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Ärger

Bürger sauer auf Telekom und Politik

Die Telekom stellt ihr Netz um. Das bringt jedoch ein großes Problem mit sich – vor allem für Verbraucher im ländlichen Raum.
Von Bastian Schreiner

Wählscheiben-Telefon statt Glasfaser? Wegen der langsamen Internet-Verbindungen, insbesondere im Bereich Ober- und Unterprombach, Kalsing sowie Unterlintach, regt sich zunehmend Unmut.  Foto: Bastian Schreiner
Wählscheiben-Telefon statt Glasfaser? Wegen der langsamen Internet-Verbindungen, insbesondere im Bereich Ober- und Unterprombach, Kalsing sowie Unterlintach, regt sich zunehmend Unmut. Foto: Bastian Schreiner

Roding.Online nach dem Routenplan suchen, schnell nach Infos für das Referat googlen oder eine E-Mail an den Chef verschicken: Was für die meisten Menschen inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist, wird für Bürger und Betriebe in und um Oberprombach zunehmend schwierig. Grund: Die Telekom stellt derzeit ihr Netz von ISDN auf Internet-Protokoll (IP) um. Das soll zwar effizienter und günstiger und sein, bereitet jedoch gerade Bürgern auf dem Land Probleme.

Auch in Roding sind die Menschen wütend. In den vergangenen Wochen kündigte ihnen die Telekom Verträge und nahm einige sogar vom Netz. Die Telekom möchte optimierte Verträge für die Verbraucher finden, wie es im Schreiben heißt. „Die Alternativen, falls vorhanden, sind durch eine eingeschränkte Leistung unbrauchbar und inakzeptabel“, sagte Johann Schwarzfischer, der Bürgermeister Franz Reichold am Freitag zu einem Gespräch mit Betroffenen eingeladen hatte. Die ohnehin miese Internet-Versorgung werde noch schlechter, so Schwarzfischer.

Internet

Wo das Rodinger Internet absäuft

Das „globale Dorf“ bleibt für viele Anwohner eine Illusion. Sie hoffen jetzt auf den Eigenbetrieb des Landkreises.

Die Betreiberin des Holzhauses berichtete, dass sie für Geschäftsleute, die in Oberprombach untergebracht sind, Datenvolumen teuer per GigaCube nachkaufen müsse. Eine Frau teilte mit, dass eine E-Mail mit zwei Bildern im Anhang den halben Tag lade, bis sie versandt werden könne. Auch in der Landwirtschaft sei man heutzutage auf schnelles Internet angewiesen. Es dauerte Stunden, bis die Felder im System laden. Werden die Anforderungen nicht erledigt, gebe es Sanktionen vom Staat, ließ ein Betroffener wissen.

Entwicklung

  • Problem:

    Obwohl leistungsfähige Internetverbindungen eine immer größere Bedeutung für Arbeitswelt und Freizeitverhalten haben, wird das Surfen in manchen Regionen regelrecht zur Geduldsprobe.

  • Hoffnung:

    Der Eigenbetrieb „Digitale Infrastruktur“ des Landkreises wird ein eigenes Glasfasernetz aufbauen. Aber die Zeit drängt. „Wir können nicht ewig warten“, so der Tenor der Versammlung.

In ländlichen Haushalten wohnen in der Regel bis zu drei Generationen in einem Anwesen, oft zusätzlich mit einem gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieb. „Ein Anschluss als Grundversorgung reicht nicht“, betonte Schwarzfischer. Da auch das Handy- und Funknetz lückenhaft ist, wirke sich ein eingeschränkter Internetzugang noch gravierender aus. Ihr Kind könne teilweise Hausaufgaben nicht machen, da sie nicht ins Internet kommt, erzählte eine Mutter. Die Lehrer würden dies aber voraussetzen. Ein Mann sagte, dass er sein Programm am Computer um 5.30 Uhr starten muss, um gegen 9 Uhr endlich damit arbeiten zu können. Er sei seit Jahren mit der Telekom im Gespräch – geändert habe sich nichts. „Wir sind auf dem Stand wie vor 40 Jahren“, so lautete der Tenor. Die Schuld sehen die Bürger nicht allein bei der Telekom.

„Das ist politisches Versagen“, wurde ein Mann deutlich. Das Thema sei bereits im Bundestag diskutiert worden, sagte Reichold. Auch Strahlfeld sei betroffen. „Es stört mich, dass etwas abgeschaltet wird, ohne ein anderes Netz aufzubauen“, so Reichold. Für die Unternehmen sei der Ausbau im ländlichen Raum eher uninteressant. Die Telekommunikation gehöre sich deshalb in staatliche Hand, forderte er.

Technik

Netzausbau steckt in der Warteschleife

Da sich das landkreisweite Projekt verzögert, steigt die Stadt Roding zumindest voll in das Förderprogramm „Höfebonus“ ein.

„Wir sind von der sozialen Teilnahme ausgeschlossen und haben Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Betrieben. Es geht um unsere Zukunft“, so Schwarzfischer. Der Bürgermeister kündigte an, einen Beschwerde-Brief samt Aussagen der Betroffenen an die Bundesnetzagentur zu schicken. Indes hoffen die Bürger, dass die Wiederherstellung der ISDN-Anschlüsse erreicht werden kann und der Landkreis Cham 2020 endlich die angekündigte Errichtung des Glasfasernetzes für unterversorgte Regionen startet. (bs)

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