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Kommune

Bad: „Die Zahlen sind illusorisch!“

Die Debatte um neue Badelandschaften zeigt, dass das finanzielle Risiko für die Stadt Roding vielen Bauchschmerzen bereitet.
Von Christoph Klöckner

Über die Zukunft des Rodinger Bades sollen im Oktober die Bürger entscheiden. Foto: Archiv/Mühlbauer
Über die Zukunft des Rodinger Bades sollen im Oktober die Bürger entscheiden. Foto: Archiv/Mühlbauer

Roding.Ein Bad ohne Defizit zu betreiben, ist unmöglich. Es gebe nur ein Bad, das dieses „Naturgesetz“ umkehre, hatte vor kurzem Bürgermeister Franz Reichold gesagt – das sei die Erdinger Therme. Die lebt vom bayernweiten Ansturm der Badegäste. Ein ähnliches Bild hat nach Meinung der Stadträte Alfred Wittmann (FW) und Alfred Stuiber (FDP) der Gutachter für ein Ganzjahresbad in Roding gemalt – und damit die Realität verfehlt.

Denn im Gutachten, auf dem die Kalkulationen der Stadt und damit die Gesamtrechnung fußt, wird von 213000 Besuchern ausgegangen. Cham hat etwa mit Hallenbad und Freibad eine Besucherzahl bei Maximalwerten von 120000, wie eine Nachfrage ergab. „Die Zahl ist völlig illusorisch!“, kritisierte Alfred Wittmann in der Stadtratssitzung. Das Risiko sei unüberschaubar. Kämen nur 50000 Besucher weniger, sei das Jahresdefizit gleich um eine Viertelmillion Euro gewachsen. Wobei sowieso im Gutachten bereits mit einem Jahresdefizit von 755000 Euro gerechnet wird. Wittmann kritisierte auch, dass nie von der Sanierung des 50-Meter-Beckens die Rede gewesen sei – das allein schaffe Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro. Und auch, dass es für den eingeplanten Zuschuss des Landkreises von 1,5 Millionen Euro keinen Kreistagsbeschluss gebe. Da es bis zum angedachten Termin des Bürgerbegehrens keine Kreistagssitzung mehr gebe, werde dieses Unsicherheit bleiben.

Kommentar

Der Bürger muss es ausbaden

Vertagungs-Taktik der Freien Wähler, CSU-Blockade einer Bürgerbeteiligung, FDP-Vorstoß für ein Begehren: Man kann es drehen und wenden, wie man will –...

Er habe bereits im Mai für die Freien Wähler eine Verschiebung der Abstimmung über das Ganzjahresbad und ein Ratsbegehren beantragt, betonte Wittmann – was die CSU abgelehnt habe. Für ihn sei es dann klar gewesen, ein Bürgerbegehren zu initiieren, womit ihm nun die FDP zuvor gekommen sei. Die finanziellen Vorgaben zu stemmen sei ohne ein Entscheid der Bürger nicht zulässig, befand Wittmann: „Alle CSU-Größen des Landkreises, auch Landrat Löffler, haben mir da im Gespräch zugestimmt!“ Der Bürgermeister entgegnete, dass die Erhaltung des 50-Meter-Beckens immer Ziel gewesen sei. Er antwortete auch auf die Frage, warum eine Sanierung des Freibades mit kalkulierten elf Millionen Euro so teuer sei: „Das ist wie ein Neubau. Da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen!“

Stadtrat

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Ein Ratsbegehren wird vorbereitet, das den Neubau eines Ganzjahresbads bestätigt haben will. Im Oktober stimmt der Bürger ab.

Dr. Michael Jobst (CSU) hob hervor, dass die Stadt Planungssicherheit brauche, weil das Risiko zu hoch sei. Alfred Stuiber schließlich hob hervor, dass es der FDP nicht darum gehe, Recht zu haben. Die Summe sei einfach groß, die hier investiert werden solle. Gerechnet werde mit einem Eintrittspreis von fünf Euro – bei jährlichen Betriebskosten von 2,1 Millionen Euro und 213000 Besuchern komme bei ihm ein Fehlbetrag zum Defizit von zusätzlich 290000 Euro. Der Bürgermeister verweis darauf, dass man mit dem laufenden Zuschuss des Landkreises rechne und der Geschäftsführer der Städtischen Betriebe, Manfred Janker, ergänzte, dass das fehlende Geld in der Rechnung wohl aus der Gastronomie erwirtschaftet werden solle.

Renate Hecht (SPD) sagte, die Bürger seien durch das jahrelange Hin und Herr verärgert – es sei Zeit für eine Entscheidung. Dr. Reinhold Schoierer sah die Ziele der Freien Wähler mit dem Ratsbegehren erreicht, während Richard Seidl (CSU) hervorhob, dass die Stadt und der Stadtrat eine Bäderlandschaft wolle, weshalb man 2011 die Planungen gestartet habe. Man habe bereits mit Mehrheit für ein Ganzjahresbad gestimmt – warum das nun nochmals geschehen solle, verstehe er nicht. Man solle den Fortgang einfach beschließen – die Bürger wollten das Bad. In jedem Fall solle der Stadtrat vom Streiten wegkommen, betonte er.

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