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Kultur

BLOBB, der Inbegriff des Jazz

20 „Edelamateure“ der Big Band des Further Blasorchesters verzauberten ihr Publikum mit Können und Vielseitigkeit.

„I feel me really good“. Die Ansage stimmte, sie waren wahrhaft gut drauf - die 20 Musiker der BLO Big Band. Fotos: cnc
„I feel me really good“. Die Ansage stimmte, sie waren wahrhaft gut drauf - die 20 Musiker der BLO Big Band. Fotos: cnc

Furth im Wald.Obwohl der Wetterbericht ein Schneechaos vorhergesagt hatte und im Further Raum durchaus missliche Straßenverhältnisse herrschten, füllte sich der Saal des Tagungszentrums bis 20 Uhr vollständig. War aber auch kein Wunder: Wer BLOBB einmal erlebt hat, wird keinen ihrer Auftritte versäumen wollen und folgt der Band selbst bis in die Grenzstadt. Was auch nicht überraschend ist, schließlich ist die Big Band hier vor 30 Jahren entstanden und zwar aus dem Blasorchester Furth im Wald, kurz BLOBB.

Seinerzeit hatte Franz Xaver Nachreiner eine Gruppe jazzbegeisterter BLO-Amateure um sich geschart. Von Anfang an standen vor allem Swing-Standards von Glenn Miller, Benny Goodman, Count Basie und Duke Ellington auf der Setliste. Die Band hatte am Freitag also quasi ein Heimspiel, lockte aber auch zahlreiche Fans aus der näheren und ferneren „Woldheimat“ an.

Der Neffe übernahm 2012

„Fly me to the Moon“ wünschte sich Sigi Lee Nachreiner. Fotos: cnc
„Fly me to the Moon“ wünschte sich Sigi Lee Nachreiner. Fotos: cnc

Seit 2012 leitet der Neffe des Gründers, Sigi Lee Nachreiner, Perkussionist, Trompeter und Musiklehrer in Personalunion, diese fantastische Big Band. Er hat mit seinem musikalischen Selbstverständnis das Repertoire um viele moderne Latin-, Soul-, Funk- und Rock-Grooves erweitert und damit entscheidend dazu beigetragen, dass BLOBB zu einem weit über die Region hinaus bekanntem und geschätzten Big-Band-Erlebnis für Musikliebhaber geworden ist.

Mit „One o Clock Jump“ nahm die Band ihre Zuhörer auch gleich mit auf den Sprung in die Welt des Jazz. Mit dem „Night Train“ machte die Crew schließlich einen Zwischenstopp in Cansas City, von wo aus sie den „Moten Swing“, das bekannte Jazzstandard-Stück von Bennie Moten, erklingen ließ. Count Basie hatte wohl seinerzeit bereits Stimme und Ausstrahlung der Frontsängerin Katharina Fischer vor Augen, als er den sanften Song „Lil Darling“ verfasste.

Durchaus nicht soft, sondern stimmgewaltig zog die zierliche 28-jährige mit ihrer Rock-Röhre den Saal in ihren Bann, als sie „Mr. Zoot Suite“ zum Besten gab. Geladen von Spiellust und Improvisationsfreude bot die Band das Stück der Soul-Größe Aretha (Rita) Franklin dar, bevor sie „Criol Love cool“ im Arrangement von F. X. Nachreiner intonierte.

Rockröhre Kathi Fischer toppte als Frontfrau die Band. Fotos: cnc
Rockröhre Kathi Fischer toppte als Frontfrau die Band. Fotos: cnc

Nach der Pause erlaubte sich die Band einen Schlenker mit „Jumping at the woodside“ zurück in den „Wold“; rekrutiert sich doch die Bandbesetzung mit „Nobelamateuren“ aus Deggendorf bis Freyung sowie von Waldmünchen bis Lam. Selbst Frontfrau Kathie Fischer verweist mit Wohnsitz Bad Kötzting auf ihre Verwurzelung im Bayerwald. Mancher (männliche) Zuhörer fühlte sich nicht nur von Kathies Stimme bei ihrer Version von „Angel Eyes“, sondern auch von den Augen der Interpretin verzaubert.

Rund um Band und Stil

  • Richtung

    „Woldmuse“ nennt Sigi Lee Nachreiner seine Musik. Dabei umfasst das Big Band Repertoire New Orleans Jazz, Blues, Swing, Bebop, Latin, Soul, Funk bis zu Rock- und Pop-Musik.

  • Aussicht

    Sigi Lee Nachreiner kündigte anlässlich des 30. Geburtstags der Band ein „großes Event“ an.

  • Mindest-Besetzung

    Zu einer Full Score Big Band gehören wenigstens fünf Saxophone, Flöten, drei Posaunen plus eine Bassposaune, vier Trompeten, Flügelhörner, Piano, Bass, Gitarre, Drums, Percussion, Sängerin sowie Bandleader

  • Informationen

    Weitere Infos gibt es unter www.sigilee.com .

Dass, wie der Moderator schmunzelnd anmerkte, dass so manches Bandmitglied bei den Proben seinen Bandleader ob seines Perfektionismusstrebens lieber mal „auf den Mond schießen würde“, war wohl der Auslöser dafür, dass der Chef selber zum Mikrofon griff. Dieser Auftritt sorgte für Gänsehaut und die Erkenntnis: Es handelte sich tatsächlich um Sigi Lee, der „Fly me to the moon“ schmetterte und nicht um Frank Sinatra, wenn gar mancher im Publikum das mit geschlossenen Augen durchaus so empfunden haben mochte.

Die Big Band des BLO Furth im Wald erweckte sie alle zum Leben: Count Basie, Duke Ellington, Frank Sinatra und Co. Fotos: cnc
Die Big Band des BLO Furth im Wald erweckte sie alle zum Leben: Count Basie, Duke Ellington, Frank Sinatra und Co. Fotos: cnc

Ungebremst preschte das Schlagwerk voran und trieb Saxofonisten, Klarinettisten, Trompeter und Posaunisten zu fantastischen Leistungen und überwältigenden Soli an, welche die Gäste mit spontanem Beifall belohnten. Dass das begeisterte Publikum nach dem angekündigten Schluss-Song „Bata Bata“ noch lange nicht genug hatte, hatte die Bandleitung wohl schon vermutet. Denn endlich rückten sie raus mit dem Klassiker „In the Mood“ und befriedeten mit der „Moonlight Serenade“ als weitere Zugabe das Auditorium.

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