MyMz
Anzeige

Bahnverkehr

Chamer Fahrgäste schieben Riesenfrust

Pendler im Landkreis Cham haben mit langen Verspätungen zu kämpfen. Landrat Löffler spricht von Missständen.
Von Thomas Mühlbauer

Die Alex-Züge sind mit großer Verspätung unterwegs. Dadurch muss auf der eingleisigen Strecke nach Cham und Schwandorf die Oberpfalzbahn (unser Foto) meist warten, bis sie durch sind. Foto: Archiv
Die Alex-Züge sind mit großer Verspätung unterwegs. Dadurch muss auf der eingleisigen Strecke nach Cham und Schwandorf die Oberpfalzbahn (unser Foto) meist warten, bis sie durch sind. Foto: Archiv

Cham.Im Landkreis hakt es bei der Bahn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember gewaltig. Pendler ärgern sich über lange Verspätungen. Einer, der seit mehr als zehn Jahren täglich mit der Bahn nach Regensburg in die Arbeit fährt, ist Pösings Bürgermeister Edmund Roider. Er ist einiges gewohnt, doch was er diese Woche erlebt hat, ging selbst ihm zu weit. Fast kein Zug fuhr pünktlich! „Das ist Wahnsinn, es fährt kein Zug in Richtung Cham mit unter einer halben Stunde Verspätung. So eine Situation habe ich noch nie erlebt.“ Prinzipiell gab es nach seinen Erfahrungen bei jedem Fahrplanwechsel im Dezember Schwierigkeiten, doch habe sich die Situation immer wieder eingespielt. Diesmal scheinen die Probleme tiefgründiger zu liegen, vermutet er.

Anfangs herrschte Freude

Verärgerter Bahn-Pendler: Pösings Bürgermeister Edmund Roider Foto: Archiv
Verärgerter Bahn-Pendler: Pösings Bürgermeister Edmund Roider Foto: Archiv

Noch vor kurzem war die Freude erst einmal groß, denn seit dem Fahrplanwechsel durchqueren sieben ALEX-Züge von Prag aus den Landkreis in Richtung der Ballungsgebiete und umgekehrt genauso. Drei mehr als vor dem Fahrplanwechsel! Das Problem an der Sache stellte sich jedoch nach einer Woche so heraus: Die Züge sind mit großer Verspätung unterwegs. Dadurch muss auf der eingleisigen Strecke nach Cham und Schwandorf die Oberpfalzbahn meist warten, bis die Alex-Züge durch sind.

Viele Pendler haben sich beim Landratsamt beschwert. „Der Landkreis hat das neue Betriebskonzept für den Alex grundsätzlich positiv bewertet, zumal es uns München, Regensburg und Prag näherbringt“, sagt Sprecher Friedrich Schuhbauer. Offensichtlich träten aber massive Probleme auf. Die Auswirkungen auf die verlässliche Oberpfalzbahn seien unübersehbar und machten sich selbst in der Schülerbeförderung bemerkbar. ÖPNV-Mitarbeiter Thomas Ederer sei selber am Bahnhof in Cham gewesen. Er habe viele frustrierte Fahrgäste angetroffen.

„Der Landkreis hat hier nur eine beratende und informierende Funktion.“

Friedrich Schuhbauer

Allerdings stellt Schuhbauer klar: „Der Landkreis hat hier nur eine beratende und informierende Funktion. Zuständig sind die BEG – Bayerische Eisenbahngesellschaft und die Länderbahn.“ Die BEG sei für die Finanzierung, Planung und Sicherstellung des Schienenpersonennahverkehrs das vom Freistaat betraute Organ. Mit der Erbringung der Verkehrsleistung sowohl der Oberpfalzbahn als auch des Alex sei die Länderbahn beauftragt.

Dennoch will Landrat Franz Löffler die Situation nicht hinnehmen. „Ich fordere, dass die Missstände unverzüglich abgestellt werden. Es macht den Anschein, dass bei der Fahrplangestaltung keine Profis am Werk waren. Wenn wir weiter auf die Schiene verlagern wollen, müssen Fahrpläne auch funktionieren – und zwar vom Start weg. Nur dann gewinnen wir Fahrgäste für den ÖPNV.“ Der Landkreis habe sich bereits an die Verantwortlichen bei der BEG und der Länderbahn gewandt und Abhilfe eingefordert.

