MyMz
Anzeige

Bad Kötzting.

Bad Kötzting: Hausärzte-Mangel zeichnet sich ab

Wollen den Wandel im Gesundheitswesen „nicht kampflos hinnehmen“ (v. l.): Dr. Claudia Stahl, Dr. Elisabeth Lerche und Robert Altmann.

Denken die Ärzte Dr. Elisabeth Lerche, Dr. Claudia Stahl und Robert Altmann an die Entwicklungen im Gesundheitswesen, verdüstern sich ihre Mienen. Sie befürchten, dass gerade auf dem Land die niedergelassenen Hausärzte „aussterben“, erklären die Ärzte in einem Informationsgespräch. Lerche und Stahl, die in Bad Kötzting eine Gemeinschaftspraxis betreiben, verweisen auf die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte im Altlandkreis. Die meisten hätten die 50 Jahre bereits überschritten, sodass ein Umbruch vorhersehbar sei. Die Ärztinnen wollen ihre Praxis zwar momentan noch nicht übergeben, doch das Beispiel ihrer Kollegin Barbara Rautenberg gibt auch ihnen zu denken. Die habe erst nach einer zwei Jahre währenden Suche die Nachfolge regeln können.

Der 58-jährige Altmann würde für seine Praxis in Neukirchen b. Hl. Blut gerne einen Nachfolger aufbauen, sagt er. Doch das fast unmöglich. Das finanzielle Wagnis wolle kaum ein junger Kollege eingehen, ist Altmanns Eindruck. Ein weiterer Grund: die schlechten Rahmenbedingungen, unter denen die niedergelassenen Hausärzte zu leiden hätten. Ernüchternd seien auch die Versuche gewesen, den Beruf der eigenen Tochter schmackhaft zu machen, erzählt er. Am Empfang habe sie öfter ausgeholfen. Doch seine Hoffnung, sie könne an der Praxisluft Geschmack finden, zerschlug sich. Die 24-Jährige studiert lieber Medieninformatik.

„In zehn Jahren werden die Hausarztpraxen im Altlandkreis dünn gesät sein“, ist Dr. Martin Schloßbauer aus Bad Kötzting überzeugt. Nachfolger für Praxen zu finden, sei äußerst schwierig. Seine beiden Töchter hätten zwar Medizin studiert, doch er könne ihnen nicht guten Gewissens dazu raten, die Praxis weiterzuführen, sagt Schloßbauer. Der Beruf sei inzwischen nicht nur vollkommen „überbürokratisiert“, sondern auch das Einkommen trotz gegenteiliger Behauptungen nicht kalkulierbar. „Arbeit habe ich genug“, stellt Schloßbauer klar, „nur befinde ich mich auf einem ökonomischen Blindflug.“ Hinzu käme außerdem, dass ein junger Mediziner sich als Hausarzt medizinisch nicht verwirklichen könne, fügt Schloßbauer hinzu. Da könne er verstehen, wenn der „perfekt ausgebildete“ Nachwuchs ins Ausland abwandere.

Die vier Ärzte betonen, dass sie ihren Beruf gerne ausüben. Das Wohlergehen ihrer Patienten liege ihnen am Herzen. „Wir leben schließlich von unserem guten Ruf“, sagt Altmann. Eine viel anonymere Behandlung komme auf die Patienten zu, wenn die so genannten Medizinischen Verwaltungszentren (MVZ) weiter um sich greifen, geben Lerche und Stahl zu bedenken. Denn freie Arztsitze würden verstärkt von Investoren aufgekauft.

Die dort arbeitenden Ärzte seien Angestellte eines Konzerns. Wenn ein Konzern ein MVZ betreibe, stehe zu befürchten, dass fortan der Verdienst im Vordergrund stehe, merkt Schloßbauer an. Doch nur wenige Patienten seien sich über die Folgen dieser Entwicklung im Klaren. Auch bei der Politik vermisst Schloßbauer die Konzepte gegen das Ausbluten des ländlichen Raumes, das auf das Schließen der Hausarztpraxen folgen werde.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht