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Ausstellung

Bunt und voller Lebendigkeit

Bilder von Max Riedl sind im Alten Rathaus von Furth im Wald zusehen. Der Zulauf bei der Vernissage war groß.
Von Johann Reitmeier

Protagonisten der Vernissage (von links): Bürgermeister Sandro Bauer, die Laudatoren Sabine und Thomas Blab, Ferry Baierl und Max Riedl Foto: Johann Reitmeier
Protagonisten der Vernissage (von links): Bürgermeister Sandro Bauer, die Laudatoren Sabine und Thomas Blab, Ferry Baierl und Max Riedl Foto: Johann Reitmeier

Furth im Wald.Auf den ersten Blick ist die Ausstellung „Drachen und andere Schönheiten“ im Alten Rathaus in Furth im Wald nur überwältigend bunt. Auf den zweiten strahlen die Arbeiten Max Riedls eine Lebendigkeit und Kraft aus, bei der sich beim eingeweihten Betrachter schon die eine Frage stellt: Woher nimmt dieser Mann seine anscheinend grenzenlose Energie, seinen Optimismus?

Dabei geht er öffentlich und ohne Klagen mit seiner schweren Erkrankung um, die ihm keine zeichnerischen Fähigkeiten mehr gestattet. Aber: Max Riedl wäre nicht der umtriebige Künstler und zähe Schachstratege, als dass er seinem Schicksal nicht energisch den Mittelfinger zeigte, und ihm mit einer verblüffenden Technik-Idee ein Schnippchen schlägt. Er sprayt – anstatt zu malen. Nutzt dabei fertig gekaufte oder selbst angefertigte Schablonen, um seinen Bildern Farbe und dynamische Struktur zu verleihen. Mit der Vernissage am Freitag eröffnete Max Riedl eine sehr umfangreiche Ausstellung seiner Arbeiten aus den letzten drei Jahren, die noch bis mindestens 1. September 2019 zu sehen ist.

Quasi als sympathisches Rahmenprogramm schmückt Riedls alter Spezi, der Saxophonist Heiner Schlüter, den Ablauf mit kultigen Jazzstandards und, passend zu den farbstrotzenden Bildern, mit Improvisationen.

Überblick über das Schaffen

Bürgermeister Sandro Bauer gab eingangs einen Überblick über Leben und künstlerisches Schaffen vor allem der letzten sehr fruchtbaren Jahre Riedls: Der mit selbstredendem Stolz auf seine Grabitzer Herkunft verweisende Schulrektor machte erstmals während seiner eigenen Schul- und Studienzeit Bekanntschaft mit Kunstpädagogik – sie sollte ihn seitdem nicht mehr loslassen. So schrieb er mit Gleichgesinnten zahlreiche (schulbehördlich genehmigte) und noch immer im ständigen Gebrauch stehende Schülerbücher „Kunst und wir“.

Dazu kamen noch etliche Fachpublikationen und Lehrer-Mappenwerke. Daneben war er einige Jahre Mitgesellschafter der Kunstgalerie „Profil“ in Cham – eine Verbindung, die heute noch in diversen treuen Freundschaften fröhliche Urständ‘ feiert. Außerdem ist Riedl aktives Mitglied des Further Kunst- und Kulturvereines „FreiRaum“ und berichtete über so manche Ausstellung vor Ort in der Lokalpresse. Seine Parkinsonerkrankung, aus der er nie ein Geheimnis machte, beschleunigte dann vor einiger Zeit die Entscheidung, selbst Kunst zu produzieren und konsequent einen Leitsatz zu seinem Motto zu machen, der ihn schon sein Leben lang begleitete: „Keine Ausreden mehr!“

So entstanden also seit 2016 diese „gesprayten“ Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Grob gesagt mit zwei unterschiedlichen Themenfeldern: Eine große Abteilung mit Further Motiven – natürlich mit dem Drachen und allem, was damit zusammenhängt. Was schon bald auffällt, ist dieser ganz spezielle Humor, der aus fast allen Further Bildern spricht – nicht schenkelklopfend, sondern fein, hintergründig und liebenswert. So verbannt er in einer großformatigen Arbeit den Ritter nach getaner Pflicht an den Rand des Bildes, die Ritterin fläzt sich genüsslich auf dem Ruhepfuhl, und der erledigte Drache landet als Bettvorleger davor – welch eine köstliche Szenerie, mit der hier die „immense Wichtigkeit“ der Further 5. Jahreszeit ein wenig karikiert wird.

Spielerei mit Farben

Das zweite, ebenfalls umfassende Themenfeld der Präsentation ist der Geometrie bzw. der Mathematik gewidmet. Seit 2018 hält ihn das malerisch in Schwung. Die ersten Fibonacci-Bilder entstanden ab 2018. (Der Italiener war der größte Mathematiker des Mittelalters.)

Durch ein Geschenk an seinen Enkel entdeckte Riedl die Pentomino-Reihen und wandelte sie dekorativ in Bilder um. Eine Spielerei mit Farben sind auch die Bilder des „Einfachen KO-Systems“.

Immerhin kann er so einen Vorschlag für Info-Tafeln für die Landesgartenschau entwickeln. Und manchmal schneidet er auch nur Schablonen aus und „sprüht“ Farbe durch die Öffnungen – so entstehen seine „all-over-Bilder“. (cjr)

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