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Justiz

Cannabis statt Mais auf Feldern

Zwei Brüder aus dem Landkreis Cham stehen wegen Marihuana-Anbaus und illegalen Waffenbesitzes vor dem Landgericht.
Von Marion von Boeselager

32 Kilo „Grünzeug“ ernteten die Polizisten auf der Marihuana-Plantage ab. Foto: Matt Masin/Orange County Register via ZUMA/dpa
32 Kilo „Grünzeug“ ernteten die Polizisten auf der Marihuana-Plantage ab. Foto: Matt Masin/Orange County Register via ZUMA/dpa

Cham.Zwei Brüder aus dem östlichen Landkreis Cham mussten am Donnerstag nebeneinander auf der Anklagebank des Regensburger Landgerichts Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Landwirt (47) vor, gemeinsam mit seinem Bruder (51), der nach einem Motorradunfall erwerbsunfähig ist, auf den landwirtschaftlichen Flächen bei ihrem Gehöft eine Marihuanaplantage betrieben zu haben. Außerdem stellte die Polizei in einem Wagen des jüngeren Bruders eine scharfe Waffe mit Munition sicher: Eine umgebaute Schreckschusswaffe, in der vier scharfe Patronen des Kalibers 6,35 mm Browning steckten. Im Eingangsbereich der überdachten Plantage befanden sich zudem 22 Patronen eines anderen Kalibers. Einen Waffenschein hatte er nicht. Von der Waffe soll der Ältere gewusst haben.

Über seinen Anwalt Michael Frank – und mit eigenen Worten – räumte der 47-jährige Landwirt sofort alle Vorwürfe ein, nahm aber seinen Bruder in Schutz: Er habe die Pflanzen an drei verschiedenen Stellen seiner Felder „zum Eigenbedarf“ angebaut. Er sei von Cannabis abhängig. Sein Bruder habe aber „mit der ganzen Sache nichts zu tun.“ Er habe ihm nur „ab und zu etwas abgegeben, wegen der Schmerzen.“

Die Waffe habe er zum Schutz bei sich im Wagen aufbewahrt: „Ich bin Schäfer und schlafe allein am Feld. Der Wolf rennt da rum. Und schlechte Leute gibt’s überall.“ Der Anwalt des älteren Bruders, Siegfried Kohlbeck, bestätigte, sein Mandant habe „zwar mitgekriegt, dass sein Bruder nicht nur Gemüse anbaut, und auch mal die Waffe gesehen.“ Der 47-Jährige habe aber dazu nur gemeint: „Das ist meine Sache.“ In der Reha, so der 51-Jährige, habe er von Mitpatienten gehört, dass ihnen Marihuana geholfen habe. Auch ihn habe das Gras „aus dem Rollstuhl herausgeholt.“ Er stehe zu seinem Konsum.

Die illegale Plantage flog im Oktober letzten Jahres auf, als die Polizei in Cham bei einer Disco einen Drogenkonsumenten kontrollierte: Er hatte zwei Joints bei sich und weitere Drogen in seiner Wohnung. Auf seinem Handy waren einige Fotos einer Cannabisplantage gespeichert. Auf Nachbohren der Polizei gab der Mann schließlich den Standort der Pflanzen an, berichtete ein Beamter im Zeugenstand. Gleichzeitig mit zwei Streifen traf damals der Landwirt am frühen Abend mit seinem Bulldog bei der Plantage ein. „Er sagte erst: Ich bin Landwirt und kann anbauen, was ich will!“, berichtete einer der Beamten vor Gericht.

Auch der Bruder kam hinzu, sah die mit Taschenlampen herum leuchtenden Polizisten und meinte: „Was wollen die in unserem Zeug?“ Die Brüder wanderten in eine Zelle der PI Cham. Die Plantage wurde abgeerntet. 32 Kilo „Grünzeug“ füllten sieben Müllbeutel, sagte ein anderer Beamter. Weitere Cannabispflanzen wuchsen noch an zwei anderen Stellen und lagerten getrocknet in einem Pferdeanhänger bei der Plantage, am Dachboden des Gehöfts und eine kleine Menge im Zimmer des älteren Bruders. Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt.

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