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Radiomuseum

Chamer Technik für München

MINT-Radio begeistert: Der Generaldirektor des Deutschen Museums kauft 100 Bausätze für die Experimentierwerkstatt.

Tilman Betz und Hans Schweiger bei der Sendermontage für das Deutsche Museum Foto: Michael Heller
Tilman Betz und Hans Schweiger bei der Sendermontage für das Deutsche Museum Foto: Michael Heller

Cham.„Sagen Sie Mal, Herr Heller, warum geht ihr Radio, das bei mir auf dem Schreibtisch steht, besser als mein japanisches High-Tech-Teil für knapp 1000 Euro?“ Dann dreht er das „Chamer“ Radio auf: „Hören Sie, das ist Radio Eule, unser neuer Mittelwellensender auf dem Turm. Einwandfreier Empfang! Mit dem Japaner ist der Empfang ganz schwach …“

Michael Heller erklärt Professor Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, dann am Telefon, dass das sicher nur eine Antennenfrage sei, und dass unsere Ferritantenne mit dem „men made noise“ in den Museumsräumen wohl besser klar kommt. Er versprach, eine passende Ferritantenne für das japanische Gerät konstruierten zu lassen, die er ihm beim demnächst anstehenden Besuch mitbringen will. Für die Chamer Spezialisten kein Problem.

Das ist der „Ritterschlag“

Professor Heckl ist von Design und Leistungsfähigkeit des Chamer Radio-Bausatzes so begeistert, dass er das in der Experimentierwerkstatt des Deutschen Museums einsetzen will. Nachdem man sich auf den Preis verständigt hat, bestellt er noch am Telefon 100 Stück zur schnellstmöglichen Lieferung. Für das Entwicklerteam des Chamer Rundfunkmuseums ist das der „Ritterschlag“, der endgültig zeigt, dass sich die Arbeit von einigen hundert Stunden der besten Köpfe aus dem Förderverein bezahlt gemacht hat. Im Laufe dieses Jahres haben bereits 110 Schüler den Bausatz unter Anleitung von Tutoren des Rundfunkmuseums erfolgreich zu einem funktionierenden Radio zusammengebaut.

Der Nautel-Sender aus Ismaning im Foyer des Chamer Rundfunkmuseums
Der Nautel-Sender aus Ismaning im Foyer des Chamer Rundfunkmuseums

Beteiligt waren die 7. Jahrgangsstufen des Schuman-Gymnasiums und des Fraunhofer-Gymnasiums – bei letzterem auch der Club der jungen Erfinder – und die 12. Jahrgangsstufe der staatlichen Berufsschule. Die jetzt noch fehlenden Bauteile für 100 Geräte und die speziellen Frontplatten für das Deutsche Museum sind mittlerweile bestellt. Danach folgt die Konfektionierung, die unter der Regie des Fördervereinsvorsitzenden Jürgen Kögler vonstatten geht.

Eine halbe Stunde lang haben Professor Heckl und Michael Heller zusammen telefoniert, und dabei ging es neben dem Radiobausatz vor allem auch um „Radio Eule“, den neuen Mittelwellensender des Deutschen Museums. Die „Eule“ ist dem Logo entnommen. Dieser Sender auf der Frequenz 1.500 kHz strahlt seit einem knappen Monat vom Turm des Deutschen Museums und soll nach endgültiger Fertigstellung den Großraum München versorgen. Die Chamer mit ihrem Nautel-Sender vom Bayerischen Rundfunk auf der Originalfrequenz 801 kHz waren hier das Vorbild. Michael Heller hat auch beim Genehmigungsverfahren Schützenhilfe geleistet.

Nun kann man einen Mittelwellensender nicht einfach so kaufen, den muss man selbst konstruieren. Das Deutsche Museum hat fähige Leute, die einen provisorischen Sender in Gang setzen konnten. Schnell zeigten sich aber Schwächen und Mängel und man beschloss, auf eine Profi-Lösung zu setzen.

Und hier kam das Chamer Rundfunkmuseum ins Spiel. Dipl.-Ing. Christoph Heiner vom Europäischen Patentamt, Berater von Prof. Heckl und Mitglied im Förderverein des Chamer Rundfunkmuseums, wusste um die Erfahrung und die Professionalität der Chamer. Er wusste auch, dass das Museum über eine große Menge von Endstufenmodulen des ehemaligen Ismaninger Senders im Depot hat. Fehlte nur noch die Peripherie zur Ansteuerung und Modulation. Diese musste erst entwickelt und konstruiert werden – wahrlich keine einfache Aufgabe. Doch hier zeigte sich wieder einmal, was rüstige Senioren (laut Professor Heckl das Beste, was Deutschland hat) zu leisten imstande sind.

