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„Bunt statt grün“ lautet die Devise

Barbara Heydenreich zeigte beim Bund Naturschutz an Beispielen auf, wie man „Blühende Landschaft“ gestalten kann.

Bitte einmal Super tanken! Kätzchenweiden bieten im frühen Frühjahr die ersten Futterquellen für Bienen an. Foto: Netzwerk blühende Landschaft
Bitte einmal Super tanken! Kätzchenweiden bieten im frühen Frühjahr die ersten Futterquellen für Bienen an. Foto: Netzwerk blühende Landschaft

Cham.Schon immer brauchen wir die Insekten, doch jetzt brauchen sie unseren Schutz. Das Aussäen einer Blumenmischung ist dabei nur eine kleine Hilfe. Wirkungsvolle Maßnahmen im Garten, im kommunalen Grün, in der Landschaft und Landwirtschaft zeigte Barbara Heydenreich vom „Netzwerk blühende Landschaft“ auf Einladung des Bundes Naturschutz Cham vor kurzem in der gut besuchten Klostermühle in Altenmarkt.

Dass es unseren Blütenbestäubern nicht gut geht, sei spätestens seit der „Krefelder Studie“ bekannt; die alarmierenden Ergebnisse vom Rückgang der Fluginsekten um mehr als 75 Prozent rüttelten viele Menschen wach, sagte die Expertin. Vor allem durch den Verlust ihrer Nahrungs- und Lebensräume sterben ganze Arten vollkommen aus. „Diese verschwinden zum einen durch die intensive Landwirtschaft, vorgegeben durch die Agrarpolitik“, so Heydenreich. Zum anderen finde kein Insekt auf den vielen versiegelten Flächen Futter. Außerdem bringe der Klimawandel das fein austarierte Gleichgewicht zwischen Blüte und blütenbesuchendem Insekt aus dem Lot.

Brauchen Biene, Hummel und Co.

„Wir brauchen jedoch dringend Biene, Hummel und Co, denn 80 Prozent all unserer Blütenpflanzen sind auf bestäubende Insekten angewiesen“, erklärte die Referentin. Jeder, der selber Obstbäume hat, wisse, dass bei einer guten Bestäubungsleistung nicht nur die Menge an Obst zunimmt, sondern auch die Qualität. Aber auch Tiere seien auf die Wildfrüchte wie Hagebutte oder Vogelbeere angewiesen, denken wir nur an unsere Vögel oder den Igel.

Insekten seien bestens an ihre speziellen Blüten angepasst, und wenn ein Schmetterling seinen langen Saugrüssel entrollt, um den Nektar zu saugen, sei das ein prachtvolles Schauspiel. Aber nur 20 Prozent der Arten seien gesichert, 80 Prozent seien bedroht oder stünden auf der Roten Liste. Bei Hummeln, als Schlechtwetterbestäuber enorm wichtig, betrage die Quote 63 Prozent. Bei den Wildbienen seien die Aussichten ebenso düster.

Hilfe sei also dringend geboten, aber wie? Die Einsaat einer Blühmischung sei nur ein Teil eines Maßnahmenpakets. Dabei müsse man unbedingt vorab klären, wie artenreich die bestehende Fläche schon ist. Breche man z.B. eine extensiv bewirtschaftete, standortangepasste, eingewachsene Wiese um, um eine Blühmischung auszusäen, erweise man den Insekten damit einen Bärendienst. Oft reiche es schon aus, weniger, also nur ein- bis dreimal im Jahr zu mähen und das Mähgut abzufahren, damit sich blühende Pflanzen von selber einstellen.

Wenig helfe es, Samentütchen auf eine Wiese auszubringen. „Aussaat ist nur im offenen Boden möglich, der ähnlich gut hergerichtet werden muss wie ein Beet im Gemüsegarten“, so die Expertin. Das Saatgut müsse gebietsheimisch sein. Die Referentin sprach in dem Zusammenhang mit einem Augenzwinkern von „Bürgermeistersaaten“, die im ersten Jahr mit einer bunten Blütenfülle aufwarten: „Schön für das Auge, gut für das Image, aber keine nachhaltige Unterstützung für die Insekten.“

Wenn schon einjährige Aussaaten, dann z.B. die Mischung „Mössinger Sommer“ verwenden, die im Fachhandel erhältlich ist und ein Nahrungsangebot vom Frühjahr bis in den Herbst bietet. Noch besser seien die für die Landwirtschaft entwickelten mehrjährigen Einsaaten mit einer Standzeit von fünf Jahren. In dieser Zeit verändere sich das Blühbild beständig und sehe im Winter für den Menschen nicht sehr ansprechend aus. Gleichwohl sei so eine mehrjährige Blühwiese immens wichtig, da sie in hohlen Stängeln Überwinterungsplätze für Insekten und im Bestand Lebensraum für Wildtiere biete. „Also Mut zur Schlampigkeit!“, sagte Heydenreich.

Das gelte genauso für die Gärten, in denen viele Insekten dürre Blätter und vertrocknete Blüten überlebensnotwendig als Winterquartier benötigten. Ein alter abgestorbener Obstbaum diene immer noch als Insektenhotel, offene Bodenstellen böten wichtigen Lebensraum, und in „wilden“ Ecken und Winkeln könne die Brennnessel gedeihen, die für das Raupenstadium unzähliger Schmetterlingsarten unverzichtbar sei. Viele Wildbienenarten könnten nur wenige hundert Meter zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle zurücklegen und besuchten gerne nektar- und pollenreiche Blüher wie jetzt im Frühjahr Winterling, Schneeglöckchen und Krokus.

Frühblüher sind enorm wichtig

Ganz wichtig seien frühblühende Gehölze, allen voran die Kätzchenweiden, die eine erste Kraftnahrung für die Bienen böten. Kornelkirschen erfreuten mit ihrer Blüte Bienen und Menschen, wohingegen die Forsythien für die Insekten fast wertlos seien. Sorge man das ganze Jahr über für einen Blütenflor aus einfachen Blüten, da die gefüllten weder Pollen noch Nektar enthalten, und biete eine kleine Wasserquelle an, werde man sich an vielen Blütenbesuchern erfreuen können.

Öffentliches Bunt

  • Wechselflor

    sei out. Die jahreszeitlich wechselnden Bepflanzungen z. B. auf Verkehrsinseln kosteten Geld und böten häufig weder Nahrung noch Lebensraum für Insekten. Wirksamer sei hier eine Dauerbepflanzung mit mehrjährigen Blühpflanzen und Wildkräutern wie Lavendel oder Fette Henne.

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