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Region Cham
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Gericht

Bewährung für Kneipenschläger

Ein 44-jähriger Mann unterbrach seine Suchttherapie an der Bar. Schnaps und Bier flossen in Mengen, bis die Fäuste flogen.

In einer Further Bar flogen die Fäuste. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
In einer Further Bar flogen die Fäuste. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Furth im Wald. Ein 44-jähriger Mann aus dem Bayerischen Schwaben verbrachte um den Jahreswechsel einen Therapieaufenthalt in der Fachklinik Furth im Wald. Der alkoholkranke Mann befand sich zum wiederholten Male in einer stationären Einrichtung. Entgegen seiner Abstinenzabsichten zog es ihn am 5. Januar gegen 20 Uhr gemeinsam mit Mitpatienten in eine Further Gastwirtschaft.

Dort soll es nach ausgiebigem Alkoholgenuss zu Streitigkeiten mit anderen Gästen gekommen sein, an dessen Ende Faustschläge mit nicht unerheblichen Verletzungen standen. Den Vorfall hatte der Mann der Klinik verschwiegen und seine Therapie im Februar regulär beendet. Nun musste er dennoch nochmals in den Landkreis Cham zurückkehren und sich am Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten. Der Mann sagte aus, dass er das Lokal nie hätte betreten dürfen. Neben seiner Alkoholproblematik habe er auch starke psychische Beschwerden. Als man sich für den Kneipenbesuch entschied, begann man sofort mit exzessivem Alkoholkonsum an.

Massive Alkoholprobleme

Schnaps und Bier seien in größerer Menge geflossen, nebenbei habe man gewürfelt. Die Kneipe hätte sich im Laufe des Abends gefüllt und zunächst sei alles friedlich gewesen. Irgendwann habe er selbst von einem anderen Gast beim Rauchen Nackenschläge bekommen, daraufhin sei er ausgerastet und habe mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er wisse nicht mehr von wem die Schläge kamen und wie das Ganze vonstattenging. Es tue ihm leid. Im Nachgang hätten dann umherstehende Personen auf ihn eingeschlagen.

Den Alkohol beschrieb er als massives Problem, seit Jahren befände er sich in Behandlung. Auch andere Lebensbereiche seien völlig aus den Fugen geraten. Nach wie vor habe er die Problematik nicht im Griff, die Arbeit sei seine einzige Stütze, zumal sich seine Lebensgefährtin getrennt habe.

Der Geschädigte des Faustschlags sagte als Zeuge, dass er nach dem Schlag festgehalten und ins Wirtshaus hineingezogen wurde. Er habe eine Schädelprellung, einen Nasenbeinbruch sowie eine Risswunde an der Lippe davongetragen.

Einschlägig vorbestraft

Eine Entschuldigung sei seitens des Angeklagten nicht erfolgt. Dies holte der Beschuldigte jedoch nach der Aussage nach. Als nächste Zeugin wurde die Wirtin des Lokals in den Gerichtssaal gebeten. Sie hatte alles beobachtet und den Angeklagten nach dem Gewaltexzess des Lokals verwiesen. Er habe einen stark alkoholisierten Eindruck gemacht und schon vor dem Ausraster diverse Gäste belästigt.

Einschlägig vorbestraft musste der Angeklagte um seine Freiheit fürchten, die Staatsanwaltschaft sah allerdings einige Punkte, die zu seinen Gunsten sprachen. Neben dem Geständnis und der aufrichtigen Reue hatte er sich längere Zeit straffrei gehalten und sei um eine Wende in seinem Leben bemüht: Sieben Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung seien tat- und schuldangemessen.

Im Urteil sprach Richter Andreas Lecker von einer vorsätzlichen Körperverletzung. Man könne gerade noch zu einer Bewährungsstrafe kommen, die Auflagen seien allerdings hoch anzusetzen. Vier Jahre Bewährungsdauer werden von einem Bewährungshelfer begleitet. Der Verurteilte muss sich jeglichen Alkoholgenusses enthalten und mit Blut- oder Urinkontrollen rechnen. Zudem wurde eine weitere stationäre Langzeit- und Psychotherapie angeordnet. (cya)

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