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Bauern hüteten ihre Früchte

Früher war Obst so wertvoll, dass Feuer die Blüten im Frühjahr schützten. Auch „Apfeldiebe“ waren unterwegs.

Ein Apfelbaum in voller Blüte  Foto: Rosi Stelzl
Ein Apfelbaum in voller Blüte Foto: Rosi Stelzl

Zandt.Obst war und ist seit jeher ein wichtiges, gesundes und schmackhaftes Lebensmittel. In früheren Zeiten, als die Leute auf dem Land bescheiden lebten, hatte es noch viel mehr bedeutet, als heutzutage. Im Backofen dörrte man Birnen, Zwetschgen und Äpfel. Kirschen wurden in Gläser eingeweckt, um dann im Winter eine gute Zugabe zur meist einfachen Kost auf den Tisch bringen zu können. Ein beliebtes Getränk war zudem der Apfel-und Birnenmost. Apfel- und Zwetschgendatschi, alles vom eigenen und ungespritzten Obst, war ein Genuss – er ist es heute noch. Früher aber war es den Leuten sehr wichtig, dass bei einem drohenden Nachtfrost die Obstbaumblüten nicht erfroren. Findige Leute entzündeten im Obstgarten, der einst zu fast jedem Anwesen gehörte, ein kleines Feuerchen, meist aus Reisigbündeln und grünen Ästen aus dem Wald. Um Mitternacht wurde noch einmal nachgelegt, damit das Feuer schön weiterbrannte. Der Rauch und die aufsteigende Wärme verhinderten, dass die Blüten erfroren und im Herbst konnte so reichlich geerntet werden.

Zwetschgendatschi

  • Zutaten:

    Für den Teig: 450 g Mehl, 3 TL Backpulver , 120 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 3 Eier, 4 Tropfen Bittermandelöl, 225 g kalte Butter; Für den Belag: eine Schüssel Zwetschgen, Zimt, Zucker

  • Rezept:

    Die Teig-Zutaten zu einem Mürbteig kneten, ausrollen und auf ein Backblech ausbreiten. Die Zwetschgen waschen, halbieren, entsteinen und auf den Teig geben. Mit Zimt und Zucker bestreuen, bei 180 Grad Umluft goldig backen.

Zwei Frauen, Maria und Anna, je weit über 90 Jahre alt und inzwischen verstorben – keine kannte die andere – erzählten unabhängig voneinander davon, wie rar und begehrt einst das Obst war. Besonders bei den ärmeren Leuten, die keinen Obstgarten oder eigenen Obstbaum hatten. War ein Gewitter in der Nacht mit starken Regen und Wind, wurde die Maria als Schulkind, kaum war es ein wenig hell, zu einem etwas abgelegenen Bauernhof von der Mutter mit einem Körbchen losgeschickt, um Fallobst einzusammeln. Aber meist waren die Bauersleute schneller und hatten Äpfel und Birnen schon selber „zamg’laubt“. Mit leerem Korb, ohne das Obst, das man dringend für eine bescheidene Mahlzeit gebraucht hätte, kam Maria wieder heim. Oft wurde sie dann von der Mutter ausgeschimpft, ob sie denn zu faul gewesen sei, dort hinzugehen.

Die Anna – deren Eltern einen Obstgarten hatten – schilderte aus ihrer Sicht das Geschehen. „Wenn es nachts gewitterte und heftiger Wind blies, musste man sehr zeitig aufstehen, um das herabgefallene Obst einzusammeln, denn aus der etwa einen halben Kilometer entfernten Ortschaft kamen Leute mit Taschen und Körben angeschlichen, kaum war es ein wenig hell, um unser Obst einzusammeln!“

Heute gibt es für jeden genügend Obst, ob eigenes oder gekauftes, und wahrscheinlich braucht niemand mehr vor Tag und Tau als harmloser Apfeldieb unterwegs zu sein. Obstpressen erzeugen köstlichen Saft und Obst dient auch den Tieren wie Wespen, Bienen, Igeln, Vögeln, Mäusen und dem Wild Nahrung. Leider verfault auch Obst achtlos am Boden liegend, niemand sammelt es ein, oder es wird von vorbeifahrenden Autos zerquetscht. Obst ist und bleibt aber nach wie vor ein wohlschmeckendes und gesundes Nahrungsmittel für Groß und Klein, auf das man nicht verzichten möchte. (kts)

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