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Markt

Chams Sparkasse kündigt Sparverträge

Das Kreditinstitut beendet nach dem Vorbild anderer Banken „vorerst“ etwa 2000 Abschlüsse, wie Franz Wittmann bestätigt.

So manche Sparkasse wählt aktuell drastische Schritte, um ihre „Ertragslage zu balancieren“. Foto: altrofoto.de
So manche Sparkasse wählt aktuell drastische Schritte, um ihre „Ertragslage zu balancieren“. Foto: altrofoto.de

Cham.Nach der Sparkasse in München und der Sparkasse im Nachbarlandkreis Schwandorf reagiert auch das Chamer Kreditinstitut auf die extreme Niedrigzinsphase. Sie wird nach dem Vorbild anderer Banken, die den Schritt „zur Balancierung der Ertragslage“ gegangen waren, Prämiensparverträge nach Erreichen des höchsten Prämiensatzes beenden.

Das hat Vorstandsvorsitzender Franz Wittmann am Freitag auf Anfrage unseres Medienhauses bestätigt. Betroffen sind nach seinen Angaben „vorerst“ rund 2000 Abschlüsse. Wittmann in einer schriftlichen Antwort an die MZ: „Die Sparkasse im Landkreis Cham wird diese Verträge ab 20 Jahren Laufzeit, bei der die höchste Prämienstufe erreicht wurde – wie das BGH-Urteil bestätigt hat –, mit Wirksamkeit Februar/März 2020 kündigen.“

In der Niedrigzinsphase seien solche Prämiensparverträge, „die aus einer Zeit mit einer komplett anderen Marktsituation stammen“, für die Kunden ein besonders lohnendes Produkt, erklärt Wittmann. „Für uns als Sparkasse ist es allerdings genau umgekehrt: In der Niedrigzinszeit sind die Erträge besonders belastet, doch mit bereits langjährig besparten Prämiensparverträgen fallen besonders hohe Prämienkosten an.“

„Verschiedene Wege gefunden“

Der  Vorstandsvorsitzende der Chamer Sparkasse, Franz Wittmann Foto: Johannes Schiedermeier
Der Vorstandsvorsitzende der Chamer Sparkasse, Franz Wittmann Foto: Johannes Schiedermeier

Die Sparkasse habe bisher bereits verschiedene Wege gefunden, um zurückgehende Erträge infolge der Niedrigzinsen zu kompensieren. So seien Strukturen und Kosten überprüft, Gebührenmodelle angepasst und die Zusammenarbeit mit Verbundpartnern optimiert worden. „Dabei haben wir bislang nicht von unserem Kündigungsrecht, das mit dem Erreichen des höchsten Prämiensatzes gegeben ist, Gebrauch gemacht“, erläutert der Chamer Vorstandsvorsitzende.

Da sich die Kapitalmarktsituation mittel- bis langfristig aber „nicht wesentlich ändern dürfte“, werde dieser Schritt als weiterer Baustein von Spar- und Optimierungs-Maßnahmen notwendig. Wittmann: „Es gilt, die Sparkasse langfristig betriebswirtschaftlich leistungsfähig zu erhalten, damit sie ihre Aufgaben als Kreditgeber und Förderer für ihre Region auch weiterhin zuverlässig erfüllen kann.“

„Da wir angemessen wirtschaftlich agieren, haben wir vor der Zukunft keine Angst und sei sie noch so herausfordernd.“

Franz Wittmann, Vorstandsvorsitzender

Die Zinsentwicklung sei für die Sparkasse im Landkreis Cham drastisch, da der Zinsertrag regelrecht einbreche. „Dies führt dazu, dass natürlich alles geprüft wird – sowohl Kosteneinsparungen als auch Ertragsmöglichkeiten, denn als öffentlich-rechtliche Sparkasse sind auch wir dazu verpflichtet, Gewinne zu erwirtschaften, um langfristig die Finanzversorgung der Bevölkerung sicherstellen zu können“, betont Wittmann.

Finanzen

Oberpfälzer Sparern drohen Kündigungen

Teure Kunden werden zunehmend für Sparkassen zu Belastung. Auch in Schwandorf und Regensburg reagieren die Geldhäuser.

Die Sparkasse müsse gerade in schwierigen wirtschaftlichen Situationen die Interessen aller Kunden mit dem Stabilitätserfordernis des Hauses ausgleichen. Deshalb unternehme sie seit Jahren erhebliche Mühen, um die Weitergabe der EZB-Negativzinsen an ihre Kunden zu verhindern.

„Inzwischen ist es für unser Haus notwendig geworden, Unternehmenskunden mit hoher Liquidität mit einem Verwahrentgelt für hohe Summen zu belegen. Dies betrifft alle Einlagen, die eine Höhe von derzeit 500 000 Euro übersteigen“, schreibt Wittmann in seiner Antwort an die MZ. Es sei geplant, diesen Freibetrag zum 1. Januar 2020 auf 250 000 Euro zu reduzieren.

Nur negative Rendite

Durch die Nullzinspolitik der EZB und insbesondere das wieder gestartete Anleihekaufprogramm habe die Sparkasse immer weniger Möglichkeiten, unter Abwägung von Risiko und Sicherheit für sich selbst attraktive Anlagen am Markt vornehmen zu können. Sogar für die 30-jährige Bundesanleihe gebe es nur eine negative Rendite.

„Stabilitätsanker“

  • Rolle:

    Sparkassen, betont Franz Wittmann in seiner Antwort, seien ein wesentlicher Stabilitätsanker des deutschen Wirtschaftsmodells und der Gesellschaftsordnung.

  • Belastung:

    Damit sie dieser Rolle weiter nachkommen können, müssen sie nach seiner Darstellung eine Reihe „belastender Faktoren“ kompensieren.

  • Regulierung:

    Wittmann nennt hier „die seit fast zehn Jahren andauernde Niedrigstzinsphase, die gerade erfolgte Ausweitung von Minuszins und das wieder anlaufende Anleihekaufprogramm sowie die auf den Auswirkungen der Finanzkrise beruhende, überbordende, für regional ausgerichtete Kreditinstitute unpassende Regulierung“.

„Wir haben als verantwortlicher Vorstand die Aufgabe, die Sparkasse stabil, wirtschaftlich gesund und zukunftsfähig zu halten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Deswegen müsse die Sparkasse keine maximalen Renditen erwirtschaften, aber Gewinne machen, um das Eigenkapital zu stärken, Rücklagen zu bilden und „den gemeinwohlorientierten Aufgaben nachkommen zu können“. Damit schaffe das Unternehmen als Finanzdienstleister „den besten Mehrwert“ für die Region. Wittmann abschließend: „Da wir angemessen wirtschaftlich agieren, haben wir vor der Zukunft keine Angst und sei sie noch so herausfordernd.“

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