Ein achtköpfiges Team mit dem „Spiritus Rektor“ Tilman Betz, mit Hans Schweiger, Günter Bauer, Adi Donat, Alfons Ippisch, Max Schneider, Jürgen Kögler und Michael Heller erstellte in mehreren Arbeitssitzungen ein Konzept, das vor allem auf den Schaltungsentwürfen von Tilman Betz aufgebaut wurde. Innerhalb von zwei Wochen wurde bereits mit dem Probeaufbau begonnen, hier stand an vorderster Stelle für alle mechanischen Arbeiten Hans Schweiger. Am letzten Samstag wurde dann beim Stammtisch der funktionierende Prototyp den staunenden 60 anwesenden Mitgliedern vorgeführt. Günter Bauer entwickelte jetzt noch in etwa 20 Arbeitsstunden ein professionelles Platinenlayout. Die Platinen selbst werden in China gefertigt und sollen in zwei Wochen eintreffen. Danach geht es in den Probebetrieb und dann auf ins Deutsche Museum.

Chamer Mittelwellensender

  • Programm

    Ab nächster Woche wird vom Chamer Mittelwellensender auf 801 kHz täglich von 14 bis 20 Uhr ein Programm mit Musik und Informationen zum Museum ausgestrahlt.

  • Konzert

    Letzten Freitag, Samstag und Sonntag wurde die Aufzeichnung eines Ehemaligenkonzerts aus dem Fraunhofer-Gymnasium übertragen, das auf Wunsch auch wiederholt wird.

Professor Heckl und Michael Heller kamen überein, dass das Chamer Team den Sender selbst vor Ort einrichtet und an die Antenne anpasst. Dazu ist spezielles Equipment nötig und viel Erfahrung. Es soll ja ein richtiges Vorzeigeobjekt werden. Alle freuen sich schon auf den Ausflug nach München und den einmaligen Blick vom 60 Meter hohen Turm, in dessen oberstem Raum der Sender Platz findet. 360 Stufen (ohne Aufzug) sind zu überwinden und etwa 25 Kilo Sender und Zubehör zu transportieren.

Während in Cham nur eine Antenne mit zehn Metern Länge möglich ist, können die Münchner vom Turm aus schräg nach unten fast 100 m Draht spannen, was der (idealen) halben Wellenlänge ihrer Sendefrequenz von 1500 kHz entspricht. Dabei ergibt sich ein wesentlich besserer Wirkungsgrad als bei der Chamer Antenne. Die zugeführte Leistung muss bei gleicher Abstrahlleistung nur etwa fünf Prozent der Chamer Leistung betragen. Die Reichweite der Sender ist in etwa gleich.

Am Chamer Vorbild orientiert

Nach der Abschaltung des letzten kommerziellen Mittelwellensenders in Deutschland, der jetzt im Chamer Rundfunkmuseum steht, gab es Bemühungen von engagierten Stellen, wenigstens kleinere Sender zu schaffen, wo doch rings um uns herum in den Nachbarländern immer noch große Stationen in Betrieb sind und sogar neu entstehen. So entstand nach Cham der Sender im Deutschen Museum und aktuell auch am Fraunhofer-Institut in Erlangen. Federführend dafür sind Professor Heuberger und Dr. Ralph Oppelt – ebenfalls Mitglied im Chamer Förderverein für das Rundfunkmuseum. Er hat sich auch wesentlich am Chamer Vorbild orientiert. Auch im Radiomuseum Wertingen ist ein kleiner Sender in Betrieb.

Professor Heckl und Michael Heller kamen überein, sich bei der Landesmedienanstalt für eine Lockerung des Rundfunkrechts und die in Aussicht gestellte Sparte „Bagatellrundfunk“ einsetzen, die eine wesentliche Erleichterung bei der Zulassung für den Sendebetrieb bringen soll. In Cham ist man jedenfalls gerüstet, Sendebausätze in Kleinserie zu produzieren und zu liefern. Eine absolute Marktlücke und ein eindrucksvoller Beweis für die Technikkompetenz des Teams vom Chamer Rundfunkmuseum.

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