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Natur

Bauern und Jäger gemeinsam für den Wald

Zwischen Kritik an Trophäenjägern und dramatischen Schadholzzahlen: Ein Themenabend betont und sucht das Miteinander.
Von Petra Schoplocher

Das Thema Jagd ist der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis und dem Bauernverband so wichtig, dass sie ihm eine Vortragsreihe widmen. Im Sommer hatte ein Waldbegang in der Nähe von Bad Kötzting vor Augen geführt, dass Eigenbewirtschaftung beste Ergebnisse im Sinne klimabeständigrer Bestände bringen kann. „Das muss das Ziel aller sein“, betonte ArGe-Vorsitzender Graf. In diesem Wald wimmelt es von jungen Tannen.Fotos: Schoplocher
Das Thema Jagd ist der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis und dem Bauernverband so wichtig, dass sie ihm eine Vortragsreihe widmen. Im Sommer hatte ein Waldbegang in der Nähe von Bad Kötzting vor Augen geführt, dass Eigenbewirtschaftung beste Ergebnisse im Sinne klimabeständigrer Bestände bringen kann. „Das muss das Ziel aller sein“, betonte ArGe-Vorsitzender Graf. In diesem Wald wimmelt es von jungen Tannen.Fotos: Schoplocher

Roding.„Weil es ein brisantes Thema ist und wir gemerkt haben, dass Wissensbedarf da ist.“ – So erklärte Stefan Graf die Wiederbelebung einer Fortbildungsreihe, die es unter dem Dach des Bauernverbands in den vergangenen neun Jahren nicht gegeben hatte. Der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis sollte Recht behalten: Rund 100 Interessierte waren gekommen, um sich mit dem Thema Jagd und Jagdrecht auseinanderzusetzen.

Graf selbst sprach von „akutem Handlungsbedarf, um angepasste Schalenwildbestände zu erreichen“. Diese seien zentrale Voraussetzung für den Waldumbau hin zu leistungsfähigen, stabilen Mischwäldern. „Wir setzen auf die Eigenverantwortung vorausschauender und aktiver Jagdgenossen“, betonte er. Es gehe nicht um einen Wald ohne Wild, sondern um ein ausgewogenes Verhältnis aller Bestandteile des Ökosystems, vom Reh bis zur Weißtanne, verdeutlichte der Chef der Jagdgenossenschaften.

Probleme „draußen“ besprechen

Unter dem Schlagwort „Abschussplanung“ verwies er auf die revierweisen Aussagen. In diesen Rundgänge im Wald sah er das kräftigste Mittel, das Problembewusstsein zu schärfen. Unmissverständlich forderte er eine Abkehr von der Trophäenjagd. Noch vor einigen Jahrzehnten hatte die Jagd einen anderen Stellenwert, weil das Fleisch als Nahrung gefragt war. Dies habe man dem Wald angesehen. „Was aufgeht, muss auch wachsen können.“

Ihm sei bewusst, wie emotional das Thema Jagd gerade jetzt wieder geführt werde. Umso dringender wollte er folglich seinen Appell in Richtung einer lösungsorientierten Auseinandersetzung aller Beteiligter verstanden wissen.

Graf informierte zudem über die Arbeitsgemeinschaft. Der Bayerische Bauernverband (BBV) vertritt seit 40 Jahren die Interessen der Jagdgenossenschaften, gleichermaßen praktisch wie politisch. Franz Kerscher, BBV-Kreisgeschäftsführer, stellte das Angebot vor, das Jagdkataster über ein BBV-Programm digital zu führen. Voraussetzung sei eine Mitgliedschaft der Jagdgenossenschaften im Verband. Diese habe Mehrwert, warb er und nannte Schätzerschulungen, Rechtsberatung, vergünstige Versicherungsbeiträge und Fortbildungen. Auch zwei ArGe-Mitarbeiter in München als Ansprechpartner finanziert der BBV.

Bei der Auftaktveranstaltung referierten Dr. Arthur Bauer (links) und Robert Schinabeck (Mitte). Stefan Graf (Zweiter von links), Franz Kerscher und Armin Hausladen freuten sich über regen Besuch und Austausch (von rechts).
Bei der Auftaktveranstaltung referierten Dr. Arthur Bauer (links) und Robert Schinabeck (Mitte). Stefan Graf (Zweiter von links), Franz Kerscher und Armin Hausladen freuten sich über regen Besuch und Austausch (von rechts).

Über die „Sparkassenfunktion des Waldes“ stieg Dr. Arthur Bauer in sein Thema ein. Was für Bankkunden die Strafzinsen, sei für Waldbesitzer der Borkenkäfer. „Und der Klimawandel ist dramatischer als die Geldkrise“, rückte der Forstdirektor die Relationen zurecht. Bauer hatte aktuelle Zahlen und Bilder dabei, die so manchen aufschreckten. So verzeichnete Nordrhein-Westfalen 2018 4,5 Millionen Festmeter Schadholz, im vergangenen Jahr waren es 14,5 Millionen. Im gleichen Zeitraum schnellten die Zahlen im kleinen Brandenburg von 400 000 auf sieben Millionen Festmeter, „und so geht es weiter“.

Die fast durchgehende Zunahme beim Verbiss kommentierte er nicht näher, sondern lobte die Jäger, dass sie der Buche ein gutes „Durchkommen“ ermöglichen. „Da müssen wir mit der Tanne auch hin.“ Es gehe nicht darum, Leute zu ärgern oder zu drangsalieren, sondern den Wald zukunftssicher zu machen durch gemischte Bestände. „Wer streut, rutscht nicht“, zitierte er ein altes Sprichwort.

Der Forstdirektor sensibilisierte für die Folgen von hohem Verbiss auch für die Waldbesitzer selber: Zuwachs- und somit Geldverluste, die Erhöhung des Betriebsrisikos durch Entmischung, finanzielle Aufwendungen für Schutzmaßnahmen. „Mit der aktuellen Verbissbelastung gelingt der Waldumbau nicht“, prognostizierte er. Auch Bauer sah in Waldbegängen den Schlüssel zum Erfolg und warb für ein Miteinander. „Nur das bringt uns nach vorne, nicht ein Gegeneinander.“

„Im Dickicht des Rechts“

Den umfangreichsten Part des Abends gestaltete „im Dickicht des Rechts“ Robert Schinabeck von der Unteren Jagdbehörde. Die zahlreichen Nachfragen während und nach seinem Vortrags zeigten ebenso, dass das Duo Graf- Kerscher mit der Veranstaltungsreihe den Nerv getroffen hat. Schinabeck legte den Jagdgenossenschaften ans Herz, ihre Kataster sorgfältig zu pflegen, erklärte die bei den Versammlungen häufig erforderliche doppelte Mehrheit (Stimmen und Fläche) und gab Empfehlungen für verschiedene verzwickte Situationen.

Die Bildungsreihe

  • Reihe:

    Die gleiche Veranstaltung wie in Roding findet drei weitere Male statt. Am Donnerstag, 16. Januar in der Klosterschänke Schönthal, eine Woche später, am 23. Januar, im Gasthaus Wagner Kothmaißling sowie am Mittwoch, 29. Januar, im Gutshof Schmidt Simpering Hohenwarth. Beginn je 19.30 Uhr. Eingeladen sind ausdrücklich auch Jäger.

  • Themen:

    Vorgestellt werden Aufgaben und Leistungen der ArGe Jagdgenossenschaften, das Thema „Klimawandel-Waldumbau-Jagd“ wird vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beleuchtet. „Jagdrecht für Jagdvorstände“ bringen Robert Schinabeck oder Ronald Burger von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt den Zuhörern näher.

Der Landratsamtsmitarbeiter stellte die Abwicklung von Wildschäden dar und die Unterschiede zwischen Eigenbewirtschaftung durch „angestellte Jäger“ – im Landkreis nur in zwei Fällen praktiziert – und Verpachtung vor. Bei Letzterer binde man sich auf neun Jahre, dafür geht ein Jagdpachtschilling ein und Wildschäden würden (teils) übernommen. Die Eigenbejagung ist flexibler und – wie Stefan Graf ergänzte – sehr erfolgversprechend. Außerdem hätten die Jagdgenossen direkten Einfluss auf den Abschuss.

Die Termine „draußen“ seien meist eine gedeihliche Sache, sagte er aus seiner Erfahrung und sprang damit Dr. Arthur Bauer und Stefan Graf in deren Meinung bei.

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