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Bluthochdruck ist eine stille Gefahr

Am 17. Mai war Welt-Hypertonie-Tag. Ein Experte erklärt, was es bei erhöhtem Blutdruck zu beachten gilt.

Prof. Dr. Stefan Buchner ist Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin an den Sana-Kliniken des Landkreises Cham.  Foto: Franz Bauer/ pantografie
Prof. Dr. Stefan Buchner ist Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin an den Sana-Kliniken des Landkreises Cham. Foto: Franz Bauer/ pantografie

Cham.Aktuell lässt Corona andere Krankheitsbilder, wie Schlaganfälle und Herzinfarkte, die oft auf Bluthochdruck zurückzuführen sind, in den Hintergrund treten. Dabei versterben pro Jahr in Deutschland über 45000 Menschen an einem Herzinfarkt und über 27000 Menschen an einem Schlaganfall. Zudem leidet fast jeder dritte erwachsene Deutsche an Hypertonie – das ist der Fachbegriff für Bluthochdruck, Tendenz steigend. Viele Betroffene nehmen die Krankheit auf die leichte Schulter. Denn sie ist eine eher stille Gefahr, tut nicht weh und zeigt anfangs oft keine Symptome. Was es zu beachten gilt, erklärt Prof. Stefan Buchner, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin II – Interventionelle Kardiologie an den Sana Kliniken des Landkreises Cham, in einem Interview.

Herr Prof. Buchner, Bluthochdruck wird derzeit vor allem mit Blick auf COVID-19-Risikogruppen thematisiert. Wie beurteilen Sie diese Diskussionen?

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie herrscht gerade bei Menschen mit Herz- oder Kreislauferkrankungen eine gewisse Verunsicherung über Risiken vor. Denn gleich zu Beginn der Pandemie wurde aus China berichtet, dass Menschen mit Vorerkrankungen, wie beispielsweise Bluthochdruck, einen schwereren Krankheitsverlauf hatten. Zudem kam der Verdacht auf, dass die Einnahme von Blutdruckmedikamenten eine COVID-19-Infektion verkompliziert. Aktuelle Studien haben aber gezeigt, dass Blutdruckmedikamente kein zusätzlicher Risikofaktor für COVID-19 sind.

Menschen mit Bluthochdruck können also aufatmen?

Grundsätzlich gilt: Trotz eines Rückgangs der neu gemeldeten COVID-19-Fälle pro Tag ist weiterhin Vorsicht geboten. Es besteht jedoch kein Anlass zur Panik. Mit Bezug auf die Behandlung von Bluthochdruck kann man davon ausgehen, dass die Wirkstoffe die Prognose von COVID-19-Patienten nicht verschlechtern. Sie können also weiter zum Einsatz kommen.

Was genau ist Blutdruck?

Das ist der Druck, mit dem das Herz das Blut durch die Arterien pumpt. Der Blutdruck ist abhängig von der vom Herzen gepumpten Blutmenge, der Dehnbarkeit der großen Gefäße sowie von dem Strömungswiderstand in den kleinen Gefäßen. Verschiedene Hormone beeinflussen ihn. Er steigt etwa bei Stress und sinkt, wenn wir schlafen. Bei gesunden Menschen pendelt er sich stets im Normalbereich ein.

Warum leiden immer mehr Menschen an Bluthochdruck?

Das Alter spielt eine wichtige Rolle, dies ist am ehesten durch die Abnahme der Dehnbarkeit der großen Gefäße bedingt. Großen Einfluss hat zudem der Lebensstil: Übergewicht, Bewegungsmangel oder Rauchen begünstigen auch in jungen Jahren Bluthochdruck.

Was macht erhöhten Blutdruck so gefährlich?

Das Problematische ist, dass Bluthochdruck meist keine Beschwerden verursacht, viele Betroffene sich also gesund fühlen. Das ist tückisch, denn Hypertonie kann teils lebensbedrohliche Langzeitfolgen haben. Durch den dauerhaft erhöhten Blutdruck werden Organe und Gefäße übermäßig belastet und langfristig geschädigt. Die Folgen können gravierend sein – es drohen Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall, Nierenschwäche und vieles mehr. Dafür reicht schon ein nur leicht erhöhter Blutdruck.

Kann man selbst etwas tun?

Es gibt viele Faktoren, die Bluthochdruck bedingen. Manche – wie Alter oder erbliche Veranlagung – können nicht vom Patienten selbst beeinflusst werden. Andere hingegen lassen sich mit einem gesunden Lebensstil reduzieren oder sogar ganz eliminieren. Dazu zählt, Alkohol nur moderat zu trinken, wenig Salz zu essen, sich generell gesund zu ernähren. Übergewicht abzubauen und nicht zu rauchen, senkt das Risiko ebenfalls. Ich empfehle zudem ein regelmäßiges, moderates Ausdauertraining, am besten zweimal bis dreimal in der Woche. Zum Beispiel Wandern, Laufen oder Schwimmen. Wenn das alles nichts hilft, kann der Arzt Medikamente verschreiben.

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