mz_logo

Region Cham
Montag, 25. Juni 2018 20° 5

Wirtschaft

Azubis: Rodinger Firmen sind Vorbild

Firmen müssen neue Wege gehen, um auch in Zukunft Fachkräfte zu gewinnen. Die Aktion „Woche der Ausbildung“ macht aufmerksam.
Von Bastian Schreiner

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Deshalb ist die Ausbildung der Grundpfeiler für eine erfolgreiche Zukunft. Foto: Schreiner
Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Deshalb ist die Ausbildung der Grundpfeiler für eine erfolgreiche Zukunft. Foto: Schreiner

Roding.Die Kluft zwischen Ausbildungsplätzen und Bewerbern wird auch in der Region immer größer. Die Tatsache spielt Jugendlichen zwar in die Tasche und bietet ihnen einen gewissen Komfort, stellt aber Betriebe im Umkehrschluss vor eine große Herausforderung. Um den hohen Stellenwert der betrieblichen Ausbildung, die den Fachkräftebedarf sichern soll, in den Fokus zu richten, hat die Bundesagentur für Arbeit die „Woche der Ausbildung“ initiiert. Die Aktion, die von 26. Februar bis 2. März unter dem Motto „Ausbildung Klarmachen“ läuft, hat Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, am Mittwoch bei HKR in Roding vorgestellt.

„In Deutschland, aber auch im Landkreis ist der Fachkräftemangel ein großes Thema. Deshalb wird die Ausbildung noch wichtiger als in der Vergangenheit“, betonte Nitsch nach einem kurzen Firmenrundgang. Um die Qualitätsstandards und die Stärke der Unternehmen – auch beim Export auf dem Weltmarkt – zu erhalten, sei eine betriebliche Ausbildung unausweichlich.

Einblicke in mehrere Branchen

Beim Pressegespräch für die „Woche der Ausbildung“ (v. l.): Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, die drei Ausbilder Willibald Janker, Christian Serve und Josef Herzog, Personalberaterin Martina Niebauer, Günter Wallaschek (Agentur für Arbeit) und HKR-Geschäftsführer Michel Rahn Foto: Schreiner
Beim Pressegespräch für die „Woche der Ausbildung“ (v. l.): Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, die drei Ausbilder Willibald Janker, Christian Serve und Josef Herzog, Personalberaterin Martina Niebauer, Günter Wallaschek (Agentur für Arbeit) und HKR-Geschäftsführer Michel Rahn Foto: Schreiner

Als „leuchtendes Beispiel“ in puncto Ausbildung nannte er die drei Betriebe HKR, Continental und WeButex, die sich vor zehn Jahren auf eine Kooperation geeinigt haben. Seitdem werden die Lehrlinge dieser Firmen gemeinsam im Ausbildungsverbund Roding betreut. Mit im Boot ist seit September 2017 auch die Schweizer Group. „Das ist ein großer Vorteil für die Auszubildenden, weil sie dadurch Einblicke in unterschiedliche Branchen erhalten“, erklärte HKR-Geschäftsführer Michel Rahn den Vorteil des Verbundes. In diesem Modell werde großen Wert auf Austausch gelegt, bei dem sich die Azubis bereits ein Netzwerk aufbauen könnten.

Die Unternehmen des Verbundes

  • HKR:

    Der Schwerpunkt liegt auf der Produktion von Drehteilen aus Messing. Es werden auch Frästeile und Schmiedeteile bearbeitet.

  • Conti:

    Am Standort in Roding betreibt der Automobilzulieferer ein Kompetenzzentrum für Kraftstoff-Hochdruckpumpen.

  • WeButex:

    Die Firma zählt zu den besten in der spanabhebenden Bearbeitung von Schichtpressstoffen.

  • Schweizer Group:

    Die Firma ist Spezialist für Präzisionsdruckguss.

Dass Ausbildung ein wichtiger Grundpfeiler einer erfolgreichen Zukunft ist, darüber sind sich Wirtschaft und Agentur für Arbeit einig. Der demografische Wandel ziehe einen Mangel an Fachkräften nach sich, sagte Nitsch. Deshalb seien Unternehmen mehr denn je auf qualifiziertes Personal angewiesen. Dabei würden schon jetzt einige Betriebe eingefahrene Wege verlassen. Der Agentur-Leiter zählte Möglichkeiten auf: „Manche Firmen akquirieren Azubis aus dem Ausland, viele öffnen ihren Betrieb für junge Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind.“ Zudem sollte man schwächeren Jugendlichen oder Menschen mit Behinderung eine Chance geben. Der Ausbildungsverbund Roding sei dafür ein spannendes Vorbild, da er auf die alternativen – meistens zeitintensiveren – Möglichkeiten setzt. Auch vor dem Hintergrund, dass jedes Jahr zahlreiche Jugendliche ausgebildet werden – auch weibliche. „In anderen Ländern ist der Anteil junger Frauen in technischen Berufen viel höher“, merkte er an. Während der Berufs des Zerspanungsmechanikers bei männlichen Azubis in Deutschland auf Rang 1 der Beliebtheitsskala liegt, nimmt er bei den weiblichen Rang 10 ein.

Außerschulische Kompetenzen

Die betriebliche Ausbildung soll den Bedarf an Fachkräften sichern. Foto: Schreiner
Die betriebliche Ausbildung soll den Bedarf an Fachkräften sichern. Foto: Schreiner

In Zukunft sollten außerschulische Kompetenzen der Jugendlichen in den Fokus gerückt werden. „Beim Vorstellungsgespräch soll immer weniger auf die Noten, sondern mehr auf andere Skills wie Teamfähigkeit oder sportliche und musische Stärken geachtet werden“, meinte Nitsch. Denn auch in schwächeren Schulabsolventen würden Entwicklungspotenziale stecken.

Wie die Ausbilder Willibald Janker und Josef Herzog berichteten, sei die Ausbildung von Mädels bei HKR seit Jahren selbstverständlich. Die beiden machten aber auch keinen Hehl daraus, dass die Ausbildung von jungen Flüchtlingen sowie schwächeren Kandidaten viel aufwendiger ist. Barriere sei die Sprache. Als Problem – gerade in einem Flächenlandkreis wie Cham – nannten die Ausbilder den lückenhaften ÖPNV. Ohne Auto oder Führerschein sei es schwierig die potenziellen Ausbildungsstellen zu erreichen.

Um Bewerber zu gewinnen, setzen die Firmen auch auf gemeinsame gesellschaftliche Aktivitäten, gutes Betriebsklima, Freiraum für die Entwicklung der Jugendlichen sowie Übernahme-Angebote. Conti biete älteren Leuten Umschulungen an, teilte Personalberaterin Martina Niebauer mit.

Nutzen Betriebe mehrere Säulen – schwächeren und ungelernten Leuten eine Chance geben, Flüchtlinge integrieren und ausländische Azubis werben – werden sie auch in Zukunft Fachkräfte gewinnen, war Agentur-Chef Nitsch abschließend überzeugt.

Weitere Nachrichten aus Roding und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht