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Stadtrat

Bad Kötzting braucht ein Kanal-Konto

Das Kanalnetz sei zu wertvoll, um es verkommen zu lassen, findet ein Experte: Das zeige sich spätestens im Schadensfall.
Von Roman Hiendlmaier

Schöne Aussichten: Die Pflege des Kanalnetzes wird Bad Kötzting jährlich knapp eine Million Euro kosten, haben Fachleute errechnet. Foto: wf
Schöne Aussichten: Die Pflege des Kanalnetzes wird Bad Kötzting jährlich knapp eine Million Euro kosten, haben Fachleute errechnet. Foto: wf

Bad Kötzting.Eine klare Ansage, auch nach dem jüngst erfolgten, Millionen-teuerem Ausbau des Kanalnetzes weiter auf sein unterirdisches Entwässerungssystem zu achten, erhielt der Stadtrat am Dienstagabend. Die Ansage kam von Carsten Mikosch, Mitarbeiter des Ingenieurbüros ISAS, einer Münchner Spezialisten-Truppe „in allen Fragestellungen rund um bestehende Abwassersysteme und deren Peripherie“, wie es in der Selbstdarstellung heißt.

Ihre Entwässerungsanlagen sind ein wichtiges Gut, dass es für Kommunen zu bewahren gilt, so Mikosch. Deshalb kämen die Kommunen auch nicht umhin, die Kanäle regelmäßig überprüfen und warten zu lassen – und zwar laufend und regelmäßig.

Knapp eine Million Euro im Jahr

Erst im vergangenen Jahr wurde im Stadtgebiet eine 2,4-Millionen-Euro-Maßnahme zur Regenwasser-Entlastung geht nach knapp zwei Jahren Bauzeit abgeschlossen. Gebaut wurde eine über einen Kilometer lange Rohrleitung, die den bestehenden Schmutz- und Mischwasserkanal rund um die Ludwigstraße und den Spitalplatz erheblich entlastet – sehen tut heute davon den vergrabenen Millionen keiner mehr was. Zum Abschluss dieser Maßnahme hatte der Leiter des Stadtbauamts, Christian Kopf, damals eine Prognose abgegeben: „An derartige Ausgaben werden wir uns in Zukunft gewöhnen müssen“.

Bilder aus dem Untergrund: Viel zu wertvoll ist nach Ansicht des Fachbüros ISAS das Kanalsystem einer Kommune, als dass es nicht regelmäßig gepflegt werden sollte. Foto: ISAS
Bilder aus dem Untergrund: Viel zu wertvoll ist nach Ansicht des Fachbüros ISAS das Kanalsystem einer Kommune, als dass es nicht regelmäßig gepflegt werden sollte. Foto: ISAS

Viele Rohre im über 112 Kilometer langen Kanalnetz der Stadt seien rund 70 Jahre alt, so Christian Kopf. „Die technische Lebenserwartung einer Kanaleitung beträgt im Mittel 80 Jahre,“ wissen die Münchner Ingenieure aus langjähriger Erfahrung und den aktuellsten Fachkenntnissen. Anders gesagt: In Bad Kötzting besteht wahrscheinlich zwar kein dringender, aber dennoch ein wachsender Handlungsbedarf.

Die Münchner Fachleute verglichen in ihrer Analyse dabei verschiedene Varianten zwischen Neubau und Sanierung, die Strategien bei der Auswahl der Projekte (Drängendste oder wichtigste zuerst?) wie auch mögliche Synergieeffekte mit weiteren Infrastrukturprojekten wie Wasserversorgung, Fernwärme, Glasfaser, oder Straßenbau.

Unterm Strich spuckte der ISAS-Computer ein für die Stadt Bad Kötzting erforderliches Budget aus, dass statistisch zwischen knapp 700 000 Euro und gut 800 000 Euro liegt, je nachdem wie gut es das Schicksal in Form von Schadensfällen, Wetterereignissen, etc. mit der Stadt in den nächsten Jahren meint.

Billiger wird‘s nicht

  • Situation

    : Aktuell fließen nach Angaben des Stadtwerkeverbandes VKU bundesweit pro Jahr mehr als vier Milliarden Euro in den Erhalt und die Erneuerung der Abwasserinfrastruktur. Doch dieses Geld reicht nicht aus, um marode Rohre zu ersetzen und die Kanalisation so zu erweitern, dass sie bei Starkregen nicht sofort an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.

  • Ausblick:

    Das Netz der öffentlichen Abwasserkanäle in Deutschland ist rund 600 000 Kilometer lang. Bei etwa 20 Prozent der Rohre besteht nach Einschätzung von Experten ein kurz- bis mittelfristiger Sanierungsbedarf. Ein Drittel der Kanalisation ist älter als 50 Jahre. Durch die Alterung ist mit einem steigenden Sanierungsbedarf zu rechnen.

Carsten Mikosch betonte, dass in dieser Summer lediglich die Faktoren Verschleiß und Alterung des Netzes enthalten sind, ebenso die Kosten für die laufende Beobachtung des Kanalnetz-Zustands. On top hinzu kommen Baunebenkosten, interne Verwaltungskosten, Grundstücksanschlüsse, oder der Netzausbau im Zuge der Stadtentwicklung.

Zahlen tun‘s die Nutzer

Die ISAS-Leute hatten sich auch Gedanken gemacht, wie diese vorausschauende Planung finanziert werden könnte, wobei die bedeutendste Einnahmequelle gleichzeitig die naheliegende war: Über Gebühren und Beiträge in entsprechender Höhe solle die Stadt die erforderlichen finanziellen Ressourcen schaffen. Was nach Ansicht der Planer nicht nur die operativen Arbeiten betrifft, sondern auch die personellen Voraussetzungen: Qualifiziertes Personal zur Projektleitung sei ebenso notwendig, wie das frühzeitige Sorge um Nachwuchskräfte – eine Kanalsanierung sei schließlich Daueraufgabe. Nicht zuletzt sei es ratsam, sich für die jeweiligen Projekte und Abschnitte Spezialisten an die Seite zu holen.

Bau

Kötzting beendet teuerste Baustelle

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Als erster Schritt sollen in Bad Kötzting in den nächsten Monaten rund zehn der 112 Kilometer Kanal von Fachleuten unter die Lupe genommen werden. Dann werde sich herausstellen, wie der tatsächliche Zustand des Abwassersystems sei. Daraus wiederum würde ein Konzept erstellt, was und wo zunächst saniert werde. Als Anfangskosten sah der Ingenieur als rund 80 000 Euro als notwendig an. Die Entscheidung des Stadtrats darüber fiel jedoch in nichtöffentlicher Sitzung.

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