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BRK für besseren Katastrophenschutz

BRK-Präsident Theo Zellner kritisiert Einsparungen bei der Krisenbewältigung.
Karl Pfeilschifter

Als noch Hände geschüttelt werden durften: BRK-Präsident Theo Zellner und Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner Foto: Karl Pfeilschifter
Als noch Hände geschüttelt werden durften: BRK-Präsident Theo Zellner und Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner Foto: Karl Pfeilschifter

Cham.Theo Zellner, Präsident und Kreisvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), hat angesichts der Corona-Pandemie eine Reformation des Katastrophenschutzes gefordert. Aus Sicht des BRK seien vor Jahren die notwendigen Weichen nicht gestellt worden, um der gegenwärtigen Situation gewachsen zu sein. „Der Katastrophenschutz wurde kaputtgespart“, sagte Zellner. Laut ihm seien mit Ende des Kalten Krieges Vorhaltungen für den Katastrophenschutz in allen Bereichen zurückgefahren worden.

„Heute rächen sich Einsparungen der letzten 30 Jahre“, sagte der BRK-Präsident. Das BRK ist seit rund zehn Wochen mit dem Thema der Materialbeschaffung befasst. Es hat dabei bisher Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe beglichen. „Die Preise für solche Güter sind horrend“, sagte Zellner. Niemand habe geahnt, dass billigste Einmalartikel wie Handschuhe, Schutzkittel oder OP-Masken in einem entwickelten Land wie Deutschland knapp werden könnten. Das sei der Preis der Globalisierung. Statt blind auf die Mechanismen der Märkte zu vertrauen, plädiert der 71-Jährige für mehr Dezentralisierung zur Sicherstellung der Grundversorgung.

Weiter bestehe laut Zellner ein dringender Handlungsbedarf am „Brennpunkt“ Pflegeheim. Als große Infektionsherde müssten Pflegeheime an erster Stelle stehen. Es sei zwingend notwendig, Pflegekräfte und Bewohner ab sofort in regelmäßigen Abständen sogenannten Reihentestungen zu unterziehen. Nur so ließen sich laut Zellner Infektionsrisiken auf ein Minimum beschränken und die gefährdetsten Personengruppen schützen.

Mit Reihentestungen könnten Corona-Fälle schnell erkannt und die Verbreitung in besonders gefährdeten Bereichen weitgehend verhindert werden. Laut dem BRK-Präsidenten seien es vor allem die Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen, den Kliniken und dem Rettungsdienst, die das System derzeit am Laufen hielten. „Die Politik schafft Strukturen und die notwendige Basis. Doch jede Pflege- und Rettungskraft trägt wesentlich dazu bei, dass dieses System nicht in sich zusammenfällt und kollabiert“, sagte Zellner. Klar sei, dass nach der Krise alles daran gesetzt werden müsse, diese Berufe grundlegend aufzuwerten und ihnen die Anerkennung zukommen zu lassen, die sie verdienten. Der BRK-Präsident hofft, dass Überlegungen zur besseren Bezahlung von Pflegekräften sowie zur Aufstockung des Katastrophenschutzes nach der Überwindung der Krise nicht vergessen werden.

„Leider braucht es immer wieder erst Katastrophen, bis die Menschen verstehen, warum in Dinge investiert werden muss, die in ‚normalen Zeiten‘ keinen Mehrwert bringen“, resümiert der BRK-Präsident. (cft)

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