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Brückenbauer zwischen Ost und West

Am 16. Mai ist der Festtag des heiligen Johannes Nepomuk. Seine Statue ist auch an Brücken im Altlandkreis Roding zu finden.
Von Edmund Speiseder

Der Nepomuk auf der Brücke über den Regen mit dem Kloster Reichenbach im Hintergrund Foto: Edmund Speiseder
Der Nepomuk auf der Brücke über den Regen mit dem Kloster Reichenbach im Hintergrund Foto: Edmund Speiseder

Reichenbach.Auf unzähligen Brücken in Süddeutschland und Österreich bis hinauf in den Norden steht die Figur des heiligen Nepomuk. Als Brückenheiliger ist er allen bestens bekannt und vertraut. Nur wenige aber kennen die tatsächliche Geschichte des Dargestellten, auch wenn sie oft tagtäglich an der Figur vorbeikommen.

Die meisten Statuen sind Nachbildungen seines im Jahr 1693 auf der Karlsbrücke in Prag aufgestellten Standbildes – und so gibt es einen hohen Wiedererkennungswert. Man erkennt Nepomuk als Priester mit Birett auf dem Kopf, das von fünf Sternen umgeben ist, mit Kreuz oder Palme in der Hand, manchmal hat er den Zeigefinger auf den Mund gelegt.

Er ist Patron der Flößer, Müller, Schiffer und Brücken, der Beichtväter und Priester. Johann Nepomuk, der bömische Heilige, ist einer der beliebtesten und verehrtesten Heiligengestalten der Kirche. Er gilt als Blutzeuge für die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses.

Als Johannes Welfin wurde er zwischen 1340 und 1350 in Pomuk bei Pilsen geboren. Seine Ausbildung erhielt er in einem Zisterzienserkloster in der Nähe seines Heimatdorfes und studierte in Prag und Padua. Nach der Priesterweihe war er zunächst als Pfarrer von St. Gallus in Prag tätig und wurde Seelsorger der deutschen Kaufleute in Neustadt. 1387 erwarb er sich den Doktorhut der Theologie und der Rechtswissenschaft.

Die Statue an der Rodinger Regenbrücke. Foto: Bastian Schreiner
Die Statue an der Rodinger Regenbrücke. Foto: Bastian Schreiner

Sein Fleiß und seine Gelehrsamkeit waren ebenso groß wie seine Sanftmut und Bescheidenheit, berichten die Chronisten. Deswegen ernannte ihn der Erzbischof zu seinem Privatsekretär und machte ihn zum Notar der bischöflichen Kanzlei sowie zum Prediger an der Teynkirche in der Prager Altstadt. Seine Predigten zu hören, galt bald als etwas Besonderes. So wurde er 1389 zum Domherr und Generalvikar des Prager Erzbischofs Johann von Jenzenstein. Als Archidiakon von Saaz war er auch Mitglied des Domkapitels.

Der jähzornige König Wenzel IV.

Seinen Rat in Rechtsstreitigkeiten hatte man schon vorher oftmals gesucht. Denn er zeichnete sich durch Unparteilichkeit und Redseligkeit aus und wirkte so segensreich in den recht komplizierten Angelegenheiten des großen Erzbistums. König Wenzel IV., ein anfänglich gutmütiger Herrscher, hatte sich im Laufe seiner Regierungszeit charakterlich grundlegend geändert. Er gab sich hemmungslos dem Trunke hin, war überaus jähzornig und frönte rücksichtslos seinen Ausschweifungen. In jener Zeit bestimmte aber auch ein angespanntes Verhältnis zwischen Hof und Domkapitel. Der Adel führte ein willkürliches Regiment und war sittlich vielfach verkommen.

Als sich der Erzbischof gezwungen sah, gegen einige Höflinge die Exkommunikation auszusprechen, stieg die Wut des Herrschers aufs Höchste. Johannes Nepomuk stand ursrpünglich in der Gunst des Königs. Wenzel hatte ihn zur Abhaltung der Adventspredigten an den Hof geladen und Ämter und Würden angeboten. Nur das Amt des Beichtvaters und stillen Beraters der Königin soll er angenommen haben. Alsbald wollte der König in Erfahrung bringen, was denn die Königin so beichte und ihm anvertraue. Diese standhafte Weigerung, sich dem König zu verwehren, um das Beichtgeheimnis nicht zu verletzen, brachte Wenzel IV. erst recht in Rage und er ließ ihn festsetzen, quälen und töten.

Heiliger Nepomuk

  • Bedeutung:

    Nepomuk ist Patron der Flößer, Müller, Schiffer und Brücken, der Beichtväter und Priester. Er gilt damit als Patron der Verschwiegenheit, des Vertrauens und der Aufrichtigkeit. Als Johannes Welfin wurde er zwischen 1340 und 1350 in Pomuk bei Pilsen geboren.

  • Grab:

    Es befindet sich im Prager St. Veits-Dom. Als man seinen Sarkophag 1719 öffnete, war seine Zunge unverwest. (csp)

Es gibt einen Bericht des Prager Erzbischofs an Papst Bonifaz IX. einige Wochen nach der Untat. Darin heißt es: „Nachdem man ihm die Seiten so schwer verbrannt hatte, dass er auch ohne gewaltsamen Tod hätte sterben müssen, wurde der ehrwürdige Doktor Johannes, mein geistlicher Vikar, in aller Öffentlichkeit durch die Straßen und Gassen der Stadt zur Moldau geschleppt und dort, die Hände auf den Rücken gebunden, die Füße mit dem Kopf wie ein Rad verknüpft und den Mund mit einem Holzpflock auseinandergespreizt, von der Prager Brücke hinabgestürzt und ertränkt.“ Dies geschah in der Nacht zum 20. März 1393 auf Befehl König Wenzels IV.

Das Grab des Heiligen befindet sich im Prager St. Veits-Dom. Als man seinen Sarkophag 1719 öffnete, war seine Zunge unverwest. Sie wird in einem kostbaren Reliquiar in der Domschatzkammer aufbewahrt. Seit 1693 erinnert ein Denkmal auf der Karlsbrücke an den Heiligen. Seine Gebeine ruhen in einem Kristallsarg unter einem Grabmal aus Marmor und Silber. Seit seiner Kanonisierung 1729 erlangte Johannes weitere Popularität, er wurde zum „Staatsheiligen“ des Habsburger Reiches. Historiker vermuten auch, dass seine Verehrung mit aller Macht forciert wurde, um die Erinnerung an den unliebsamen böhmischen Nationalheiligen Jan Hus zu verdrängen.

1729 heiliggesprochen

So lehnte wiederum die nationaltschechische Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts die Verehrung Nepomuks ab. Die Heiligsprechung war 1729 unter Papst Benedikt XIII., der Festtag ihm zu Ehren ist auf den 16. Mai festgelegt. An der Prager Karlsbrücke erinnert noch heute eine rote Marmorplatte an jene Stelle, an der Nepomuk in die Moldau gestoßen wurde.

1731 bekam der Meßkircher Fürst zu Fürstenberg vom Prager Erzbischof Reliquien von Johannes für eine Nepomuk-Kapelle geschenkt. Diese Kapelle wurde zum Ausgangspunkt der Verehrung in ganz Schwaben. In Plattling gibt es seit 1864 sogar eine Nepomukbruderschaft. Nepomuk wurde nämlich als Fürsprecher gegen die Gefahren der Isar angerufen. Zum Dank für seinen Schutz vor den Gefahren des Flusses wurde die Statue des Heiligen alljährlich auf einer geschmückten Plätte den Fluss herabgefahren.

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