Liegt hier der Knackpunkt?

„Wir haben am Freitag noch einmal versucht, weitere Maßnahmen zu starten“, sagt Christine Hecht von der Pressestelle der Länderbahn. Seit 10. Dezember werden nach ihren Angaben fast alle Alex-Züge im Abschnitt Prag, Pilsen und Furth in Schwandorf mit den Zügen aus Hof vereinigt. Die Wagen aus Richtung Prag werden an die Züge aus Hof angehängt, „sofern der Zugteil aus Tschechien pünktlich ist“. Gerade das aber, meinen Bahnfahrer, scheine der Knackpunkt zu sein und den Bahnhof im Nachbarlandkreis an die Kapazitätsgrenzen zu bringen.

„Ich fordere, dass die Missstände unverzüglich abgestellt werden.“

Franz Löffler

Durch den Umstand, dass im Teilnetz Cham neuerdings sieben Alex-Zugpaare verkehren, ist das Verkehrsaufkommen laut Hecht gestiegen. Verspätungen von bis zu fünf Minuten könnten aber relativ gut kompensiert werden und beeinflussten die Pünktlichkeit der Oberpfalzbahn wenig. Leider sei aber ein zusätzlicher Faktor aufgetreten, der die Pünktlichkeit der Züge stark beeinflusse und wenig mit der Fahrplanänderung zu tun habe.

Der Faktor Winter-Wetter

Ein gewohntes Bild, das die Fahrgäste, die in den Landkreis Cham wollen, derzeit am Bahnhof in Schwandorf vorfinden. Foto: Edmund Roider
Ein gewohntes Bild, das die Fahrgäste, die in den Landkreis Cham wollen, derzeit am Bahnhof in Schwandorf vorfinden. Foto: Edmund Roider

Aufgrund der Witterung sei die Infrastruktur im Bereich Cham-Schwandorf und zwischen Pilsen und Domažlice beschädigt, so dass die Züge verschiedene Abschnitte nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren könnten. Hecht: „Wir warten auf Informationen des Infrastrukturbetreibers DB Netz AG, bis wann die Langsamfahrstellen behoben sind.“ Für den Fall der Fälle stellt sie bereits Baustellenfahrpläne und Busse in Aussicht.

Ab Montag sollen nach ihrer Darstellung die Kapazitäten aufgestockt werden – sowohl bei den Rangierern als auch in der Betriebsleitzentrale. Hecht: „Wir haben eine Zusatzlok nach Pilsen gebracht, um bei Verspätungen auf tschechischer Seite besser reagieren zu können, und wir starten den Versuch, die Oberpfalzbahn vorrangig vor dem Alex im Chamer Netz fahren zu lassen, so dass wir es damit wieder schaffen, die Pendler und Schüler pünktlich an ihr Ziel zu bringen.“

Für Edmund Roider jedenfalls liegt hier eine entscheidende Ursache. „Es fehlt schlicht und einfach am Personal“, sagt er. Die Länderbahn müsse hier ihre Probleme in den Griff bekommen. „Ansonsten werden wohl viele ab Januar aufs Auto umsteigen.“ Der Verkehrskollaps, gerade für Regensburg, wäre vorprogrammiert...

Weitere Themen aus der Region lesen Sie hier

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Fast den ganzen Tag ein 30-Minuten-Takt

  • Wechsel:

    Den Lokwechsel beim ALEX in Schwandorf gab es laut Christine Hecht von der Pressestelle der Länderbahn auch im alten Konzept, da sich dort die Fahrtrichtung des Zuges ändert. Sollten die Züge aus Richtung Prag mit hoher Verspätung eintreffen, werden Ersatzwagen aus Schwandorfer Werk zugeführt.

  • Umsteigen:

    Als Ergebnis enden die verspäteten Alex-Züge aus dem Chamer Netz in Schwandorf, Fahrgäste müssen für die Reise nach Regensburg und München umsteigen. In Richtung Regensburg ist mit der Oberpfalzbahn und den RE-Verbindungen fast den ganzen Tag über ein 30-Minuten-Takt eingerichtet. (rtn)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht