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Bayerwald-Klinik: Prüfung mit „viel Augenmaß“

Es sei richtig, dass die Bayerwald-Klinik vom Gesundheitsamt Cham auf die Hygienezustände und die personelle Besetzung geprüft worden sei, sagte jetzt Dr. Josef Ferstl auf Nachfrage des Bayerwald-Echos. Außer einigen kleineren Hinweisen habe es dabei keinerlei Schwierigkeiten gegeben. Dr.Ferstl bestätigte damit Angaben von Klinik-Geschäftsführer Assfalg vor dem Arbeitsgericht Straubing. Die Klinik wollte gegen ihren ehemaligen Chefarzt, der wegen anhaltender Mängel bei Hygiene und Personalausstattung fristlos gekündigt hatte, per Gerichtsurteil ein faktisches Arbeitsverbot verhängen.

Kriterien des Robert-Koch-Instituts

Jedoch sei eine Klinik in solch einer Größe an einem Tag natürlich nicht komplett besichtigbar, schränkte Dr.Ferstl ein. Es gehöre zur Dienstaufgabe des Gesundheitsamtes, regelmäßig stationäre Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Reha-Kliniken auf die Einhaltung der Hygienevorschriften zu überprüfen. Zugrunde gelegt würden dabei Kriterien des Robert-Koch-Instituts. Etwa, dass im Haus eine Hygienekommission vorhanden sein müsse. Schwerpunktmäßig schaue man sich dann etwa die Patienten-Einheiten und die Reinigungsmaßnahmen an.

In der Bayerwald-Klinik habe es eine Sondersituation durch den großen Personalwechsel im ärztlichen Bereich gegeben. Daher habe man die jüngste Begehung angesetzt, um zu prüfen, ob die im Konzessionsbescheid festgelegten Dinge eingehalten worden seien. Nach der ersten Hygiene-Kontrolle habe dann noch einmal der Bayerwald-Klinik-Geschäftsführer Johannes Assfalg um einen Termin gebeten.

Ansprechpartner vor Ort

Mit Blick auf die Neubesetzung der ärztlichen Stellen habe man Assfalg klar gemacht, dass man einen Ansprechpartner vor Ort sehen wolle: „Wir wünschen, dass eine Klinik einen ärztlichen Leiter vor Ort hat, der verantwortlich zeichnet.“ Dass gerade auch für die Hygiene eine ärztliche Betreuung vorhanden sei, habe sich als notwendig erwiesen, erläuterte der Gesundheitsamtsleiter: „Einer, der die Verantwortung vor Ort hat und nicht irgendwo in Deutschland.“

In Sachen Hygiene finde man immer den einen oder anderen Mängel, doch größere Sachen, die beispielsweise eine Schließung bedingt hätten, habe es nicht gegeben. Die Klinik sei nun mal schon ein älteres Baujahr, was bei den Prüfungen berücksichtigt werden müsse. Dass die Klinikleitung aufgrund der finanziellen Lage der Gesellschaft das Haus nur stückweise saniere, akzeptiere man. Dinge wie etwa Teppichböden in den Zimmern seien für Frischoperierte sicher nicht geeignet: „Da muss man ein anderes Zimmer suchen!“

„Schimmel überall möglich“

Auch eventuelle Schimmelvorkommen, die von Ärzten kritisiert wurden, habe man bei der Visitation nicht entdeckt. Wobei Schimmelsporen überall zu finden seien. Selbst in gut gewarteten Räumen komme oft Schimmel vor. Auch die angemahnten Defizite bei der Reinigung von Patientenzimmern konnte das Gesundheitsamt bei der Prüfung nicht feststellen. Von den Prüfungen der vergangenen Jahre ausgehend könne er sagen, dass die Bayerwald-Klinik immer den Eindruck guter und qualifizierter Arbeit in geordneten Verhältnissen hinterlassen habe.

Der Druck zu Veränderungen komme vonseiten der Kostenträger und die Reha-Einrichtungen würden versuchen, sich darauf einzustellen. So etwa, dass Patienten nach Operationen immer früher in die Reha-Einrichtungen geschickt würden. Die Pflegekräfte-Kontrolle sei für das Gesundheitsamt schwieriger. „Sie bekommen da Dienstpläne und Anwesenheitslisten gezeigt, aber wie das im Detail ausschaut und welche Qualität die Kräfte haben, weiß man nicht“, sagte der Gesundheitsamtsleiter. Jede Klinik arbeite heute unter erschwerten Bedingungen durch wachsenden Kostendruck und Konkurrenz. Es sei wohl für die Geschäftsleitung nicht leicht, das Haus auf der Höhe der Zeit zu halten. „Die Behörde muss hier mit entsprechendem Augenmaß arbeiten“, so Dr. Ferstl.

Im Konzessionsbescheid, die jede Klinik vom Landratsamt zur Genehmigung brauche, würden nur ganz grob Mindeststärken vorgegeben. Seien es noch weniger als darin angegeben, könne man Zweifel an sachgerechter Arbeit haben. Die Rentenversicherungsträger würden deutlich schärfere Anforderungen an die Kliniken stellen.

Im Gerichtsverfahren hatte der Chefarzt die Falschbehandlung von Patienten mit fehlendem Personal begründet, während Geschäftsführer Johannes Assfalg sogar von einer 15-prozentigen Überversorgung – mit Hinweis auf die Prüfung des Gesundheitsamtes – sprach.

Angemeldete Kontrollen

Im übrigen sollten die Kontrollen „normalerweise“ in Seniorenheimen wie in Kliniken nicht angemeldet sein, so Dr. Ferstl. Jedoch melde man sich dennoch „aus organisatorischen Gründen“ einen Tag oder zwei Tage vorher an. In der kurzen Vorlaufzeit etwas zu verbessern, gelinge nicht. „Wir tun etwas, wenn etwas schlecht läuft“, versicherte Dr. Josef Ferstl zudem.

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