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Region Cham
Samstag, 23. Juni 2018 18° 5

Gastspiel

Barfuß, mit Tuba und jeder Menge Humor

Die beiden Echo-Preisträger Andreas Martin Hofmeir und Tim Allhoff rissen das Chamer Publikum zu Beifallsstürmen hin.
Von Monika Kammermeier

Andreas Martin Hofmeir mit seiner Tuba und Tim Allhoff am Flügel.Foto: Kammermeier
Andreas Martin Hofmeir mit seiner Tuba und Tim Allhoff am Flügel.Foto: Kammermeier

CHAM.Das ist auf jeden Fall ein Typ, der da am Freitag im Langhaussaal auf die Bühne sprang: barfuß, blond, dynamisch – Andreas Martin Hofmeir eben. Zum zweiten Mal gastierte der junge Salzburger Professor (39) mit der Tuba in Cham, diesmal mit einer musikalisch-kabarettistischen Lesung. Und, barfuß sei er gerne, weil es so sexy ist, soll er einmal gesagt haben. Na ja, vielleicht aber spürt der in München Geborene und in der Holledau Aufgewachsene, den Boden und besonders den bayerischen, gerne hautnah. Anders als angekündigt begleitete ihn Echo-Jazz-Preisträger Tim Allhoff am Flügel. Beide Koryphäen an ihren Instrumenten, boten sie brasilianische, argentinische und ungarische Musik.

„Kein Aufwand“ titelte Hofmeir die Veranstaltung nach seinem gleichnamigen Buch, das er als autobiografisches Werk vorstellte. Es trägt den Untertitel: „Schrecklich wahre Geschichten aus meinem Leben mit der Tuba“. Die 100 prozentige Wahrheit – das schwöre er, sei es, was er jetzt vorlese und dabei tragisch und depressiv. Doch gerade das war es nicht. Hofmeirs Humor gleicht dem von Gerhard Polt oder Karl Valentin und ist dabei so eigen und feinsinnig, dass es eben der ureigenste Hofmeir-Humor ist. Dieser Abend mit Andreas Martin Hofmeir und Tim Allhoff war jedenfalls vom Feinsten.

Viel mehr Geld für den Tubisten

Sollte sich jemand vor einem Blechinstrument mit bäuerlichem Charakter gefürchtet haben, der erfuhr spätestens da, dass es das in den Händen von Hofmeir keinesfalls ist. „Es gibt kein Instrument, das einem ein so wohliges Gefühl gibt, wie die Tuba“, sagte Hofmeir und, „eine Tuba-Solo-CD gehört in jeden anständigen Haushalt.“ Die Kostprobe aus seinem Buch lautet: „…Tubist wird man nicht aus hehren Gründen… einen Aufwand, den schätzen wir nicht.“ „In einer Dvorák-Symphonie, Nummer Neun, da spielen die ersten Geigen ungefähr 20 000 Töne, die Tuba sieben.“ Da der Geiger und der Tubist das gleiche Geld bekommen, erhalte er umgerechnet viel mehr. Dafür werde man nie von den Frauen angehimmelt, aber das wäre wiederum auch nur Stress.

Sie würden jetzt lauter brasilianische Liebeslieder spielen – tragisch und depressiv, die sich inhaltlich allesamt ähnlich seien, kündete Hofmeir an. Nämlich: Eine Brasilianerin geht an einem Café vorbei, in dem ein Brasilianer sitzt, der dann aufsteht und der Brasilianerin folgt, bis er die nächste Frau sieht. „Liebling“, so nannte Hofmeir das erste Stück und das Publikum bekam anspruchsvolle, wunderbare Musik zu hören. Obwohl Hofmeir damit kokettierte, dass so eine Tuba durchaus flatulierende Laute von sich geben könne, die er gerne mal zum Besten geben würde, wenn denn die Leute neugierig genug seien, was auszuschließen wäre, da man hier ja in der Oberpfalz sei und da wäre man so wenig neugierig wie in der Holledau.

Dargeboten war dann ein Stück aus der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew.

Viele Lacher beim Publikum

Die Tuba sei das jüngste Instrument, wusste Hofmeir zu erzählen, und dass sie 1835 erfunden, aber erst 1955 gespielt wurde. So war das folgende Stück eines von Georg Philipp Telemann, das dieser einst für die Flöte komponierte. Dazu gab es ein „Gedicht zur Probe – Die Flöte“, wobei, so Hofmeir… „ich kann’s nicht“. Aber, es war wunderbar erheiternd und das Spiel beeindruckend.

Ob er von sich, als der „faulen Sau“ sprach, die nicht üben wollte, oder erklärte, dass auf bayerisch Nirwana „basst scho“ heiße, und vorlas, wie er sich einen Aprilscherz leistete mit seinem Chorregenten, Hofmeir nahm das Publikum von Beginn an für sich ein und sorgte für viele Lacher. Am Klavier bot Tim Allhoff virtuos ein herrliches Jazz-Solo. Später wurden die Gäste singend in das Spiel von Allhoff und Hofmeir miteinbezogen.

Hofmeir erzählte von Jürgen, seinem Einbrecher-Freund, von Mugge, dem Musikalischen Gelegenheitsgeschäft und der Wichtigkeit eines Anrufbeantworters, vom Tuba-Problem auf Flugreisen und dann spielten sie „Csárdás von Vittorio Monti.“ Als Zugabe gab es Gedichte zum Kringeln auf „Starckdeutsch“, einer Kunstsprache, wie Hofmeir sagte, die maximale künstlerische Freiheit zulässt. Der Langhaussaal war voll, die Leute bester Laune und die beiden Musiker Tim Allhoff und Hofmeir gönnten dem Publikum drei Zugaben und bekamen frenetischen Applaus.

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