderem auch Fahren ohne Fahrerlaubnis vorgehalten. Der Mann besaß zum Zeitpunkt der Tat nicht nur keinen Führerschein, sondern stand zudem unter Betäubungsmitteleinfluss. Ersten Erkenntnissen zufolge ist der Mann auch bei der tschechischen Polizei kein Unbekannter.

Grund für eine erhöhte Sorge in der Bevölkerung besteht laut Kripo nicht, da es sich um eine Einzeltat handelt. Vergleichbare Delikte waren in letzter Zeit nicht zu verzeichnen. Verkehrsteilnehmer, die allein unterwegs sind, sollten in vergleichbaren Fällen trotzdem vorsichtig sein und das Fahrzeug nicht verlassen, bevor weitere Verkehrsteilnehmer hinzukommen und die Polizei anrufen.

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