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Kolumne

Blue Whale: Aufregung an den Schulen

Eltern schlagen Alarm wegen einer „Selbstmord-Challenge“ im Internet. Netz-Expertin Birgit Zwicknagel sagt, was dran ist.
Von Birgit Zwicknagel

Nachrichten über die sogenannte „Blue Whale Challenge“ besorgen momentan viele Eltern. Foto: dpa
Nachrichten über die sogenannte „Blue Whale Challenge“ besorgen momentan viele Eltern. Foto: dpa

Cham.Meldungen über eine „Blue Whale Challenge“ sorgen für viel Aufregung an den ostbayerischen Schulen. Eigentlich wollten wir als Computermäuse dieses Thema gar nicht aufgreifen, weil wir diesem Medienhype nicht auch noch Raum schaffen wollten. Aber nachdem wir hier mit Anfragen besorgter Eltern geradezu überhäuft werden, welche eine Sprachnachricht (Kettenbrief) auf dem Handy des Kindes gefunden haben, die eine Warnung vor diesem „Spiel“ beinhaltet, halten wir es für ratsam, aufzuklären.

Inhalt der Nachricht, die ein Kind spricht, ist die Beschreibung dieses Spiels, wo es darum geht, 50 Tage lang Aufgaben zu erfüllen, die mit einem Suizid enden. Am Ende warnt das Kind davor, ja nicht an diesem Spiel teilzunehmen.

Wenn man die Hintergründe dieser Challenge sorgfältig durchleuchtet, stellt man fest, dass das ganze eigentlich ursprünglich ein sogenannter „Hoax“ war, also ein schlechter Scherz. Doch diese Geschichte wurde zum Selbstläufer, nachdem man in Russland eine Anzahl Selbstmordopfer unter Jugendlichen diesem Spiel zuschrieb. Dazu kamen zahlreiche Trittbrettfahrer, die entsprechende Nachrichten verfassten, Apps veröffentlichten und Youtube-Videos einstellten. Das Ganze bekam sozusagen eine Art Eigendynamik.

Je mehr gewarnt wurde, desto mehr interessierten sich für dieses angebliche Spiel, desto mehr fragten nach, wo man das denn finde usw. Zahlreiche Medien recherchierten hier einfach nicht sorgfältig genug und verbreiteten zahllose Falschmeldungen zu dieser Challenge. Am Ende haben wir nun zahllose besorgte Eltern und viele ängstliche Kinder. Die Computermäuse möchten Sie nun eindringlich bitten: Beruhigen Sie sich wieder! Denn es gibt derzeit keinen Grund, Panik zu verbreiten oder Angst zu haben, die Kinder könnten an diesem Spiel teilnehmen.

Die Computermäuse

  • Serie

    Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Internet aufmerksam. Sie schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Birgit Zwicknagel (46) hat selbst drei Kinder, die mittlerweile 19, 22 und 23 Jahre alt sind.

  • Technik

    Die Stamsriederin beschreibt sich selbst als stark technikaffin. „Ich hab mich schon immer für Technik begeistert und kenne alle gängigen Betriebssysteme seit dem C64.“ Wenn es um Handys oder die Anwendung von mp3 oder DAB ginge, sei sie immer bei den ersten Nutzern in der Region gewesen. Sie sei auch diejenige, die in der Familie die neuen Geräte in Betrieb nehme.

  • Erfahrung

    Ihre erste Anregung für die Gefahren mit neuen Medien erhielt Birgit Zwicknagel durch ihre Tochter, die damals die 5. Klasse besuchte. Ein Lehrer hatte damals Internetadressen für alle Schülerinnen angelegt. Das Muster lautete „Vorname.Name-Klasse @ gmx.de“.

  • Gefahr

    Dem Lehrer sei damals nicht bewusst gewesen, dass er so Geschlecht und Alter seiner Schülerinnen schon mit der Adresse preisgab und die Kinder selbstverständlich ihre neue Adresse nutzten, um sich auf allen möglichen Plattformen anzumelden.

  • Verein

    Aus dieser Anregung entstand später der Verein „Computermäuse“ und die Homepage „www.clever-ins-netz.de “.Hier werden Beratung und Vorträge angeboten, aber auch schon viele erste Vorschläge und Tipps gegeben.

  • Motivation

    „Meine Motivation ist es, Menschen mit meinem Wissen helfen zu können, die selber wenig oder keine Ahnung haben!“ (ik)

Die Sprachnachricht enthält auch keinen Link zu dem Spiel, wie irrtümlich von einer Boulevardzeitung berichtet wurde! Es ist nur eine Sprachnachricht, nicht mehr und nicht weniger. Bitte leiten Sie diese nicht weiter. Das ist zwar gut gemeint, aber richtet nur noch mehr Schaden an. Reden Sie mit Ihren Kindern darüber und seien Sie für deren Sorgen und Ängste da. Wir wollen das Thema nicht verharmlosen, sondern an dieser Stelle einfach nur vermeiden, dass sinnlose Panik weiter verbreitet wird und weitere Eltern und Kinder verängstigt werden.

Die Initiative „Saferinternet“ berichtet dazu übrigens, es gäbe derzeit aktuell keinen bekannten und offiziell bestätigten Fall in Deutschland, der auf dieses Spiel zurückgeht. Alle Fälle seien zwar tragisch, wären aber ohne jeden Zusammenhang mit dieser ominösen Challenge.

An dieser Stelle bieten die Computermäuse Ihnen auch gern an, sich bei Fragen oder Unsicherheit zu dem Thema zu melden. Auf der Vereins-Homepage finden Sie unter Aktuelles zwei ausführliche Berichte über diese Challenge.

Hier lesen Sie weitere Teile unserer Serie „Probleme im Netz“

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Zur Autorin:

Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam.
Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Birgit Zwicknagel hält in Schulen regelmäßig Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel vom Verein die Computermäuse im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Eine Hilfe und eine Broschüre zum Thema gibt es unter www.clever-ins-netz.de

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

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