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Debatte

Bekommt Ränkam ein Krematorium?

Der Further Bauausschuss hat sich vor Ort über die Pläne von Markus Roßmann informiert. Jetzt soll der Stadtrat entscheiden.
Von Michael Gruber

Die neuen Pläne von Bauherr Markus Roßmann sehen ein Gebäude vor,in dem es neben dem Kremationsbereich einen Verabschiedungsraum mit 50 Sitzplätzen und ein Trauercafé für die Angehörigen geben soll. Foto: Roßmann
Die neuen Pläne von Bauherr Markus Roßmann sehen ein Gebäude vor,in dem es neben dem Kremationsbereich einen Verabschiedungsraum mit 50 Sitzplätzen und ein Trauercafé für die Angehörigen geben soll. Foto: Roßmann

Ränkam.Wird in Ränkam bald das erste Krematorium im Landkreis Cham gebaut? Geht es nach den Plänen von Markus Roßmann, soll am Warmleitner Weg ein „Humankrematorium mit angeschlossenem Verabschiedungsraum“ entstehen. So stand es in der Bauvoranfrage, die der Further Stadtrat im Dezember eigentlich abgelehnt hatte. Baurechtlich sei das Vorhaben im Außenbereich nicht zulässig, so die Begründung.

Jetzt ist die Debatte wieder neu entfacht: Am Mittwochabend hat Roßmann dem Bauausschuss bei einem Ortstermin in Ränkam seine geänderten Pläne vorgestellt. Nach einer Voranfrage hätten die zuständigen Fachstellen grünes Licht für den Standort signalisiert. Die Fläche liege weder im Landschaftsschutzgebiet noch im FFH-Schutzgebiet, ließ Roßmann wissen. „Einzige Voraussetzung ist das gemeindliche Einvernehmen der Stadt.“

Trend zur Urne

Hintergrund für sein Vorhaben sei der Trend, dass immer mehr Menschen für die Bestattung der Angehörigen die Urne wählen. Problem sei jedoch, dass der Landkreis über kein Krematorium verfüge. Die nächsten Anlaufstellen für eine Einäscherung seien in Regensburg, Vilshofen oder Hohenburg, wie Roßmann aus eigener Erfahrung feststellen musste. „Wir wollen eine pietätvolle Form der Bestattung im Landkreis bieten, die für immer mehr Menschen von Interesse ist.“

Der Further Bauauschuss hat sich am Mittwochabend selbst ein Bild von dem Vorhaben am Warmleitner Weg in Ränkam gemacht. Foto: Gruber
Der Further Bauauschuss hat sich am Mittwochabend selbst ein Bild von dem Vorhaben am Warmleitner Weg in Ränkam gemacht. Foto: Gruber

In dem Gebäude soll neben einem Kremationsbereich ein Verabschiedungsraum mit 50 Sitz- bzw. 70 Stehplätzen entstehen, wo auch ein Chor sowie ein Redner auftreten können und große Fenster vorhanden sind. Außerdem soll es für die Angehörigen ein Trauercafé geben. Die Anfahrt der Bestattungswägen soll über zwei Wege erfolgen: Über die Abfahrt der B20 oder aus Ränkam kommend in Richtung Dalking über den Warmleitner Weg. „Die Anlieferung der Särge ist sichtgeschützt und findet in einem abgeschlossenen Raum statt“, betonte Roßmman. Darauf sei bei den Planungen besonderer Wert gelegen worden. „Wären da nicht zwei Kamine, würde man gar nicht erkennen, dass es ein Krematorium ist.“

Politik

Stadtrat diskutiert über ein Krematorium

Das Further Gremium erteilte Plänen eine Absage, sah aber durchaus die Notwendigkeit einer solchen Anlage für den Landkreis.

