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Mittwoch, 25. April 2018 20° 3

Requiem

Bewegende Trauerfeier für Hans Stangl

Weit über 1000 Menschen nehmen Abschied vom Politiker und Unternehmer aus Unterlintach. Er starb nach langer Krankheit.
Von Bastian Schreiner

Vor der Beerdigung war der Sarg von Johann Stangl in der Aussegnungshalle aufgebahrt. Foto: Schreiner

Roding.Schon eine halbe Stunde vor dem Requiem für Johann Stangl waren alle 850 Sitzplätze in der Rodinger Stadtpfarrkirche am Mittwoch besetzt. Die Trauernden standen auch in den Gängen oder lauschten den Reden vor der Tür. Familie, Freunde, Mitarbeiter, Vereine und Weggefährten aus Politik und Wirtschaft nahmen Abschied von einem großen Vorbild und verneigten sich vor seinem Lebenswerk.

Hans Stangl war am vergangenen Donnerstag im Alter von 56 Jahren nach schwerer Erkrankung gestorben. Über zwei Jahre kämpfte er mit Tatkraft und Würde, aber auch Realitätssinn gegen den Krebs. Dabei war er bis zuletzt in der Firma aktiv und scheute auch keine Auftritte in der Öffentlichkeit.

Noch im November ehrte ihn die Stadt Roding für sein Engagement mit der Bürgermedaille, der Landkreis würdigte ihn für seine Verdienste mit dem Kreisehrenzeichen in Gold.

Eine Stunde des Trostes

Über 1000 Trauernde nahmen am Mittwoch in der Rodinger Pfarrkirche Abschied von Hans Stangl. Foto: Schreiner

Vor dem schlichten Altar der Stadtpfarrkirche war beim Requiem, das der Traschinger Kirchenchor musikalisch umrahmte, sein Bild platziert. „Richten wir trotz dieser schweren Stunde den Blick nach vorne zum Kind in der Krippe – ins Leben“, sagte Pfarrer Holger Kruschina, der den Gottesdienst mit Furths Pfarrer Richard Meier und Stiftskanonikus Monsignore Konrad Dobmeier zelebrierte. Der Evangelist Johannes, Stangls Namensvetter, habe einen Becher mit vergiftetem Wein mit dem Kreuzzeichen gesegnet und danach unbeschadet ausgetrunken. Wäre Hans Stangl noch unter uns, so Kruschina, hätte er nicht von Gift, sondern von Wein, nicht von Krankheit, sondern von Hoffnung, und nicht von Tod, sondern von Liebe gesprochen. Aus der Familie, dem Unternehmen und der Gesellschaft habe er Kraft und Zuversicht geschöpft und diese stets „reinvestiert“.

Der 56-Jährige hinterlässt neben Ehefrau Monika und Mutter Franziska drei erwachsene Töchter mit Familien. Sie waren im Kampf gegen den Krebs sein fester Anker. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger war ebenso nach Roding gereist wie Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier und die Landtagsabgeordneten Dr. Karl Vetter, Joachim Hanisch und Dr. Gerhard Hopp, um Hans Stangl die letzte Ehre zu erweisen.

Familie und Beruf

  • Heimat:

    Hans Stangl aus Roding-Unterlintach heiratet 1985 seine Frau Monika. Zur Familie gehören die drei Töchter Stefanie, Susanne und Theresa sowie die Enkel Ferdinand und Alois.

  • Unternehmen:

    Stangl lernt Werkzeugmacher. Im Dezember 1987 erfolgt die Firmengründung. Heute beschäftigt die Stangl & Kulzer-Group rund 370 Mitarbeiter.

Bei der Trauerrede wurde die Stimme von Bürgermeister Franz Reichold brüchig. Er erinnerte an das Lebenswerk des erfolgreichen Existenzgründers, der mittlerweile zu den größten Arbeitgebern im Stadtbereich zählt. Aus einer gesunden Portion Unternehmergeist, dem richtigen Gespür für Markttrends und engagierten Mitarbeitern sei in 30 Jahren eine international agierende Unternehmensgruppe mit rund 370 Mitarbeiter entstanden. „ Er traute sich etwas, er konnte sich durchsetzen und er war erfolgreich“, meinte der Bürgermeister.

Landrat Franz Löffler sind zwei Säulen aufgefallen, die das Leben von Hans Stangl geprägt hatten: Zum einen die Werte, die er gelebt hat, zum anderen seine unwahrscheinliche Zuversicht, seine Tatkraft, die er den Menschen vorgelebt hatte. Er sei nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer gewesen, sondern habe auch Verantwortung für die Gesellschaft übernommen. „In unseren Herzen bleibt die dankbare Erinnerung an einen großartigen Menschen, für mich selbst die Erinnerung an einen verlässlichen Freund“, betonte Löffler.

Visionär und Mutmacher

Die Stadtpfarrkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: Schreiner

Wie Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer sagte, hinterlasse Stangl eine große Lücke – als Mutmacher, Mahner, Gestalter und Visionär. Die Gemeinde sei ihm dankbar, dass er Gut Hötzing aus dem Dornröschenschlaf geholt und unter großem finanziellen Aufwand saniert hat. Trotz des Erfolgs sei er immer bodenständig und bescheiden geblieben.

Stangl, viele Jahre im Orts- und Kreisverband aktiv, sei für die Freien Wähler ein Glücksfall gewesen, versicherte Kreisvorsitzender Hans Kraus. Die Partei habe ihn als verlässlichen Politiker und unentbehrlichen Rat- und Ideengeber geschätzt. Die Stangl & Kulzer-Group werde ihren Mitbegründer als Motor und Motivator mit bedingungslosem Einsatz, fachlicher Kompetenz und großem Geschick in Erinnerung behalten. „Er hatte stets ein offenes Ohr für die Mitarbeiter“, bekräftigte Thomas Platzer stellvertretend für die Belegschaft. Für die Dorfgemeinschaft und die Rosenholzschützen Unterlintach sprach 2. Schützenmeisterin Katja Meier, für die Feuerwehren Kalsing und Ziehring Vorsitzender Reinhold Fink.

Sein Leben als Familienvater, Unternehmer, Vereinsförderer und Politiker sei facettenreich gewesen. „Wir sind dankbar, dass wir so viel von Dir lernen durften“, sagte Stangls Tochter Theresa abschließend. Nach der bewegenden Trauerfeier wurde Hans Stangl auf dem Rodinger Friedhof beigesetzt.

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  • RH
    Roswitha Herzig
    28.12.2017 10:16

    Eine bewegende Trauerfeier. Es war leicht zu verstehen, welche Wertschätzung Hans Stangl quer durch die Bevölkerung entgegengebracht wurde. War eigentlich auch ein Vertreter der SPD anwesend?

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