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Wirtschaft

Bis zu 50 Jobs stehen in Cham im Feuer

Kunststoffverarbeiter Ensinger macht Verkauf von Thermix an Alu Pro perfekt und informiert Mitarbeiter über den Sozialplan.
Von Tanja Fenzl

Die Chamer Mitarbeiter im Ensinger-Zweigwerk wurden am Dienstagnachmittag über die Folgen des Verkaufs der Sparte Thermix an das italienische Unternehmen Alu Pro informiert. Foto tf
Die Chamer Mitarbeiter im Ensinger-Zweigwerk wurden am Dienstagnachmittag über die Folgen des Verkaufs der Sparte Thermix an das italienische Unternehmen Alu Pro informiert. Foto tf

Cham.Die Verträge sind unterschrieben. Die Thermix-Sparte der Firma Ensinger wird von dem italienischen Unternehmen Alu Pro übernommen, das zu der italienischen Unternehmensgruppe Fenzi gehört. Am Dienstag Nachmittag informierten Geschäftsführung, Personalleitung und Betriebsrat die betroffenen 50 Mitarbeiter in Cham darüber, wie es weitergehen wird.

Wirtschaft

Ensinger will Thermix-Sparte verkaufen

Wegen sinkender Renditen trennt sich die Firma vom Geschäft rund ums Isolierglas. In Cham sind 50 Mitarbeiter betroffen.

„Dabei ging es vor allem um den Sozialplan und den Interessenausgleich“, informierte der Leiter der Unternehmenskommunikation, Jörg Franke, unser Medienhaus auf Anfrage. Im Feuer stehen bis zu 50 Jobs in Cham sowie elf in Ravensburg, die durch den Thermix-Verkauf unmittelbar betroffen sind. Bis spätestens 23. Oktober soll klar sein, wie viele Mitarbeiter am Ende gehen müssen.

Im Juli hatte Ensinger in einer Pressemitteilung von exklusiven Verhandlungen mit dem Anbieter von Chemikalien, Hochleistungsdichtmassen und Abstandhaltern für die glasverarbeitende Industrie bekannt gemacht, die nun abgeschlossen werden konnten. In der Feinjustierung geht es nun auch um den Abbau von Arbeitsplätzen. „Stand jetzt ist eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätze betroffen. Letztendlich werden es in Cham wohl deutlich weniger als 50 Jobs weniger sein“, betonte der Unternehmenssprecher, der weiter verklausulierte: „Das ist alles noch in der Schwebe und sehr variabel.“

Nicht nur Thermix betroffen

Ein Teil der Mitarbeiter werde von Thermix ein Übernahmeangebot erhalten, ein anderer Teil könne über Vorruhestandsregelungen dem drohenden Jobverlust entgehen, wurde weiter deutlich. Ein Arbeitsplatzabbau gestaltet sich unter anderem deshalb nicht ganz einfach, weil es im Chamer Zweigwerk des weltweit operierenden Kunststoffverarbeiters Ensinger zwischen Thermix und Insulbar deutliche Überschneidungen und vergleichbare Tätigkeiten gebe, so dass ein Sozialplan wohl Auswirkungen auf den gesamten Chamer Standort hat.

Beide Sparten bedienen Bauprodukte, Thermix produziert Scheibenabstandhalter für Isolierglas, unter dem Produktnamen Insulbar werden Isolierprofile für Fenster, Fassaden und Türen hergestellt. Sowohl in Sachen Zuschnitt und Verpackung als auch hinsichtlich Logistik, Planung und Fertigungsplanung gebe es ähnliche Jobprofile, heißt es.

„Dadurch betreffen die Verkaufsgespräche im Paket nicht nur Thermix, sondern auch andere Bereiche“, hieß es auf Nachfrage. Sowohl Thermix- als aus Insulbar-Produktlinien werden ausschließlich in Cham gefertigt. Insgesamt arbeiten im Chamer Ensinger-Werk rund 600 Mitarbeiter.

Unternehmen

Ensingers Weg in die weite Welt

Die Chamer Firma Ensinger feiert dieses Jahr das 50-jährige Bestehen, dazu wird Firmengründer Wilfried Ensinger 80 Jahre alt.

Im Zuge der Restrukturierung des Chamer Werks nach dem Verkauf von Thermix sollen den Angaben zufolge auch neue Jobs geschaffen werden – auch das mit ein Grund, warum am Ende deutlich weniger als 50 Jobs verloren gehen sollen.

Gerüchte, wonach der Ensinger-Standort in Cham per se auf dem Prüfstand stehe, wollte der Unternehmenssprecher auf keinen Fall befeuern. Konjunkturelle Entwicklung und globale Krisen hätten natürlich auch auf den Kunststoffverarbeiter aus Baden-Württemberg Auswirkungen. Gerade das Chamer Werk bediene mit dem Bausektor aber eine Branche, die zumindest in Deutschland noch recht stabil „und teilweise sogar im Wachsen“ sei. „Insofern sind die Perspektiven in diesem Bereich nicht so schlecht. Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, schaut es nicht so düster aus, dass man sich um den Bestand des Werks in Cham sorgen müsste“, so Franke.

Die Firma Ensinger

  • Das Unternehmen:

    Die Ensinger Gruppe ist mit der Entwicklung, Fertigung und dem Vertrieb von Compounds, Halbzeugen, Profilen und technischen Teilen aus Konstruktions- und Hochleistungskunststoffen beschäftigt. Ensinger nutzt verschiedene Herstellungsverfahren, darunter Extrusion, mechanische Bearbeitung und Spritzgießen. Mit 2400 Mitarbeitern an 33 Standorten ist das Familienunternehmen in vielen Industrieregionen weltweit mit Fertigungsstätten oder Vertriebsniederlassungen vertreten.

  • Zweigwerk:

    Der Chamer Ensinger-Standort wurde im Jahr 1980 begründet. Seitdem ist er stark gewachsen. Das Werk im Gewerbegebiet Altenmarkt gehört zu den größten Fertigungsstätten in der Ensinger-Gruppe. Die breite Palette der in Cham hergestellten Produkte findet in fast allen wichtigen Industriebranchen Anwendung, sei es im Maschinenbau, in der Bauindustrie, in der Medizintechnik oder in der Lebensmittelbranche. Über 600 Menschen sind bei Ensinger in Cham beschäftigt.

  • Thermix:

    Ensinger entwickelt und produziert Isolierprofile für den Fenster-, Türen und Fassadenbau. Thermix-Abstandhalter sollen einen isolierten Fensterrandverbund bieten.Durch die Abstandhalter sollen Wärmeverluste an der Glaskante reduziert werden; der raumseitige Fensterrand bleibt wärmer – das Glas hat eine sogenannte warme Kante. Diese Produktlinie wird bei Ensinger bisher ausschließlich in Cham gefertigt. Rund 50 Mitarbeiter sind bei Thermix in Cham tätig, noch einmal elf im Vertrieb in Ravensburg.

Zu den Hintergründen, warum der württembergische Konzern Thermix letztendlich abgestoßen habe, sagte Geschäftsführer Dr. Roland Reber: „Der Markt für Isolierglas-Abstandhalter hat seit mehreren Jahren mit Überkapazitäten zu kämpfen.“ In der Folge seien die erzielbaren Renditen über die gesamte Wertschöpfungskette in den letzten Jahren immer weiter gesunken. „Der Verkauf von Thermix wird es uns ermöglichen, uns stärker auf die Kerngeschäftsfelder von Ensinger zu konzentrieren.“

Schon vor drei Monaten hatte Reber ebenfalls betont: „Wir bemühen uns darum, für möglichst viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine gute Lösung zu finden.“

Werner Bachl, Betriebsratsvorsitzender bei Ensinger Cham, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Stark gewachsen

Den Ensinger-Standort Cham gibt es seit 1980, er ist seitdem stark gewachsen. Erst vor Kurzem wurden eine Halle für Compoundierlinien und eine Logistikanlage gebaut sowie das Produktions- und Logistikgebäude erweitert. Das Werk im Gewerbegebiet Altenmarkt gehört zu den größten Fertigungsstätten von Ensinger.

Die breite Palette der in Cham hergestellten Produkte findet in vielen Industriebranchen Anwendungen, im Maschinenbau, in der Bauindustrie, in der Medizintechnik oder in der Lebensmittelbranche.

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