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Protest

Bald funkt es auf dem Buchberg gewaltig

Auf der Anhöhe soll ein rund 40 Meter hoher Digitalfunk-Mast die Verbindung in das Katzbach-Tal sicherstellen. Kindergarteneltern machen sich Sorgen.
Von Johannes Schiedermeier

Wenn morgens der Waldboden noch die Kälte der Nacht auf dem Buchberg ausatmet, dann sind die Waldkinder schon unterwegs. Jetzt sorgen sich ihre Eltern, weil auf dem Buchberg ein Sendemast geplant ist.Foto: si

CHAM/WILLMERING.Irgendwann waren sie da und parkten neben der Totenbretter-Gruppe am Rande der Buchbergsiedlung. Polizei war dabei, Vertreter des Innenministeriums und der Gemeinde Willmering. Als sie wieder wegfuhren, standen ein paar Markierungshölzer mit rot besprühten Köpfen oben mitten im Wald.

Jetzt haben etliche Eltern rote Köpfe, die ihre Kinder in den Waldkindergarten geschickt haben. „Weil wir dachten, dass sie dort besonders gesund aufwachsen“, so formulierte es Thomas Hastreiter als Sprecher bei der Sitzung des Gemeinderates in Willmering. Dort führt man nun eine Mast-Debatte. Wieder einmal. Erst gab es eine Interessensgemeinschaft besorgter Bürger gegen einen Handymasten auf der Geigen, jetzt will der Freistaat den Willmeringern einen 40 Meter hohen Betonmasten in den Staatsforst über das Dorf setzen.

Funklochfrei ins Katzbach-Tal

Ein erster Anlauf auf der Luitpoldhöhe war gescheitert. Dort weigerte sich der Bayerische Rundfunk, weil der neue Standort zu nahe an der aktuellen Sendeanlage geplant war und man eine Beeinträchtigung der Sendeleistung befürchtete. Die Luitpoldhöhe war erste Wahl, weil von dort funklochfrei das Katzbachtal bestrahlt werden kann.

Der Digitalfunk soll nämlich die reibungslosen und abhörsicheren Einsätze der Blaulicht-Organisationen sicherstellen. Die, so berichtet Geschäftsstellenleiter Werner Vogl, seien auch in die Gemeinderatssitzung nach Willmering gekommen. Polizei, Feuerwehr und die Telent, die im Innenministerium zuständig ist für die Sicherstellung flächendeckender Mastnetze. Tenor laut Vogl: „Wir brauchen das!“

Bürgermeister Michael Dankerl hatte im Vorfeld bereits geäußert: „Und wir haben wieder den Schwarzen Peter!“ Denn es regt sich erneut Widerstand. Geschäftsstellenleiter Werner Vogl meint dazu: „Noch ist nicht klar, wie das ausgehen wird. Denn der Bauantrag ist ja noch nicht gestellt. Wir haben uns jetzt erst einmal informieren lassen.“

„Lieber Herr Bürgermeister...“

Zu Wort gemeldet haben sich schon einmal die Eltern des Waldkindergartens mit einer Unterschriftenliste und den jeweiligen bunten Fingerabdrücken der Kinder, die täglich auf dem Buchberg spielen.

In dem Brief heißt es: „Lieber Herr Bürgermeister, liebe Gemeinderäte! Wir, die Kinder und Betreuer des Waldkindergartens Cham, spielen auf dem Buchberg. Deshalb wollen wir Sie eindringlichst bitten, den geplanten Sendemasten nicht aufzustellen, denn wir wollen weiterhin gesundbleiben. Bitten denken Sie an das Wohl der Kinder, damit wir zu gesunden Persönlichkeiten heranwachsen können, die auch als Erwachsene das Rückgrat besitzen, für Natur, Umwelt und Gesundheit einzutreten.“

„Wir kriegen nur den Antrag“

Gemeinde-Geschäftsführer Vogl bezweifelt, dass den „lieben Gemeinderäten“ viel Spielraum bleibt. „Wir kriegen doch nur den Bauantrag. Da können wir entscheiden, ob der Freistaat zu Recht auf seinem eigenen Gebiet einen 40 Meter hohen Betonmasten aufstellen darf. Was da oben drauf kommt, steht doch gar nicht zur Debatte.“ Vogl lässt auch keinen Zweifel daran, was passiert, wenn der Gemeinderat da nicht mitspielt: „Dann wird die Zustimmung ersetzt.“

Vogl berichtet, dass Ulrich Wittfeld von der Firma Telent, die für das flächendeckende Mastennetz im Freistaat zuständig ist, die Argumentation mit den Spielplätzen und den nahen Siedlungsbereichen nicht habe gelten lassen. Der Mast werde 40 Meter hoch und stehe auf dem Hangrücken des Buchbergs. Deswegen überstrahle er die nahen Bereiche sowieso. Und auch dort seien die geltenden Grenzwerte bei weitem unterschritten.

Das Innenministerium hat dem Bayerwald-Echo bis zum Wochenende eine Stellungnahme versprochen, warum auf dem Buchberg die freiwillige Selbstverpflichtung des Freistaates nicht greift, sich von Schulen und Kindergärten fernzuhalten.

Warten auf die Papiere

Aber noch ist der Bauantrag nicht auf dem Tisch und die Gemeinde hat sich über eine Vorgehensweise nicht geeinigt. Zum Beispiel weiß man dort nicht, was die „Interessensgemeinschaft besorgter Bürger und Anlieger von Prienzing und Geigen“ plant. Deren Sprecherin Monika Kiefl weiß es schon: „Nichts. Wir machen nichts, weil es sowieso sinnlos ist. Am Ende wird es genehmigt. Das finden wir traurig, weil in anderen Ländern längst die Beweislast für die Gesundheitsverträglichkeit bei den Betreibern liegt. Nur bei uns nicht!“

Von der Stadt Cham wird auch nichts kommen. Auch wenn Stadtrat Klaus Hofbauer die Bürgermeisterin im Namen besorgter Bürger um eine Bürgerversammlung für den betroffenen Ortsteil der Buchbergsiedlung gebeten hat.

Die Bürgermeisterin hat eine klare Linie: „Da geht es um Belange und die Zuständigkeiten der Gemeinde Willmering. Da hat die Stadt Cham weder mitzureden, noch werden wir dazu gehört!“ Deswegen werde sie auch keine Bürgerversammlung zu Themen einer Nachbargemeinde einberufen. Das habe sie Hofbauer auch mitgeteilt. Kontakt mit dem Waldkindergarten habe sie nicht gehabt.

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