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Szene

Bad Kötzting nimmt vom Flash Abschied

Am Samstag stieg die allerletzte Party in der Bad Kötztinger Kultdisco Flash. Da kamen Gefühle und Erinnerungen hoch.
Von Christina Schweitzer

Bad Kötzting.„Wenn Freunde zur Familie werden“, dann ist der Ort, an dem man sich immer wieder trifft ein Stück Zuhause geworden. So oder so ähnlich könnte man die Großraumdisco „Flash“ in Bad Kötzting sehen, die am Samstag zum letzten Mal öffnete. Das Flash galt in den letzten 33 Jahren als ein „Rückzugsort der Jugend“, wo man abschalten und Freunde finden konnte.

In einem Punkt sind sich alle Besucher einig: Sie sehen dem Ende ihrer Lieblingsdisco mit einem weinenden Auge entgegen – nicht nur, weil das Flash als Disco seine Tore schließt, sondern weil sich auch ein Kapitel ihres Lebens schließt, in das sie nun tatsächlich nicht mehr durch kurzweilige Besuche zurückkehren können. Somit bleiben jedem nur seine eigenen und ganz persönlichen Erinnerungen an einmalige Erlebnisse in diesem Flash.

Wohnzimmer für Tobias

Das Flash war für Generationen von jungen Kötztingern ein Zuhause. Fotos: Simon Tschannerl
Das Flash war für Generationen von jungen Kötztingern ein Zuhause. Fotos: Simon Tschannerl

Eine nostalgische Erinnerung teilte der 27-jährige Tobias aus Chamerau mit. Er ist Stammgast im Flash, der seiner Lieblingsdisco nun durch die letzten acht Jahre hinweg treu geblieben ist. Er sagt, dass ihn das Flash nicht nur durch den kameradschaftlichen Umgang ans Herz gewachsen ist, nein, es ist sozusagen sein Wohnzimmer geworden. Tobias hilft aufgrund der langjährigen Beziehung, die er zum Flash und seinen Mitarbeitern aufbaute, auch mal gern im lichttechnischen Bereich aus, zum Beispiel bei DJ Tobsucht. Für Tobias eine besondere Eigenschaft dieses Clubs: Das X-TRA besitze bereits in seiner Jugend durch das Auflegen von Rockmusik, wie zum Beispiel der Bands Sepultura oder Rammstein, eine „bayernweite Einmaligkeit“. Es ist einst unverwechselbar gewesen in puncto Headbangen, bei dem die Rocker ihre Haarmähne durch die Luft schleudern. Nur um dies in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu teilen, seien die Besucher nicht nur aus der Region, sondern bis aus München und Viechtach angereist.

Der große Abschied vom Flash in Bad Kötzting

33 Jahre waren die Tanzflächen im Flash ein Garant für lange, heiße Nächte. Das zeigte sich auch beim Schlussakt am Samstag. Fotos: Simon Tschannerl
33 Jahre waren die Tanzflächen im Flash ein Garant für lange, heiße Nächte. Das zeigte sich auch beim Schlussakt am Samstag. Fotos: Simon Tschannerl

Auch wenn eben dies in letzter Zeit nicht mehr so oft der Fall war, da der Trend wohl eher weg vom Headbangen und hin zum Pogen ging, schwelgt Tobias in Erinnerungen. Er kann es noch nicht realisieren, dass nun tatsächlich der letzte Abend gekommen sein soll, und genießt den Besuch im Flash bis zur letzten Minute. Das Flash ist für ihn im Laufe der Zeit zur Heimat und insbesondere der X-TRA-Bereich zum Wohnzimmer geworden. Er betont, dass es nun seit 2010 nie eine Frage war, ob dieses schließen würde, und nun steckt ihm die Enttäuschung in den Knochen. Doch die Hoffnung stirbt auch bei ihm zuletzt, dass sich jemand finden würde, der die Disco und insbesondere den von ihm und vielen anderen so geliebten Rockbereich weiterführt würde.

Ein letztes Mal setzten die Disco-Lichter im Flash die Nacht in leuchtende Farben. Fotos: Simon Tschannerl
Ein letztes Mal setzten die Disco-Lichter im Flash die Nacht in leuchtende Farben. Fotos: Simon Tschannerl

Auch die 30-jährige Carolin Graßl findet es schade, dass das Flash schließt. Sie hat sich an diesem Abend noch im „bootylicious“, wie einst im Alter von 16 Jahren gesehen. Die junge Frau meint, dass sie dadurch in alten Erinnerungen schwelgen kann und jedes Mal, wenn sie da ist, die vergangenen Zeiten wieder aufleben. Aber auch die 20-jährige Franzi aus Arnbruck steht der Schließung mit Tränen in den Augen gegenüber. Sie arbeitet seit September 2015 hinter dem Tresen der Theken im Flash. Die Barkeeperin hat durch die Arbeit nicht nur Anschluss und neue Freunde gefunden, sondern auch etliche Liebesdramen vom Tresen aus miterlebt.

Das Ende der Diskothek Flash

  • Das Aus

    Nach 33 Jahren schließt nun das Flash seine Tore. Die Gäste sahen diesem Ereignis mit Tränen in den Augen entgegen.

  • Die Gründe

    Gründe für das Aus der Disco: Investitionen müssten im Rahmen von Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten getätigt werden; Großraumdiscos sind bei den Besuchern nicht mehr so angesehen, wie früher.

  • Die Erinnerungen

    Mehrere Generationen nannten das Flash am Wochenende liebevoll ihr zweites Zuhause, da sie dort stets anzutreffen waren.

Das „Anpacken“ gelernt

Strahlender Gesichter statt Trauer: Die Flash-Fans sagten ihrer Disco „Servus“. Fotos: Simon Tschannerl
Strahlender Gesichter statt Trauer: Die Flash-Fans sagten ihrer Disco „Servus“. Fotos: Simon Tschannerl

Sie ist sich sicher, dass sich ihr Charakter auch durch den guten Team-Zusammenhalt weiter entwickelt und sie durch die Arbeit das „Anpacken“ gelernt hat und somit ein Stück erwachsener und selbstständiger geworden ist. Aus diesem Grund – wenn die Freunde und Arbeitskollegen zur Familie werden – hat die nette Mitarbeiterin auch, wie viele andere, wegen der Schließung geweint. Sie alle sind extrem traurig und wünschen sich nur „einen letzten geilen Abend“, an dem sie auch ihre negativen Gefühle überspielen müssen.

Lesen Sie hier: Nach 33 Jahren schließt das Kötztinger Flash. Gründe gibt es viele: von Party-Verhalten bis zu anstehenden Investitionen.

Sven und Sebastian aus dem Raum Arnschwang erinnern sich an viele Triple-Decker-Abende, die für sie das absolute Highlight gewesen seien. Die beiden Freunde hätten im Flash „a geile Zeit“ erlebt, wofür sie sehr dankbar seien. Dies sei vor allem durch die abwechslungsreichen Musikrichtungen, die immer gespielt würden, möglich gewesen. Jedoch betrauern auch sie das Ende des Rockabteils X-TRA.

Jahrzehnte war das X-TRA Anlaufpunkt für die Rock- und Metalfans der Region. Fotos: Simon Tschannerl
Jahrzehnte war das X-TRA Anlaufpunkt für die Rock- und Metalfans der Region. Fotos: Simon Tschannerl

Für alle anderen Gäste stand eines fest: Das Flash ist für sie ein Relikt ihrer Jugend, mit ihm sind sie groß geworden. Sie haben in den Wänden des Flashs ihre „Sturm und Drang“ -Zeit erlebt. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass das Flash am letzten Öffnungstag bis zum Anschlag von feierwütigen, aber emotional beherrschten Gästen besucht wurde. Während die Einen gemütlich an der Bar in nostalgischen Erinnerungen schwelgten, tanzten die Anderen auf der Tanzfläche zu den Beats der DJs. Kurzum: Jeder Gast hat diese letzte Nacht im Flash noch einmal zu seinem persönlichen Highlight und somit zu einer unvergesslichen Erinnerung gemacht.

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