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Beten für die Flüchtlinge

In ihren Nacht-Ge(h)danken machte Pfarrerin Christina Hinderer auf die Not flüchtender Menschen aufmerksam.
Josef Kneitinger

  • Pfarrerin Christina Hinderer (stehend) bei der Andacht Foto: Josef Kneitinger
  • Sieben Stationen gab es. Foto: Josef Kneitinger

Roding.Im Rahmen der Aktion #hoffnungshamstern hat die evangelische Kirchengemeinde zu Nacht-Ge(h)danken mit stimmungsvollem Kerzenlicht, Musik, Gebeten und Gedanken zum Thema „Wer bist du“ eingeladen.

Pfarrerin Christina Hinderer begrüßte die Gläubigen auf dem Martin Luther-Platz vor der Christuskirche. Die Nacht des Ge(h)danken ergänzt den Ge(h)danken-Gottesdienst, der im Rodinger Stadtpark auf sieben Stationen verteilt ist.

„Nacht-Ge(h) danken sind Gedanken vor der Nacht“, sagte die Pfarrerin zu Beginn der Andacht. Am 20. Juni war Weltflüchtlingstag, und laut der Weltflüchtlingskommission sind in diesen Tagen rund 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Das seien fast so viele Menschen wie in Deutschland leben. Die Mittelmeerroute ist für die Flüchtlinge dabei die tödlichste Seeroute der Welt. Mehr als 125000 Menschen machten sich im vergangenen Jahr auf den Weg über das Mittelmeer nach Europa, mehrere Tausend verloren dabei ihr Leben. Viele gingen namenlos unter und keiner frage mehr „Wer bis du“ gewesen, so Pfarrerin Christina Hinderer.

Die Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer sei auch in der Kirche ein umstrittenes Thema. Die Seenotretter bewegten sich zwischen Heldentum und Anklagebank. Die Frage sei: „Wer bist du?“ Täglich ertränken Menschen auf dem Mittelmeer. Auf überfüllten Schlauchbooten fahren sie tagelang über das tiefe weite Meer. Ein Gebet sei oft der einzige Anker, der noch Halt gebe. Die Pfarrerin lud die Gläubigen ein, innerlich mitzubeten und an die Menschen auf dem Meer zudenken.

Die UNO hat den 20. Juni als Weltflüchtlingstag ins Leben gerufen mit dem Ziel, „dass ich meinen sicheren Hafen verlasse“ und der Frage nachgehe „Wer bist du?“. Pfarrerin Hinderer gedachte auch der zwölf Flüchtlinge aus Eritrea, die am Ostersonntag im Mittelmeer ertrunken waren , weil kein Staat sie aufnehmen wollte.

Die Evangelische Kirche Deutschland habe zu Beginn des Jahres das Schiff „Poseidon“, das ursprünglich ein Forschungsschiff war, ersteigert – nicht mit Kirchensteuern, sondern mit Spendengeldern, die in kürzester Zeit zusammenkamen. Das Schiff werde jetzt ausgebaut mit Krankenstation, mit einem Raum für Frauen und Kinder, mit Schnellbooten und jeder Menge Schwimmwesten. Es liege in einem italienischem Hafen und heiße jetzt „Sea-Watch 4“. Die Organisation Sea-Watch übernimmt die Leitung. Doch wegen Corona warte das Schaff derzeit noch darauf, auslaufen zu können.

Pfarrerin Christina Hinderer verteilte Papierschiffe an die Gläubigen, die zu Gebetsschiffen wurden. Jeder durfte für sich oder die Flüchtlinge ein Gebet darauf schreiben, das sie dann als Fürbitte vorlas und vor der Kirche platzierte, so dass am Ende deutlich wurde, dass Schiffe für Nächstenliebe und Menschlichkeit unterwegs seien. Mit dem Segen und dem Lied „Der Kapitän“ von Sarah Lesch endete die Andacht unter Corona-Regeln. (rjk)

Hintergrund

  • Sea-Watch 4:

    Eigentlich sollte das von der evangelischen Kirche aus Spendengeldern mitfinanzierte Rettungsschiff nach Ostern auslaufen, aber dann kam die Corona-Krise dazwischen.

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