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Justiz

Bewährungsstrafe für Neunburger Rentner

Der Autofahrer will den Anstoß ans Dach einer Tankstellensäule nicht bemerkt haben. Jetzt stand er in Cham vor Gericht.

Der Chamer Richter verurteilte den Unfallflüchtigen zu fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Foto: David Ebener/dpa
Der Chamer Richter verurteilte den Unfallflüchtigen zu fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Foto: David Ebener/dpa

Cham.Ein Rentner aus Neunburg musste sich vor dem Chamer Amtsgericht wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verantworten. Er soll am 7. November 2018 gegen 20 Uhr beim Rangieren aus einer Tankstelle in Cham gegen die Dachspitze einer Zapfsäule gestoßen sein und sich einfach von der Örtlichkeit entfernt haben. Der Schaden betrug 3200 Euro.

Er sei auf dem Weg von Straubing nach Windischbergerdorf gewesen, als er kurzerhand einen Stopp in Cham eingelegt habe, um etwas zu essen. Er habe auf der Seite geparkt und einige Zeit in der Tankstelle verbracht, so der Angeklagte. Als er rausging, sei es bereits finster gewesen. Er sei einfach gefahren, habe sich nichts gedacht und nichts gemerkt, so der 69-Jährige. Er sei er aus allen Wolken gefallen, als sein Sohn ihm am nächsten Tag hinsichtlich eines etwaigen Unfalls Vorhaltungen gemacht habe. Daraufhin sei er gleich nach Cham gefahren, um die Angelegenheit zu klären und habe auch bei der Polizei Halt gemacht.

Für die Vorwürfe gegen ihn habe er kein Verständnis, man könne sich fragen, ob die Justiz nichts Besseres zu tun habe, äußerte der Rentner, der daraufhin von seinem Verteidiger zurechtgewiesen wurde. Das Radio sei eingeschaltet gewesen, so dass er nichts gehört habe, erklärte der 69-Jährige.

Zeuge: den Anstoß gesehen

Ein Zeuge sagte aus, dass er den Anstoß gesehen habe. Er sei zwei Zapfsäulen entfernt gestanden und habe die verschobene Säule wahrnehmen können. Wie bekannt wurde, hatte der Zeuge bei der Polizei allerdings von einem lauten Aufprallgeräusch gesprochen, an das er sich vor Gericht nicht mehr erinnern konnte. Schwerer wog aber seine Aussage, dass der Angeklagte nach dem Aufprall kurz stehengeblieben sei, was auf eine eindeutige Wahrnehmung hindeute.

Nach der Schilderung eines Polizeibeamten sagte der Sohn des Angeklagten, dass sein Vater, als er von ihm auf einen möglichen Unfall angesprochen worden war, tatsächlich einen perplexen Eindruck gemacht habe.

Ein Gutachter wies dem Anstoß etwa 90 Dezibel zu: „Der Angeklagte hätte den Aufprall hören können, das Gegenteil ist aber auch nicht auszuschließen“, so der Sachverständige. Der Verteidigerwies auf das fortgeschrittene Alter seines Mandanten samt eindeutiger Gehör- und Reaktionsverzögerungen hin. Über die Akustik hinaus sei bei der taktilen Wahrnehmbarkeit allerdings überhaupt kein Zweifel gegeben, so der Experte. Auch bei geringer Geschwindigkeit sei ein solcher Aufprall zwingend zu bemerken.

Der einschlägig vorbestrafte Rentner sei zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten zu verurteilen, beantragte die Staatsanwaltschaft, die auch eine Geldauflage samt Sperrfrist forderte.

Anwalt forderte Freispruch

Die gesundheitliche Verfassung des Mandanten sei völlig vernachlässigt worden, meinte die Verteidigung. Es gebe kein objektives Kriterium als Nachweis für seine Schuld: „Er hat es schlicht und einfach nicht gemerkt“, so der Rechtsanwalt. Er beantragte „Freispruch aus voller Überzeugung“.

Richter Andreas Lecker sah den Sachverhalt anders als der Anwalt und kam zu folgendem Urteil: fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Darüber hinaus muss der Rentner sechs Monate auf seinen Führerschein verzichten und 350 Euro Geldbuße zahlen. Das subjektive Moment müsse anhand der objektiven Umstände nachgewiesen werden, so die wesentliche Begründung des Richters. Entscheidend sei zudem die einheitliche Bewegung hinsichtlich der taktilen Wahrnehmung. (cya)

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