mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 19. September 2018 25° 1

Aktionstag

Bierseligkeit an einem Tisch

Am 23. April wird mit dem „Tag des deutschen Bieres“ an den Erlass des Reinheitsgebot im Jahr 1516 erinnert.
Von Ingrid Milutinovic

Die gesellige Runde am Sonntagvormittag im Kupferdachl ist groß – und Wirt Toni Meier ist gerne dabei, wenn die Zeit reicht. Fotos: Milutinovic
Die gesellige Runde am Sonntagvormittag im Kupferdachl ist groß – und Wirt Toni Meier ist gerne dabei, wenn die Zeit reicht. Fotos: Milutinovic

Waldmünchen.Stammtisch – in Bayern unverzichtbar, wenn es um das Thema Lebensqualität geht. Mit Freunden zusammenzusitzen, die Woche Revue passieren lassen, vielleicht auch mal kräftig über Politik schimpfen. Es gibt kaum etwas, was so vereint. Und dazu gehört natürlich das bayerische Grundnahrungsmittel schlechthin: das Bier.

Es löscht nicht nur den Durst oder bringt Gemütlichkeit, bereits Hildegard von Bingen oder Paracelsus schrieben dem Bier auch heilende Wirkung zu. Egal, ob es am Vormittag oder schon eher am Abend ist. Dass Bier zumindest in Bayern als Grundnahrungsmittel gilt, ist allgemein bekannt. Die vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sind es, die es so nahrhaft machen. Und, damit es so bleibt, gilt das Reinheitsgebot.

Der Bierpreis

„Wir verordnen, ... dass forthin ... im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Maß (bayerische, entspricht 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten – nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (gewöhnlich ein halber Pfennig) ... gegeben und ausgeschenkt werden soll“, so die Bayerische Landesordnung von 1516. Auch den Waldmünchenern ist ihr Stammtisch heilig. Sowohl im Kupferdachl als auch im Bistro Weninger treffen sie sich regelmäßig. Grund, einmal genauer nachzufragen, was da so schmeckt.

Toni Meier (li.) geht auch gern mal zum Stammtisch beim Kollegen Weninger. Fotos: Milutinovic
Toni Meier (li.) geht auch gern mal zum Stammtisch beim Kollegen Weninger. Fotos: Milutinovic

Anton Meier vom Kupferdachl setzt auf regionale Brauereien. „Hier im Bayerischen Wald gibt es viele kleine Brauereien, die gutes Bier brauen“, sagt er. Er folgt gerne dem Trend „Regionales anbieten und vermarkten“. Bei seiner Brauerei etwa kann er auf Wunsch auch spezielle Biere wie Märzen, Zoigl, oder auch unfiltrierte Lagerbiere erhalten. „Bock kann jeder – wir machen Märzen“, beschreibt er den Weg. Unter bewährter Führung haben junge Leute heute die Möglichkeit, als Bierbrauer neue Geschmacksrichtungen zu suchen. Auch eine Zusatzausbildung zum Biersommelier gäbe es inzwischen. Auch wenn der Bierkonsum generell leicht zurückgegangen ist – dies belegen nicht nur die statistischen Zahlen aus dem Statistikportal „statista“, sondern auch Meiers Erfahrungswerte: Sorgen muss sich keiner machen. Peter Weninger vom gleichnamigen Bistro sieht das ähnlich. Bei ihm sei der Verbrauch in etwa gleich geblieben. Es zeige sich eine Tendenz zu leichten Weizen oder alkoholfreien Bieren ab. „Irgendwer kommt immer“, sagt er. Durchschnittlich zehn Gäste sitzen meist am Stammtisch. Auch Toni Meier kommt gerne, wenn die Zeit es zulässt – untrügliches Zeichen dafür, dass ein Stammtisch zur Geselligkeit dazu gehört. Auch Frauen treffen sich bei ihm gerne mal zum Kaffeekränzchen statt Stammtisch mit Bier.

Das Bier und der Stammtisch

  • Das Reinheitsgebot

    Das deutsche Reinheitsgebot stammt aus dem Jahr 1516. Damals wurde es erstmalig in der Bayerischen Landesordnung erwähnt. Es besagt, dass lediglich die vier Zutaten – Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – enthalten sein dürfen. Prüfmethoden sorgen dafür, dass diese Regeln eingehalten werden.

  • Stammtisch

    Der Stammtisch gehört zur bayerischen Tradition. In vielen Gasthäusern treffen sich regelmäßig – meist– Männer, um in gemütlicher Runde zu diskutieren. Auch der Tisch, eben der Stammtisch und als solcher auch gekennzeichnet, ist immer derselbe. Auch Frauen pflegen durchaus diese Form der Geselligkeit – allerdings eher bei Kaffee und Kuchen.

  • Der Verbrauch

    Deutschland hat nach Tschechien den zweithöchsten Bierverbrauch – auch wenn dieser nach Aussagen der Wirte leicht rückläufig ist. In der Bierproduktion hält Deutschland mit rund 5500 Biersorten und fast 100 Millionen Hektolitern den Platz 1.

Prüfmethoden und Irrtümer

Bei den klaren Vorgaben des Reinheitsgebots dürfen auch die entsprechenden Prüfmethoden nicht fehlen. Während dies heute meist eine doch recht technisch-wissenschaftliche Angelegenheit ist, ist aus dem 15. Und 16. Jahrhundert die folgende Methode überliefert: Man bestrich eine Bank mit Bier, die amtlichen Prüfer setzten sich mit ihren ledernen Hosen drauf und blieben drei Stunden ruhig sitzen. Blieb die Bank dann an der Hose kleben, war das Bier in Ordnung. Heute würde man mit dieser Methode sicher nur noch allgemeine Heiterkeitsausbruch erzeugt.

Viele Geschichten ranken sich um das Bier. Da sind es zum Beispiel die der bekanntesten Irrtümer, wie zum Beispiel: Bier macht einen Bierbauch. Dabei hat ein Pils weniger Kalorien als eine vergleichbare Menge Saft, Milch, Wein oder Sekt. Vielleicht macht es einfach nur Hunger? Oder auch die Annahme, die Deutschen seien die Europameister im Biertrinken. Auch wenn sie mit mehr als 5500 verschiedenen Biermarken und einer Produktion von fast 100 Millionen Hektolitern Jahresproduktion ganz oben liegen, im Konsum sind sie es trotzdem nicht. Da werden sie von den Tschechen geschlagen. Diese liegen laut Statistikportal „statista“ mit 143 Litern pro Kopf im Jahr 2016 eindeutig an der Spitze, Deutschland belegt hier mit 104 Litern den zweiten Platz.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht