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Barrieren gehen alle Bürger an

Die Stadt Bad Kötzting fordert bei einer Veranstaltung im Postsaal dazu auf, am Abbau von Hindernissen mitzuarbeiten.
Von Martin Schönhuber

Weniger Barrieren – nun haben die Bürger das Wort. Foto: kmi
Weniger Barrieren – nun haben die Bürger das Wort. Foto: kmi

Bad Kötzting.Erfreut zeigte sich Bürgermeister Markus Hofmann über die zahlreiche Interessenten am Thema Barrieren abbauen in Bad Kötzting am Dienstagabend im Postsaal. Schließlich sei es das Ziel, die Bürger in Entscheidungen mit einzubinden. Bereits vor zehn Jahren sei ein erstes Konzept erstellt worden, mit der Feststellung, dass die Innenstadt in einem schlechten Zustand sei.

Auch aufgrund fehlender finanzieller Mittel wegen der hohen Verschuldung habe sich nichts getan. Nun habe man sich durch den Schuldenabbau finanzielle Spielräume erarbeitet, und die wolle man nun nutzen. Da „ohne Plan gar nichts geht“, habe die Stadt das Architekturbüro Wamsler/Rohloff/ Wirzmüller aus Regensburg zusammen mit dem Architekturbüro Haslsteiner und von Massow aus Bad Kötzting mit der Ausarbeitung eines Konzeptes beauftragt. Arbeitsgruppen wurden gebildet, in denen unter anderen er selbst, die Architekten, Stadträte, das Bauamt, der VdK, einige Behinderte und der Einzelhandel mitgearbeitet hätten.

Stadt in Cluster aufgeteilt

Der seit 1990 als Sanierungsgebiet gekennzeichnete Altstadtbereich (inklusive Spitalplatz) wurde in sogenannte Cluster aufgeteilt, also Abschnitte, die unter den Projektgruppen aufgeteilt wurden. Jede Gruppe führte in ihrem Abschnitt Begehungen und Besichtigungen durch, die dokumentiert und kommentiert wurden.

Es wurde auf schadhafte Pflaster- und Straßenbeläge hingewiesen, auf gefährliche Querungen, zu enge oder fehlende Bürgersteige und so weiter. Grade bei den zu engen Bürgersteigen müsse man mit den Anliegern zusammenarbeiten, da Verengungen oft zum Privatbesitz gehörten. Die Ergebnisse wurden von den Architekturbüros zusammengefasst und als Konzept der Stadt zur Verfügung gestellt. Nachdem der Leiter des Stadt Bauamtes, Christian Kopf, die rechtlichen Grundlagen für Barrierefreiheit und die Voraussetzungen, die für eine Förderung erforderlich sind, erläutert hatte, stellten Hans Haslsteiner und Bernd Rohloff das Konzept vor.

Warum abbauen?

  • Kneipp-Kurort:

    In den vergangenen Jahren wurden bereits Entwicklungsmarken gesetzt, aus diesem Anspruch heraus stellt sich

  • konsequenterweise die Forderung nach Barrierereduktion – nicht nur in hochbaulicher Hinsicht, sondern auch im öffentlichen Raum.

  • Problem:

    Die Innenstadt hat eine schwierige Topografie, die nicht verändert werden kann, darum spricht das Konzept auch von „Barrieren abbauen“ und nicht ausschließlich von „barrierefrei“. Für Menschen mit Handicaps bzw. Behinderungen zeigt sich die momentane Situation als problematisch.

  • Bewegung:

    Die gepflasterten Flächen in der Innenstadt zeigen Defizite, die verbessert werden sollen. Die wenig gehfreundlichen, buckeligen und verformten Oberflächen, Stufen und Schwellen, aber auch Hindernisse in Form von Steinpollern, raumgreifenden Stadtmöblierungen auf den Bürgersteigen und Sichtbehinderungen durch parkende Autos erschweren sichere Bewegungsabläufe.

  • Betroffene:

    Nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Gehbehinderte, ältere Mitbürger mit Rollatoren, Kinder und Eltern mit Kinderwagen. Nicht nur der öffentliche Raum hat Hürden, Hindernisse und Schwellen, auch die privaten Zugänge von Gastronomie und

  • Geschäften.

  • Ausblick:

    Einarbeitung von Anregungen der Bürger, Abstimmung mit der Regierung, Festlegung des Maßnahmenpaketes mit Zeitplan und Kostenrahmen, Präsentation im Stadtrat, Präsentation einer Dokumentationsbroschüre.

  • Rechtliches:

    Das Bundesgesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen soll eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen beseitigen bzw. abwenden. Menschen mit Behinderung sollen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gewährleistet haben. (kmi)

Sie wiesen darauf hin, dass es das Ziel der Maßnahmen sei, Menschen mit Behinderung eine möglichst gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Dabei sei Fakt, dass laut Gesetz alle öffentlichen Gebäude barrierefrei sein müssten. Die Bilder und Pläne aus der Präsentation waren im Postsaal ausgestellt, alle Anwesenden hatten die Möglichkeit, sich mit der Materie zu befassen. Ergänzungen, Anmerkungen und Wünsche, wie sie während und nach der Präsentation geäußert worden waren, konnten noch mal schriftlich festgehalten werden. Sie sollen alle in die Überlegungen der Stadt und der Planer miteinbezogen werden. Die Pläne werden ab heute im Rathaus ausgestellt. Der Bürgermeister bat darum, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, denn man wolle das Konzept, in enger Abstimmung mit der Bevölkerung weiterentwickeln.

Bei der Präsentation und auch in der folgenden Diskussion wurde Folgendes klar: Es gibt Zwangspunkte, die unveränderlich sind. Einmal natürlich die Topographie der Stadt, also die Tatsache, dass Marktplatz und Marktstraße auf einem Hügel angelegt sind, dessen Steigung teilweise die Vorgaben der Barrierefreiheit nicht erfüllt, und das generelle Raumangebot, das durch die vorhandene Bebauung nun einmal vorgegeben sei.

Viel machen, wo viele hin wollen

„Wir können keine zusätzlichen Räume schaffen“, brachte es Bernd Rohloff auf den Punkt. Und: „Da wo die meisten hinwollen, muss am meisten gemacht werden“. Gefahrenpunkte seien dort, wo am meisten geparkt werde und wo die Zugänge zur Innenstadt seien. Schnell stellte sich heraus, dass es einen Konflikt zwischen dem fließenden und dem ruhenden Verkehr und Fußgängern gibt. Seine Aussagen: „Wer nicht gehandicapt ist, sollte nicht so parken, dass Behinderte gestört sind“ und „man muss nicht bis auf fünf Meter zum Ziel hinfahren.“

Selbst wenn alle baulichen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, fehle es an Raum. Dabei sei Bad Kötzting in der glücklichen Lage, ein Parkhaus in der Innenstadt zu haben, mit dem allerdings im derzeitigen Zustand „kein Staat zu machen“ sei. Die Erneuerung biete aber die Möglichkeit, zusätzlichen zentralen Parkraum zu schaffen und gleichzeitig über die Metz- und die Schirnstraße barrierefreie Zugänge zur Marktstraße zu schaffen.

In der Diskussion zeigte sich ein Dilemma. Einerseits würden abgesenkte Bürgersteige den Straßenraum vergrößern, aber auch zu falschem Fahr- und Parkverhalten einladen. Stadtrat Robert Riedl formulierte es so: „Wir haben kein Parkplatzproblem, sondern ein Autofahrerproblem“. Auch stellte sich heraus: Auf Grund der Topographie kann Bad Kötzting nicht vollständig barrierefrei, aber es können viele Barrieren abgebaut werden. Das Schlusswort kam von VdK-Vorsitzender Annemarie Mühlbauer: Zehn bis 20 Prozent sind auf Barrierefreiheit angewiesen, aber für 100 Prozent wird es angenehmer.“

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