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Erinnerung

Bayernfans gegen Faschismus

Junge Fußballer der SpVgg Willmering-Waffenbrunn und des SV Wilting besuchten jetzt die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Die Chamer Gruppe vor dem internationalen Mahnmal in Dachau Foto: Kreisjugendring
Die Chamer Gruppe vor dem internationalen Mahnmal in Dachau Foto: Kreisjugendring

Willmering.Junge Fußballer der SpVgg Willmering-Waffenbrunn mit ihrem Trainer Johannes Fischer sowie Anja Fischer als Betreuerin und eine kleine Gruppe des SV Wilting besuchten jetzt die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Möglich wurde diese Fahrt durch das Engagement des FC Bayern-Fanclubs „Rekordmeister 87“ aus Katzbach, der die Führung in Dachau und den Besuch der Allianz-Arena organisierte, und durch das Amt für Jugend und Familie, das als Kooperationspartner die Buskosten übernahm. Anlass für diese Fahrt ist die derzeitige Zusammenarbeit zwischen dem Katzbacher FC Bayern-Fanclub und dem Kreisjugendring.

Gemeinsam hat man es geschafft, die Wanderausstellung des FC Bayern mit dem Titel „Verehrt Verfolgt Vergessen“ nach Cham zu holen. Diese Ausstellung befasst sich mit dem Schicksal der jüdischen Vereinsmitglieder des FC Bayern in der Zeit des Nationalsozialismus. Vor allem die Geschichte von Kurt Landauer, der als jüdischer Kaufmannssohn viele Jahre als Präsident den FC Bayern geprägt hat, wird hier aufgezeigt. Landauer wurde am Tag nach der Reichspogromnacht 1938 in „Schutzhaft“ genommen und für 33 Tage ins KZ Dachau gesperrt. Im Jahr 2013 wurde Landauer posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ende letzten Jahres wurde die „Kurt-Landauer-Stiftung“ gegründet. So entstand die Idee, junge Fußballer über die Ereignisse der damaligen Zeit an historischer Stätte zu informieren.

Engagement der Ultras

Der Vorstandschaft vom Fanclub „Rekordmeister 87“ gelang es, kompetente Referenten für die Führung durch die Gedenkstätte zu gewinnen. So nahmen sich am letzten Samstag Andreas Wittner von der FC Bayern Erlebniswelt und zwei Referenten der Kurt-Landauer-Stiftung drei Stunden Zeit, um der Gruppe aus dem Landkreis Cham zu zeigen, mit welcher Brutalität gegen politische Gegner, Juden, Homosexuelle und andere Gruppierungen vorgegangen wurde.

In das Eingangsgebäude ist das Eisentor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ integriert. Angesichts der Tatsache, dass hier über 40000 Menschen ums Leben gekommen sind, ist diese Inschrift ein Zeichen schrecklicher Menschenverachtung. Auf dem Appellplatz mussten die vielen tausend Menschen täglich oft viele Stunden still stehen und waren der Willkür der SS-Bewacher ausgeliefert. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude ist heute die Dokumentationsausstellung untergebracht. Gegen Ende des Krieges waren 30000 Personen hier hineingepfercht. Die vielen Toten wurden in Krematorien verbrannt. Auf dem Gelände befinden sich heute vier religiöse Gedenkorte der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und der russisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft. An zentraler Stelle wurde das Internationale Mahnmal aufgestellt, das an die vielen Menschen erinnert, die in den Konzentrationslagern ausgebeutet und getötet wurden. Die drei Referenten erhöhten die Betroffenheit der jungen Zuhörer, indem sie immer wieder auf das Schicksal der Mitglieder des FC Bayern eingingen, die hier ebenfalls gequält wurden. Seit der Jahrtausendwende hat der FC Bayern begonnen, sich an seine jüdische Geschichte zu erinnern und ist heute stolz auf die Pionierarbeit, die damals von den jüdischen Funktionären und Spielern geleistet wurde. Allen voran der Ultra-Fanclub „Schickeria“ engagiert sich enorm, um Kurt Landauer und anderen jüdischen Mitgliedern des FC Bayern ein ehrendes Gedenken zu bewahren.

Besuch im Stadion

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass man sich vehement gegen Rassismus und Rechtsradikalismus einsetzt. Diese Fankultur pflegen sie auch in der Südkurve der Allianz-Arena. Folgerichtig erhielt die Gruppe aus Willmering-Waffenbrunn und Wilting eine Einladung, um nach dem Aufenthalt in der KZ-Gedenkstätte diese gelebte Überzeugung der Ultras live im Stadion zu erleben. Am Abend besuchte man also das Spiel der Bayern gegen Gladbach und konnte so miterleben, dass dort Neonazis und Rechtsradikale keinen Zutritt haben. Tief beeindruckt machte man sich nach einem langen Tag wieder auf dem Heimweg.

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