MyMz
Anzeige

Sicherheit

Chams Jobcenter bekommen Security

Ab April sollen in Cham und Bad Kötzting Sicherheitsleute über die Flure patrouillieren, um Übergriffe zu verhindern.
Von Christoph Klöckner

Die Chamer Jobcenter bekommen Security. Die soll jedoch nicht martialisch, sondern eher dezent auftreten. Foto: Marijan Murat/dpa
Die Chamer Jobcenter bekommen Security. Die soll jedoch nicht martialisch, sondern eher dezent auftreten. Foto: Marijan Murat/dpa

Cham.Es gab sie schon, die Toten in den Jobcentern. 2011 etwa erschoss eine Polizistin in Frankfurt im Gerangel eine andere Frau, bei einer Messerattacke im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber kam 2014 ein Gutachter ums Leben. Verbale und manchmal auch körperliche Gewalt kennen auch die Mitarbeiter des Jobcenters im Landkreis Cham, denn kaum einer ihrer Kunden kommt freudestrahlend und freiwillig dorthin.

Um darauf künftig noch besser vorbereitet zu sein und präventiv ein Gefühl der Sicherheit für die Beschäftigten und auch die Kunden zu vermitteln, will der Geschäftsführer des Chamer Jobcenters, Josef Beer, ab April zu den üblichen Öffnungszeiten in Cham und in der Filiale in Bad Kötzting Sicherheitspersonal über die Flure patrouillieren lassen.

Eine Umfrage als Grundlage

Das sagte er jetzt auf Nachfrage unseres Medienhauses. Derzeit werde die Ausschreibung für die Auftragsvergabe an einen professionellen Sicherheitsdienst vorbereitet. Einen direkten Anlass für den Einsatz von Security im Jobcenter gebe es nicht, betonte er. Die Bedrohungen, Beschimpfungen oder sonstige Attacken auf seine Mitarbeiter seien 2018 nicht angewachsen, ebenso wenig die Hausfriedensbrüche, die er zur Anzeige bringe und denen ein Hausverbot folge. Etwa alle sechs bis sieben Wochen werde ein solches Hausverbot gegen Personen verhängt.

Doch hier im Sinne der Mitarbeiter präventiv zu handeln und alles zu tun, um Sicherheit zu gewährleisten, sei eine gute Investition. Hintergrund der Anstellung von je einem Sicherheitsmann pro Jobcenter, die sich vormittags von 8 bis 12 Uhr in den Räumlichkeiten aufhalten, sei eine von ihm vorgenommene Umfrage bei den Jobcentern in der Nachbarschaft.

Sicherheit

  • Null Toleranz

    In den Jobcentern im Landkreis gilt das Prinzip Null Toleranz bei Gewalt. Kunden drohen hier bei Ausrastern Strafanzeigen und Hausverbote.

  • Wehrhaft

    Die Mitarbeiter bekommen Selbstverteidigungskurse wie auch Sensibilisierungen für den Ernstfall. Dazu gibt es Tränengas-Sprüher für alle Beschäftigten, Videoüberwachung und zwei Alarmsysteme. (ck)

Dabei habe sich ergeben, dass von den neun Jobcentern in der Oberpfalz und den neun in Niederbayern 15 bereits einen Sicherheitsdienst hätten und nur drei keinen – wobei davon zwei auch in entsprechenden Planungen seien. „Auch dort gab und gibt es nicht mehr Gewalt als bei uns!“, sagte er. Zudem hätten sich 95 Prozent der Mitarbeiter für eine Security ausgesprochen, „vor allem auch alle Kolleginnen in Bad Kötzting befürworten einen Sicherheitsdienst.“ Und auch der Personalrat habe dafür gestimmt. Deshalb habe er sich entschlossen, hier Geld in die Sicherheit zu investieren. Denn die Mittel für solch eine Security gibt es nicht zusätzlich, sie müssen aus dem Verwaltungsetat des Jobcenters aufgebracht werden.

„Es werden keine Sheriffs“

Wobei hier nicht an martialisch-umhermarschierende Sheriffs gedacht sei, so Beer, sondern unbewaffnetes Sicherheitspersonal mit einem Aufnäher, der auf die Funktion hinweist. Die könnten auch als Ansprechpartner für Fragen der Kunden da sein, sagte Beer. Das Sicherheitspersonal müsse brenzlige Situationen erkennen und entschärfen und je nach Bedarfsfall entscheiden können, was zu tun sei, um den Mitarbeitern zur Seite zu stehen.

Soziales

Jobcenter verhängt öfter Hausverbote

Chams Jobcenter registriert immer mehr Beleidigungen und Bedrohungen. Die Mitarbeiter seien nervlich am Limit, beklagen sie.

Es sei auch nicht an Taschenkontrollen oder eine Schleuse gedacht, wie es sie etwa im Amtsgericht in Cham aus Sicherheitsgründen gebe. Er wolle jetzt noch Informationen bei den Kollegen einholen, wer mit welchem Dienst gute Erfahrungen gemacht habe. Dann würden die zeitlich befristeten Stellen ausgeschrieben. Er wies darauf hin, dass dies nicht die einzige Präventionsmaßnahme in seinem Hause sei, um auf alles vorbereitet zu sein. So habe man vor zwei Jahren in Sicherheitstüren in den Büros investiert. Das sind Türen, die den Mitarbeitern im Ernstfall eine schnelle Flucht ins Nachbarbüro erlauben.

Etwa, wenn ein Kunde aus Verärgerung über den Schreibtisch greift und den Jobcenter-Berater am Kragen packen will. Das habe es schon gegeben, erzählte Beer. Durch Ummöblierung der Büros lägen die Fluchttüren jetzt immer im Rücken der Mitarbeiter, so dass das Wegrennen zum Nachbarn möglich sei. Ebenso investiere man in Selbstverteidigungskurse für die Beschäftigten und probe Hausalarm-Lagen für den Ernstfall.

Mit dem „Clean-desk-Prinzip“

Für die Schreibtische in den Büros gelte das Prinzip „clean desk“. Dabei sollen keine Sachen wie Flaschen oder Locher auf dem Schreibtisch stehen, um eventuell als Wurfgeschoss missbraucht werden zu können. Ebenso gebe es eine Videoüberwachung mit entsprechender Aufzeichnung, um vorbereitet zu sein. „Wir als Behörde müssen die Sicherheit der Mitarbeiter sicherstellen“, so Beer. Wobei es eine hundertprozentige Sicherheit nicht geben könne. Einmal etwa, in der Anfangszeit des Jobcenters 2006/2007, habe ein erboster Kunde einen Berater auf dem Heimweg aufgelauert und ihm eine Ohrfeige verpasst. Ansonsten kämpfe man mit den üblichen Dingen des Alltags in einem Jobcenter, wie etwa Beschimpfungen oder Drohungen.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht