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Region Cham
Dienstag, 22. Mai 2018 24° 1

Cham: Biomasseheizkraftwerk für 18 Millionen Euro

Wollen Wärme aus Biomasse in die Stadt bringen: Bürgermeisterin Karin Bucher und Goldsteig-Geschäftsführer Andreas Kraus. Foto: Klöckner

Ein 18 Millionen Euro teures Projekt soll die Stadt Cham in der Zukunft unabhängig machen von Ölquellen und Gaslieferungen. Das ist das langfristige Ziel, das sich die Planer eines Biomasseheizkraftwerks auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Lindner gesetzt haben. Kurzfristig geht es Bürgermeisterin Karin Bucher und Stadtwerkechef Josef Windmaißer um die schnellstmögliche Versorgung der Goldsteig Käsereien mit Dampf für die Produktion. Am Mittwoch stellten sie das Projekt gemeinsam mit dem Chef des Planungsbüros, Michael Gammel, dem Geschäftsführer der Goldsteig, Andreas Kraus, und den Aufsichtsratsmitgliedern der Stadtwerke, Josef Rädlinger, Karl Heinz Hampel und Karl-Heinz Frank, vor.

Ab 1. November 2010 soll der erste Dampf aus dem 15-Megawatt-Kraftwerk durch die Rohre über die Straße Richtung Goldsteig Käsereien fließen und dort die Produktion anheizen.

Es sei ein „historisches Datum“, dass dieser Tage die „erlösende Unterschrift“ vonseiten der Goldsteig gekommen sei, die die Wärmeversorgung aus Biomasse in der Stadt in Gang setze, sagte Stadtwerke-Chef Josef Windmaißer. „Allergrößten Wert legen wir auf die Akzeptanz des Biomasseheizkraftwerks in der Bevölkerung. Wir werden alle Anwohner im Umkreis des Kraftwerks kurzfristig zu einer Informationsfahrt zu ähnlichen Kraftwerken einladen“, so der Geschäftsführer. Auf die Frage, ob sie denn Widerstand vonseiten der Chamer gegen die Pläne erwarte, betonte Bürgermeisterin Karin Bucher, eventuelle Widerstände seien bereits mit eingerechnet. „Man muss jetzt werben für das Thema!“, so Bucher.

Der Platz, der gefunden sei, sei der Beste für solch ein Projekt. Das Kraftwerk sei nur halb so groß wie das damals geplante der Staatsforsten. Es sei effizient und wärmegeführt – lege also den Schwerpunkt nicht auf Stromproduktion, sondern auf Dampflieferung. Zudem sei an den Ausbau eines stadtweiten Wärmenetzes gedacht. Es entstehe kaum zusätzlicher Lärm, da die Anfahrtswege von der Bundesstraße kurz seien und sowieso bereits jeden Tag zahlreiche Milchlaster dort fahren würden. Der Bauplatz sei weit von der Innenstadt weg, hier werde nichts verschandelt. Auch wenn die Bürgerinitiative, die sich gegen ein Kraftwerk an der Altenstadter Straße gegründet hatte und dieses mit zu Fall brachte, nicht in die Planungen eingebunden gewesen sei, habe man Einwände der BI beachtet, sagte Bucher.

Auch an die Wirtschaftlichkeit glauben die Planer, angefangen von Bürgermeisterin Karin Bucher über Stadtwerke-Chef Windmaißer bis zum Chef des Ingenieurbüros Gammel. Die Planungen seien vierfach auf Wirtschaftlichkeit überprüft worden, erläuterte Stadtwerke-Chef Windmaißer. „Wenn wir keinen Gewinn erwarten würden, würden wir das nicht machen“, so Bucher. In Kürze werde man die Baugenehmigung beantragen. „Viele haben uns das nicht zugetraut“, so die Bürgermeisterin im Rückblick. Dennoch habe man es geschafft, ein gangbares Konzept auf die Beine zu stellen und Goldsteig als ersten Kunden dafür zu gewinnen. „Das ist ein riesengroßer Schritt in die Zukunft!“, sagte sie.

Man habe sich vor Ostern für das langfristige Konzept der Stadt entschieden, sagte Andreas Kraus von den Goldsteig Käsereien. Doch sei man nur Kunde und habe bereits bei der Planung des Staatsforsten-Kraftwerks deutlich gemacht, dass man offen für alles sei. Einzig der Preis für den Dampf und die Belieferungsgarantie habe Goldsteig interessiert, um als Firma konkurrenzfähig zu bleiben. Das Ergebnis der Vertragsverhandlungen sei für beide Seiten tragbar. „Wir setzen strategisch auf diese Holzgeschichte“, sagte Kraus. Er hoffe, dass dieses Projekt einen anderen Weg gehe, wie das der Staatsforsten.

Der Bau des 18-Millionen-Projekts wie der Betrieb der Anlage soll eine eigens gegründete GmbH mit privaten Gesellschaftern und den Stadtwerken stemmen. Wer dabei als Investor mitmachen will, wollte gestern noch keiner am Tisch sagen. Zuerst müsse der Stadtrat darüber informiert werden, so Bucher. Auf die direkte Frage, ob er als Stadtrat und Aufsichtsrat dabei sei, wollte sich Josef Rädlinger nicht äußern.

Auch zur Aufteilung, wie viel Anteiel in private Hand gehe, wollte sich die Bürgermeisterin nicht äußern. Um eine europaweite Ausschreibung zu umgehen, muss mindestens die Hälfte der GmbH in Privathände gelegt werden. Es könnten sich Bürger beteiligen, sagte Bucher, doch bei der Betreibergesellschaft müsse die Einlage entsprechend hoch sein. Geplant sei aber dazu noch eine Beteiligungsgesellschaft, bei der alle Bürger am Gewinn profitieren könnten. Das für später geplante Wärmenetz soll von den Stadtwerken in alleiniger Verantwortung organisiert und betrieben werden.

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