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Kommunikation

Cham schaut ins Breitband-Leerrohr

14 Monate nach dem Spatenstich wartet der Landkreis immer noch auf den Start des Tiefbaus für den Ausbau des Breitbandnetzes.
Von Johannes Schiedermeier

Nach dem Spatenstich am 29. Mai 2017 in Arnschwang liegt das Pilotprojekt des flächendeckenden Breitbandausbaus bis in die letzte Einöde im Landkreis Cham auf Eis. Auftragnehmer M-net kann bis heute keinen konkreten Tiefbau-Beginn nennen: Der Landkreis schaut ins Leerrohr. Foto: Jens Büttner/dpa
Nach dem Spatenstich am 29. Mai 2017 in Arnschwang liegt das Pilotprojekt des flächendeckenden Breitbandausbaus bis in die letzte Einöde im Landkreis Cham auf Eis. Auftragnehmer M-net kann bis heute keinen konkreten Tiefbau-Beginn nennen: Der Landkreis schaut ins Leerrohr. Foto: Jens Büttner/dpa

Cham.Mehr als ein Jahr nach dem Spatenstich für den flächendeckenden Breitbandausbau schaut der Landkreis weiter ins Leerrohr. Und zwar ins leere. Am 29. Mai 2017 war Bundesminister Alexander Dobrindt extra nach Arnschwang angereist, um dort eine Schaufel Sand in die Luft zu werfen. Der Tag sollte der Auftakt sein für ein ehrgeiziges Pilotprojekt: Bis 2019 sollten 4000 Kilometer Glasfaserkabel in 1400 Kilometer Tiefbautrasse verlegt werden. Mit dem Anschluss von 6689 Haushalten bis hin zur letzten Einöde wollte sich der Landkreis in die „CHAMpions-League der Gigabite-Gesellschaft“ katapultieren.

Am 29. Mai 2017 kommt Bundesminister Dobrindt nach Arnschwang und spricht dort von einem „historischen Tag“. Bis 2019 sollen in einem ehrgeizigen Pilotprojekt 4000 Kilometer Glasfaser für eine flächendeckende Versorgung im Landkreis Cham verlegt werden in 6689 Haushalte entlang einer Trasse von 1400 Kilometern.
Am 29. Mai 2017 kommt Bundesminister Dobrindt nach Arnschwang und spricht dort von einem „historischen Tag“. Bis 2019 sollen in einem ehrgeizigen Pilotprojekt 4000 Kilometer Glasfaser für eine flächendeckende Versorgung im Landkreis Cham verlegt werden in 6689 Haushalte entlang einer Trasse von 1400 Kilometern.

Nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen dümpelt er derzeit spielfrei in der Kreisliga. Denn offensichtlich hat M-net die Dimensionen des Angebots nicht erkannt. Denn statt der 1400 Kilometer ist jetzt zum Beispiel die Rede von 1400 bis 1800. Die Ereignisse der Reihe nach: Der Landkreis vergab nach Ausschreibung den Auftrag an die M-net, einem Zusammenschluss aus den Stadtwerken München, Augsburg, Erlangen, Fürth sowie dem Allgäuer Überlandwerk. M-net wiederum bediente sich eines Subunternehmers für den Tiefbau.

Nach 3000 Metern Stillstand

Die M-net, Auftragnehmer des Landkreises, bootet Subunternehmer Martin Leybold (GlasNetz Bayern) aus. Man sei mit dessen Leistungen unzufrieden. 1400 Kilometer Tiefbautrasse enden mit einem Baustopp nach 3000 Metern. Das Baulager (Bild) wird aufgelöst, bis heute gibt es keinen Subunternehmer.
Die M-net, Auftragnehmer des Landkreises, bootet Subunternehmer Martin Leybold (GlasNetz Bayern) aus. Man sei mit dessen Leistungen unzufrieden. 1400 Kilometer Tiefbautrasse enden mit einem Baustopp nach 3000 Metern. Das Baulager (Bild) wird aufgelöst, bis heute gibt es keinen Subunternehmer.

Das „Expansions-Management“ der M-net teilte mit Eingangsstempel vom 2. November 2017 der Landkreisverwaltung mit, dass man die GlasNetz Bayern als Subunternehmer beauftragt hatte. 14 Tage später bootete M-net die GlasNetz Bayern aus und stoppte 1400 Kilometer Tiefbau nach 3000 Metern voller Pannen. Seitdem steht alles. M-net kann bis heute keinen neuen Subunternehmer benennen und hat den versprochenen neuen Termin für die Vorlage einer Feinplanung „Mitte 2018“ auch verstreichen lassen.

Eines der Probleme: GlasNetz Bayern Geschäftsführer Martin Leybold beansprucht das Copyright auf die ursprünglichen Pläne und will die auch verkaufen. Leybold zum derzeitigen Stand der Dinge: „In Sachen Cham herrscht völlige Funkstille. Ich habe Angebote unterbreitet, dass M-net die Pläne kaufen kann. Aber die bitten immer nur um Geduld.“

Geduld ist scheinbar derzeit in Sachen Breitbandausbau die gefragteste Tugend: M-net-Pressesprecher Hannes Lindhuber teilte auf Anfrage mit: „Wir befinden uns mit den internen Planungen für die Neukonzeption des Projektes auf der Zielgeraden.“ Man sei mit mehreren möglichen Partnern im Gespräch und werde gerne auf dem Laufenden halten, wenn eine Entscheidung für einen Infrastrukturpartner gefallen sei und der Zeitplan für den Ausbau feststehe.

Am offensichtlichsten werden die Pannen in Schorndorf. Bürgermeister Max Schmaderer war zunächst stolz, erste Gemeinde im Ausbau zu sein. Bis der Subunternehmer des Subunternehmers ihm kreuz und quer die Straßen aufriss. Momentan wird geklärt, ob die verlegten Leerohre nutzbar sind.
Am offensichtlichsten werden die Pannen in Schorndorf. Bürgermeister Max Schmaderer war zunächst stolz, erste Gemeinde im Ausbau zu sein. Bis der Subunternehmer des Subunternehmers ihm kreuz und quer die Straßen aufriss. Momentan wird geklärt, ob die verlegten Leerohre nutzbar sind.

Manche haben die Geduld inzwischen verloren. Zu ihnen gehört Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer. Er hatte M-net mit Klage gedroht, weil in seiner Gemeinde nach dem Baustopp ungesicherte Baustellen über Wochen offen lagen. Letztlich, so der Pressesprecher des Landratsamtes Friedrich Schuhbauer, habe „Landrat Franz Löffler ein Machtwort gesprochen“. Das Ergebnis ist bekannt: Der Bauhof des Landkreises und Auftragnehmer von M-net sicherten die Baustellen auf Kosten von M-net.

Doch in Schorndorf ist laut Schmaderer noch nicht einmal klar, ob Teile der abenteuerlich durch einen rumänischen Subunternehmer des Subunternehmers verlegten Leerrohre überhaupt nutzbar sind. „Derzeit wird geprüft, ob durch manche Kurven überhaupt Glasfaser eingeblasen werden kann“, erzählt Schmaderer entnervt.

Löffler wünscht Baubeginn heuer

Der Landkreis gerät in einen Streit mit amplus. Die Teisnacher fühlen sich bei der Vergabe ausgeschlossen und greifen den Breitbandberater des Landkreises, Siegfried Schollerer, (Bild) an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute. Schollerer kontert mit Vorwürfen gegen amplus. Man habe sich nur gerächt für Mängelanzeigen seinerseits.
Der Landkreis gerät in einen Streit mit amplus. Die Teisnacher fühlen sich bei der Vergabe ausgeschlossen und greifen den Breitbandberater des Landkreises, Siegfried Schollerer, (Bild) an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute. Schollerer kontert mit Vorwürfen gegen amplus. Man habe sich nur gerächt für Mängelanzeigen seinerseits.

Was sagt Landrat Franz Löffler zu all dem? Der Landkreis könne mit der Umsetzung des Projektes, insbesondere mit der Zeitschiene, natürlich nicht zufrieden sein. Das habe man Vertragspartner M-net natürlich auch deutlich mitgeteilt haben. M-net habe offensichtlich die Dimension des Projektes im ländlichen Raum unterschätzt und feststellen müssen, dass die ursprüngliche, im Rahmen der Angebotsphase durch externe Partner erstellte Grobplanung nicht zureichend ist. „Das Ergebnis ist bekannt“, so Löffler.

Jetzt müsse Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen. M-net selber setze die Projektkonzeption neu auf. So spiele die genaue Länge der zu verlegenden Glasfaserleitungen als Folge der jeweiligen Trassenverläufe eine wesentliche Rolle. Braucht man 1800 Kilometer Länge oder nur 1500 Kilometer? Solche Parameter seien im Rahmen der externen Grobplanung in der Angebotsphase unzureichend geklärt worden. Positiv sei, dass die Verantwortlichen nun für die Dringlichkeit sensibilisiert seien. „In Kürze sind weitere Details zu erwarten, so dass der Baubeginn wie geplant im Laufe des verbleibenden Jahres 2018 noch realistisch ist – und zwar nach den üblichen Standards und nach den allgemeingültigen Regeln der Baukunst – also nicht wie im Gemeindebereich Schorndorf erlebt“, sagt der Landrat.

Lesen Sie hier: Der Streit zwischen dem Breitbandberater des Landkreis Cham und amplus eskaliert. Das ruft die Staatsanwaltschaft auf den Plan.

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