„Es riecht nicht“

Auch mögliche Bedenken wegen einer Geruchsbelästigung räumte der Bauherr aus dem Weg. Die Vorschriften für die Filteranlagen seien sehr streng und die Werte würden mit Messungen immer überwacht: „Es riecht nicht“, sagte Roßmann, „die Emissionen sind sauberer als bei einem Holzofen.“

Markus Roßmann stellte dem Further Bauauschuss bei einem Ortstermin die Pläne für das erste Krematorium im Landkreis vor. Foto: Gruber
Markus Roßmann stellte dem Further Bauauschuss bei einem Ortstermin die Pläne für das erste Krematorium im Landkreis vor. Foto: Gruber

Auch er selbst wohne mit seiner Frau im Anwesen, das gleich an den geplanten Bau angrenze und habe keine Bedenken. Im Vorfeld seiner Bauvoranfrage habe er zudem den Kontakt zu den Nachbarn und den Bürgern in Ränkam gesucht, die ihm ein positives Feedback gegeben hätten, erklärte Roßmann: „Ansonsten hätte ich das Vorhaben gar nicht weiter verfolgt.“ Der Ränkamer Stadrat Ernst Glaser wollte wissen, mit wie vielen Einäscherungen und Anfahrten am Tag zu rechnen sei, damit die Investition wirtschaftlich ist. Roßman verwies darauf, dass der Businessplan eine Zahl von 720 Kremationen pro Jahr auf einer Grundlage von 250 Arbeitstagen vorsehe. Pro Tag seien deshalb mindestens drei Anfahrten nötig. „Ich rechne mit maximal fünf bis sieben Fahrzeugen pro Tag“, erklärte Roßmann.

Abtransport über Paketversand

Auf die Frage von Bürgermeister Sandro Bauer, wie der Abtransport der Urnen geregelt werde, verwies der Bauherr auf zwei zulässige Möglichkeiten. Entweder erfolge der Abtransport durch den Bestatter oder durch Paketversand. „Für mich steht die Würde im Vordergrund, deshalb bin ich kein Freund des Paketversands. Der Abtransport wird bei uns durch den Bestatter oder durch uns selbst erfolgen.“

Markus Roßmann plant hier ein Humankrematorium mit Verabschiedungsraum. Foto: Gruber
Markus Roßmann plant hier ein Humankrematorium mit Verabschiedungsraum. Foto: Gruber

Auch Anlieger waren zum Ortstermin gekommen und äußerten ihre Zweifel, wenn es um das Thema Pietät geht: „Auf dem Warmleitner Weg sind in der Regel Mähdrescher oder Traktoren mit Güllefässern unterwegs. Wie sieht das denn aus, wenn dazwischen die Leichenwägen fahren?“, kritisierte eine Frau. Sandro Bauer zeigte Verständnis für den Einwand, verwies allerdings darauf, dass es auch bei Friedhöfen schwierig sei, den richtigen Ort zu finden: „In der Regel sind auch da landwirtschaftliche Flächen in der Nähe. Beim Further Friedhof ist ein Supermarkt nicht weit entfernt.“


Aufgrund öffentlichen Interesses vertagt

Bauer verwies die Anlieger zudem darauf, dass es sich hier streng genommen um keine Bürgerinformationsveranstaltung sondern um eine Ortsbegehung des Bauaussschusses handele. Er schlug vor, das Thema aufgrund des großen öffentlichen Interesses nicht im Bauausschuss zu beschließen.

„Wir tragen hier eine besondere Verantwortung und wollen nicht mit einer schnellen Entscheidung Zwietracht ins Dorf bringen. Deswegen sollte der Stadtrat in zwei Wochen über die Bauvoranfrage entscheiden“, sagte Bauer und legte Roßmann nahe, eine Bürgerinformationsveranstaltung abzuhalten, um mögliche Bedenken unter den Bürgern auszuräumen.

Dem pflichtete auch Stadtrat Michael Engl bei: Bautechnisch gebe es zwar keine Einwände. „Dennoch haben wir Bauschmerzen, als Bauausschuss die Verantwortung über ein ganzes Dorf zu übernehmen.“ Auch Stadtrat Franz Former sprach von einem „sensiblen Thema“ und riet dem Bauherrn, die Informationsveranstaltung doch vor Ort abzuhalten. „Für mich war es zunächst auch schwer vorstellbar, aber der Besuch am Standort hat mir die Skepsis genommen.“ Der Bauausschuss delegierte den Vorbescheidsantrag einstimmig an den Stadtrat.

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