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Region Cham
Dienstag, 25. September 2018 13° 1

Freizeit

Chamer Freibad reduziert Öffnungszeiten

Schon wieder sorgen Ausfälle bei Bademeistern in Cham für eingeschränkten Badespaß. Diesmal trifft es das Freibad.
Von Christoph Klöckner

Wer Wasserspiele will, muss diese Woche nachmittags ins Freibad Cham kommen. Foto: Archiv/si
Wer Wasserspiele will, muss diese Woche nachmittags ins Freibad Cham kommen. Foto: Archiv/si

Cham.Da kommt schon etwas zusammen, am Beckenrand. Sage und schreibe 77 Stunden pro Woche hat das Chamer Freibad normalerweise geöffnet. Und zwar jeden Tag elf Stunden. Da staunt der Badbesucher. Doch ein paar dürre Worte aus dem Rathaus haben das jetzt geändert – und mancher Montagmorgen-Schwimmer hat es schon zu spüren bekommen: „Wegen eines unfallbedingten Personalausfalles ist das Freizeitbad Cham vorerst von Montag, 25.6., bis einschließlich Freitag, 29.6., nur in der Zeit von 13 bis 19 Uhr geöffnet (Kassenschluss 18 Uhr). Die Stadtverwaltung Cham dankt für das Verständnis.“

Aus 55 Stunden für fünf Tage werden somit nur 30 Stunden. Wer in Cham Schwimmen gehen will, muss sich also auf den Nachmittag beschränken. Doch Chams Schwimmbegeisterte kennen das schon: Um die Jahreswende war das Hallenbad über die Weihnachtsferien komplett geschlossen. Der Grund ist heute wie damals der gleiche: Es fehlt an Fachpersonal, um krankheitsbedingte Ausfälle kompensieren zu können.

Neuer Schwimmmeister kommt

Allein: Freibad-Betriebsleiter Vogt kann keine 77-Stunden-Woche schaffen. Foto: Archiv/ef
Allein: Freibad-Betriebsleiter Vogt kann keine 77-Stunden-Woche schaffen. Foto: Archiv/ef

Im Winter waren alle drei, damals bei der Stadt angestellten, Schwimmmeister wegen Krankheit zu Hause geblieben. Die Stadt hatte keine andere Wahl, als das Hallenbad zuzusperren. Jetzt habe sich Schwimmmeister Eike Thiele bei einem Heimunfall verletzt und falle diese Woche aus, erklärte Verwaltungschefin Sigrid Stebe-Hoffmann auf Nachfrage. Sein Kollege Schwimmmeister und Freibad-Betriebsleiter Andreas Vogt könne nicht die gesamte Zeit – die 77 Stunden – für Aufsicht und Betreuung des Bades übernehmen, so die Verwaltungs-Chefin. Deshalb müsse die Öffnungszeit verkürzt werden.

Die Personaldecke für die 77-Stunde-Woche ist einfach zu dünn. Dennoch hätten die beiden Schwimmmeister bereits die vergangenen zwei Jahre diese Zeiten abgedeckt, so Sigrid Stebe-Hoffmann zum Engagement der Mitarbeiter, nachdem der dritte im Bunde langfristig ausgefallen war. Sie geht davon aus, dass der jetzt verunglückte Mitarbeiter nächste Woche wieder soweit fit ist, dass er zurückkehren kann. Wenn er dann den Fuß hochlege, sei das ok, da er ja noch Unterstützung habe.

Öffnungszeiten: Diese Woche ist das Bad von nur von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Foto: Archiv/ck
Öffnungszeiten: Diese Woche ist das Bad von nur von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Foto: Archiv/ck

Zwei Dinge lassen die Stadt bei ihren Bad-Problemen jedoch optimistisch in die Zukunft schauen. Zum einen gibt es zwei Auszubildende auf dem Weg zum Schwimmmeister. Die hätten gerade ihr erstes Lehrjahr absolviert, so Sigrid Stebe-Hoffmann. Damit könnten sie durchaus am Beckenrand stehen und auf die Schwimmer und die Nichtschwimmer im Wasser aufpassen. Für die Betreuung der Gesamtanlage, vor allem des chemischen Teils der Wasseraufbereitung und Reinigung ist es aber zu früh – diese Verantwortung dürfen sie erst später übernehmen. Zum anderen ist es der Stadt gelungen, doch noch einen dritten Schwimmmeister zu finden. Ab 1. August – passend zur Ferienzeit – gebe es einen dritten „Fachangestellten für Bäderbetriebe“, wie die Berufsbezeichnung offiziell lautet. Damit war die monatelange, bundesweite Suche nach einem Ersatz für den dritten Schwimmmeister doch noch erfolgreich.

Mangelware Schwimmmeister

Die Stadt hatte laut Bürgermeisterin Karin Bucher, die damals bei den Hallenbadproblemen um den Jahreswechsel dazu Stellung nahm, bereits mehrfach über das vergangene Jahr versucht, neue Schwimmmeister über Stellenanzeigen einzustellen. Doch gebe es einfach kein Personal dafür.

Der Markt sei leer gefegt, fast jedes Bad suche Fachpersonal, beschriebt sie: „Schwimmmeister sind Mangelware!“ Dass damals im Dezember gleich alle drei Schwimmmeister der Stadt Cham erkrankt waren, war nicht vorhersehbar gewesen. Die Verwaltung hatte übers Jahr neues Personal gesucht, weil einer der Leiter des Badbereichs „langzeiterkrankt“ gewesen sei, so Bucher.

Entspannung: Ab August kommt ein dritter Schwimmmeister zum Duo dazu. Foto: Archiv/Freibad Cham
Entspannung: Ab August kommt ein dritter Schwimmmeister zum Duo dazu. Foto: Archiv/Freibad Cham

Langfristig sah sie eine eher entspannte Lage, da die Stadt zumindest zwei Auszubildende – eine Frau und einen Mann– für den Beruf des Schwimmmeisters gefunden habe. Die hätten bereits die Befugnis, am Beckenrand zu stehen, doch dürften sie nicht die Technik bedienen oder die Qualität des Wassers beproben vornehmen. Lasse die Stadt das zu, mache sie sich strafbar, so Karin Bucher im Dezember. Schließlich gehe es hier vor allem um die Arbeit mit Chlor – und das sei ein Giftgas. Es brauche deshalb etwas Geduld, bis die drei Jahre Lehrzeit und die Krankheiten der anderen vorbei seien.

„Zum 1. August kommt ein neuer Schwimmmeister nach Cham.“

Sigrid Stebe-Hoffmann, Verwaltungsleiterin der Stadt Cham

Sie führte den Bademeistermangel auch auf die gute Konjunktur und auf das Berufsbild an sich zurück, das für viele wohl wenig attraktiv sei. Vergleichbar sei das mit Berufen wie Koch, Bäcker oder Jobs in der Gastronomie. Die Arbeitszeiten seien hier extrem ungünstig, oft auch unregelmäßig. Dazu könnten Schwimmmeister nie im Sommer Urlaub machen. Dass die Stadt dennoch jetzt ab 1. August einen Ersatz gefunden hat, dürfte ein Glücksfall sein. Nach so viel Pech rund ums Bad, war das auch dringend nötig.

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