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Kommune

Bad-Zukunft: Ein Ziel, zwei Optionen

Sanierung oder Ganzjahresbad? Bei der Bürgerversammlung wurden Für und Wider diskutiert, im November stimmen die Rodinger ab.
Von Bastian Schreiner

So könnte das Ganzjahresbad aussehen – der Entwurf stammt aus den Vorplanungen. Das 50-Meter-Becken (rechts) soll bleiben. Foto: Städtische Betriebe
So könnte das Ganzjahresbad aussehen – der Entwurf stammt aus den Vorplanungen. Das 50-Meter-Becken (rechts) soll bleiben. Foto: Städtische Betriebe

Roding.Die Erschließung von Baugebieten, die Entwicklung der Ortsteile, Pendlerstatistik und Schülerzahlen rückten bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in den Hintergrund. Denn den rund 150 Besuchern in der Rodinger Stadthalle brannte vor allem das Bad-Thema auf den Nägeln. Einen Monat vor dem Bürgerentscheid am Sonntag, 17. November, zeigten Franz Reichold (Ganzjahresbad) und Alfred Stuiber (Freibad-Sanierung) die Argumente ihrer jeweiligen Variante auf. Dass etwas gemacht werden muss am Freibad-Berg, schien jedem Bürger klar, da die in die Jahre gekommene Einrichtung kurz vor dem Aus steht.

Bei seinem obligatorischen Bericht wurde Bürgermeister Franz Reichold ungewohnt persönlich – war es doch seine letzte Bürgerversammlung in dieser Form. Sowohl bei Conti („Die geplante Schließung des Werks ist ein Tiefschlag, der mich trifft.“) als auch bei der Frage von Anton Hecht, warum er das große Projekt jetzt noch anpacke, obwohl er 2020 in Ruhestand gehe („Glauben Sie wirklich, ich hätte mir das aufgetan, wenn es nicht so dringend wäre?“) reagierte der Rathaus-Chef emotional – und erhielt dafür vom Gros der Gäste Applaus.

Ein Plus bei der Gewerbesteuer

Bürgermeister Franz Reichold Foto: Schreiner
Bürgermeister Franz Reichold Foto: Schreiner

Die Stadt überlege, so Reichold, ob man in Wetterfeld weitere Baugebiete ausweisen solle. Die Nachfrage sei jedenfalls groß. Auch in Neubäu am See, Mitterdorf und Mitterkreith sollen Parzellen entstehen. Viel Geld fließe 2019 in den Grunderwerb, den Neubau des Mitterdorfer Kindergartens, die Schul-Sanierung in Roding, den Straßenbau, Anschaffungen für die Feuerwehren, das Projekt „Nat(o)ursinn“ und DSL. Erfreulich seien die Neuansiedlungen und Erweiterungen im Industriegebiet „Sanddickicht“ in Altenkreith. „Noch nehmen bei uns die Arbeitsplätze zu“, sagte Reichold. Ferner rechne die Stadt heuer mit etwas mehr Gewerbesteuer als eingeplant.

Fortgesetzt werden sollen das Rehabilitationskonzept für die Wasserversorgung, der Internetausbau sowie die Revitalisierung der Ortsinnenbereiche. Dafür gebe es auch Fördermittel, teilte er mit. Die Arbeitslosenquote liege bei 2,1 Prozent, die Zahl der Übernachtungen 2018 bei rund 74 400.

Freizeit

Die Pläne für das Rodinger Ganzjahresbad

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Vor der Vorstellung der beiden Bad-Optionen schilderte der Bürgermeister die Ausgangslage. Richtig sei, dass die Verschuldung der Stadt 20 Millionen Euro betrage, man jedoch eine hohe Investitionstätigkeit habe. Das Betriebskostendefizit sei bei allen Optionen Varianten tragbar, der hohe Eigenanteil der Investitionskosten stellte aber ein Problem dar. Deshalb sei bei beiden Varianten das Aussetzen der Schuldenbremse inklusive Nettoneuverschuldung notwendig. Für die Dauer von fünf Jahren sollen 1,5 Millionen Euro jährlich aus dem laufenden Haushalt bereitgestellt werden. Reichold betonte, dass es weder eine Kürzung der Ausgaben bei den Pflichtaufgaben (Schulen, Kindergärten, Straßen) noch bei den freiwilligen Leistungen an die Vereine geben werde. Auch Steuererhöhungen schloss er aus.

FDP-Stadtrat Alfred Stuiber Foto: Schreiner
FDP-Stadtrat Alfred Stuiber Foto: Schreiner

Alfred Stuiber stellte nun das FDP-Begehrens, das sich für den Erhalt des Freibades und die abschnittsweise Sanierung einsetzt, vor. Wichtig sei ihm, dass die Bürger eine Wahl haben und mitbestimmen können. Das Ganzjahresbad sei bei jetzigem Planungsstand zu gewöhnlich und deshalb kein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Kritisch sieht er bei einem Neubau eines Ganzjahresbades die hohen Kosten, die höheren Eintrittspreise und den zunehmenden Verkehr in der Siedlung. Bei der Hallenbad-Sanierung nimmt er in den Landkreis in die Pflicht, der Weg für die Schüler würde dadurch auch kurz bleiben.

Offen ist laut Stadt, was bei einer Freibad-Sanierung mit dem ebenfalls in die Jahre gekommenen Hallenbad des Landkreises passiert. Foto: MZ-Archiv
Offen ist laut Stadt, was bei einer Freibad-Sanierung mit dem ebenfalls in die Jahre gekommenen Hallenbad des Landkreises passiert. Foto: MZ-Archiv

Bei einer Sanierung rechnet Stuiber mit Kosten in Höhe von 8,5 bis zehn Millionen Euro und einer Bauzeit von drei Jahren, gearbeitet werden soll von Herbst bis Frühjahr. „Erst Technik neu, dann Becken neu, dann Gebäude neu“, so stellt er sich den Ablauf vor. Roding habe ein schönes Freibad, dass die Leute schätzen. „Deshalb sind wir für eine Sanierung. Und wenn es passt, kann man in Zukunft erweitern“, sagte er.

„Wir betreiben viel Kosmetik, damit das Freibad noch einigermaßen annehmbar ist“, berichtete der Bürgermeister. Doch Technik und Leitungen seien so veraltet, dass es jede Saison ein Glücksspiel sei, ob man eröffnen könne. Das Ganzjahresbad inklusive Sanierung des 50-Meter-Beckens koste rund 19,8 Millionen Euro. Das jährliche Defizit betrage rund 755 000 Euro. Zudem ging Reichold kurz auf die Ausstattung mit Cabrio-Dach, Rutsche, Außenbecken, Kinderland und Textilsauna ein.

Debatte

„Ganzjahresbad steigert Attraktivität“

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Wahlunterlagen kommen bald

Beim Bad-Bürgerentscheid – die Abstimmungskarten samt Briefwahlunterlagen werden nächste Woche per Post zugestellt – haben die Rodinger drei Stimmen: ein Kreuzchen zum Ganzjahresbad (Ratsbegehren), eines zur Freibad-Sanierung (FDP-Bürgerbegehren) und eines bei der Stichfrage. Diese ist notwendig, da beide Bürgerentscheide ein mehrheitsfähiges Ergebnis erzielen können.

Zwei Begehren beim Bürgerentscheid

  • Franz Reichold:

    Der Bürgermeister stellte die Pläne für den Neubau eines Ganzjahresbades vor. Weiche Standortfaktoren seien für eine kleine Stadt sehr wichtig, so Reichold.

  • Alfred Stuiber:

    Der FDP-Stadtrat hat das Bürgerbegehren mit dem Kreisverband initiiert. Er plädierte für den Erhalt des Freibades und eine schrittweise Sanierung und Erweiterung.

Er sei für ein Ganzjahresbad, sagte Stefan Schmelber: „Was will man bei diesem Bad-Zustand noch sanieren?“ Thomas Klapper vom Verein „Pro Bad Roding“ sieht den Vorteil auf der Hand: „Künftig kann man zwölf Monate statt zwölf Wochen baden.“ Auf die Frage von Stefan Straßburger, ob die Saunalandschaft vom Tisch sei, erklärte der Bürgermeister: „Aktuell ja, es wird aber so gebaut, dass wir den Saunatrakt später andocken können.“

Bei diesem Schuldenberg, der mit den Städtischen Betrieben mehr als 30 Millionen Euro betrage, sei der Bau eines Ganzjahresbades unvernünftig, meinte Anton Hecht. Die SPD-Fraktion spreche sich deshalb für eine Sanierung des Freibades aus.

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