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Politik

Chams ÖDP lehnt „Fassadismus“ ab

Die Partei will mehr Denkmalschutz in den Stadtrat bringen und kündigt für die alte Brauerei einen alternativen Entwurf an.

ÖPD-Listenführer Florian Gruber sagt, er wolle nicht als Bewahrer von Ruinen einer zukunftsfähigen Entwicklung im Wege stehen. Er wolle deshalb bis Mitte Februar einen alternativen Entwurf für das „Chamer Stadtschloss“ am Meranweg vorlegen.  Foto: Scheingraber / ödp
ÖPD-Listenführer Florian Gruber sagt, er wolle nicht als Bewahrer von Ruinen einer zukunftsfähigen Entwicklung im Wege stehen. Er wolle deshalb bis Mitte Februar einen alternativen Entwurf für das „Chamer Stadtschloss“ am Meranweg vorlegen. Foto: Scheingraber / ödp

Cham.Cham ÖPD-Listenführer Florian Gruber will „nicht als Bewahrer von Ruinen einer zukunftsfähigen Entwicklung im Wege stehen“. Er kündigte deshalb für Mitte Februar an, selbst einen alternativen Entwurf zum Projekt „alte Brauerei am Meranweg“ vorzulegen und zur Diskussion zu stellen.

Mit Spitzenkandidat Gruber waren zwar der Denkmalschutz und die Baupolitik, neben Umwelt, Arten- und Naturschutz und Wohnen im Alter, als ÖDP-Themen für den Stadtratswahlkampf gesetzt. Als aber am vergangenen Freitagabend im Landratsamt die Machbarkeitsstudie für die alte Brauerei am Meranweg vorgestellt und eine Visualisierung veröffentlicht wurde, drängte sich das Thema „Chamer Stadtschloss“ beim Wahlkampfauftakt in den Vordergrund.

Zunächst kritisierte ÖDP-Kreisvorsitzender Dr. Stefan Scheingraber die Ende der 90er-Jahre von der CSU eingeführte und von ihm so bezeichnete „Schikane“ für neue Listen. Weil die ÖDP nicht im Landtag vertreten sei oder bei einer Wahl bisher die Fünf-Prozent-Hürde geknackt habe, müsse sie sich mehr als alle anderen anstrengen, indem sie für die neu antretende Stadtliste 180 Unterstützungsunterschriften von Chamern im Rathaus nachzuweisen habe.

Machbarkeitsstudie

Der Chamer Weg zwischen Ruin und Ruine

Das Architekturbüro Brückner & Brückner traf mit einem Entwurf für die ehemalige Weißbierbrauerei den Nerv aller Beteiligten.

Der Kommunalwahlkampf sei zwar aufgrund der Dreifachbelastung für ihn als „Notarzt, Parteichef und Parteisekretär“ sehr anstrengend, mache irgendwo aber auch zufrieden, wenn man merkt, wie viele mithelfen. „Ich sehe auch jetzt erst so richtig, auf welche große fachliche Kompetenz ich mit unseren Spitzenkandidaten wie dem Bauingenieur und Landratskandidaten Sönke Siebold sowie dem historischen Bauforscher Florian Gruber zurückgreifen kann“, zeigte sich Scheingraber verblüfft wie erfreut.

Treffen zum „Talk am Biertor“

Denn es sei für ihn als „Laien“ nicht so einfach zu entscheiden, ob es stimmt, was Landrat Löffler sagt, nämlich, dass der Entwurf exzellent Denkmalschutz und moderne Wohnraumplanung verbinden würde, oder ob die Rede von der nun „erhaltenen Stadtmauer“ unter der Rubrik „Fakenews“ verbucht werden muss. Darüber hinaus habe Siebold als Bauingenieur Zweifel angemeldet, ob überhaupt die Fassade mit den Hohlfenstern technisch realisiert werden könne. Scheingraber lud deshalb im Anschluss an die Wahlkampfversammlung Gruber und Siebold zum „Talk am Biertor“ ein und moderierte mit den beiden ein Expertengespräch, das auf dem Youtube-Kanal der Chamer ÖPD veröffentlicht wurde.

Hintergrund

  • Projekt:

    Auf dem Areal der ehemaligen Weißbierbrauerei am Meranweg kann laut Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Brückner&Brückner eine moderne Wohn- und Gewerbenutzung verwirklicht werden.

  • Machbarkeitsstudie:

    Diese wurde von der Eigentümerfamilie mit Unterstützung des Landratsamtes und des Landesamtes für Denkmalpflege in Auftrag gegeben.

Mit Florian Gruber, der einen akademischen Abschluss in historischer Bauforschung hat, habe die ÖDP nicht nur einen sachverständigen Experten der Chamer Stadtgeschichte, sondern auch leidenschaftlichen Kämpfer für den Erhalt der in der Altstadt noch vorhandenen historischen Bausubstanz.

Denkmalschutz

Neuer Streit um Chams „Stadtschloss“

Landratsamt und Denkmalpfleger haben noch keine Basis gefunden, ob und wie bei der alten Weißbierbrauerei gebaut werden darf.

Gruber kritisierte, dass der Stadtrat seinerzeit einstimmig (13:0) genau den nun in der aktuellen Studie als schützenswert eingestuften Bau einfach abreißen wollte. Dagegen erzählten die alte Brauerei und das Stadtschloss Jahrhunderte alte Geschichte hinter der heute sichtbaren Fassade, die weder mit einer Gedenktafel noch mit einer angeblichen „Stadtmauer“ eine Zukunft hätte. An dem von dem Architekturbüro Brückner&Brückner erarbeiteten Entwurf sei nicht viel mehr dran als „reine Fassade“.

Aus Altem gutes Neues machen

Auch wenn der vorgestellte Entwurf gefällig aussehe, würde dabei das zerstört, was es zu erhalten gelte. Es sei so, wie wenn man einem Menschen zwei Arme und ein Bein abschneide und sich darüber freue, dass ja noch ein Bein da sei. Für ein derartiges Vorgehen fand Gruber das Wort „Fassadismus“. Dass man mit alter Bausubstanz der Chamer Stadtgeschichte auch verantwortungsvoll umgehen könne, zeige das Beispiel der neuen Realschule Cham eindrücklich auf.

Kommune

Stadtschloss: Heimatpfleger für Abriss

Der Kreisheimatpfleger befürwortet einen Neubau anstelle der ehemaligen Weißbierbrauerei in Cham. Der muss jedoch passen.

Er wolle eine Stadtpolitik betreiben, die nicht Altes mit Stumpf und Stil ausreiße, sondern er wolle aus dem „Alten etwas wirklich gutes Neues“ machen, ohne aber die Eigentümer mit den Kosten im Regen stehen zu lassen. Maßvolle Stadtentwicklung bedeute nicht „Fassadismus“, wo außer einer falschen Fassade vom Kern nichts mehr bleibt, sondern, nachhaltige Lösungen zu suchen, so dass Nutzung in der Gegenwart zügig und sinnvoll möglich ist, aber die Geschichte für die Zukunft nicht ausgelöscht wird.

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