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Menschen

Cizeks Blick auf Chams Schönheiten

Michael Cizek fotografiert die schönen Seiten von Cham und wandert mitten in der Nacht oder am frühen Morgen durch die Stadt.
Von Johannes Schiedermeier

  • Das Regenwehr bei der Biertor-Brücke Foto: Cizek
  • Michael Cizek (46) Foto: si

Cham.Der Chamer könnte Michael Cizek (46) begegnen, wenn er in dunkler Freitagnacht oder am nebligen Samstagmorgen unterwegs ist. Der Mitch, wie Cizek mit Spitznamen heißt, linst mit seiner Nikon 5300 zu düsterer Stunde nicht nach den dunklen Seiten Chams. Im Gegenteil. Er sucht Schokoladenseiten. Seine nächtlichen Gefährten sind Licht und Schatten.

Die kennt er aus seinem wechselvollen Leben, das geprägt war von einem unglaublichen Arbeitspensum. Zuerst ging seine erfolgreiche Firma pleite, sein vererbter Bluthochdruck hätte ihn beinahe umgebracht. Als er gerade noch rechtzeitig mit Medikamenten gegensteuerte, kam der völlige Zusammenbruch. Burnout. Der Alltag stürzte in tristes Grau. Cizek begann, sich voll auf seine Familie zu konzentrieren. Und der alte Wunsch keimte wieder auf, zu fotografieren. „Irgendwann hat meine Frau mir die Nikon 5300 geschenkt. Ich hatte selber mal eine Million Euro. Davon sind mir nach dem Absturz der Firma, einem gescheiterten Ausflug in die Photovoltaik und das Vertrauen in einige falsche Freunde nur noch Schulden geblieben“, sagt Cizek.

Aber für einen Blick zurück im tiefen Bedauern ist er nicht der Typ. „Das war mein Leben. ich habe nichts ausgelassen, auch keine Schwierigkeiten mit Polizei und Justiz. Aber es ist eben mein Leben und daran ist nichts bedauerlich. Heute bin ich glücklich“, sagt Cizek. Geholfen haben ihm dabei nicht nur seine Familie und die Arbeit bei Wagner Metallbau Concept, die er liebt. Aufgebaut hat ihn auch das Fotografieren. Und in einer Zeit, als der Alltag besonders trist erschien, machte Cizek sich auf den Weg, die schönen Seiten von Cham zu suchen.

Er fand sie überall. Unter der Flutbrücke genauso wie beim Luckner neben dem Rathaus. „Der Mitch“, wie er mit Spitznamen heißt, verfremdet seine Bilder oft mit stundenlanger Bearbeitung. Er stellt sie auf Facebook, liefert umsonst Kalender-Deckblätter und hat sich einen Namen im Internet gemacht. Und bei Bürgermeisterin Karin Bucher, die ihn beim Jahresempfang als gutes Beispiel hinstellte. Als jemanden, der den Bürgern den Blick öffnet für die schönen Seiten ihrer Stadt.

„Ich mach’ das nicht nur für mich. Ich möchte, dass alle wieder genauer hinsehen, wie schön es bei uns ist.“ Michael Cizek fotografiert bevorzugt zu nächtlicher und morgendlicher Stunde die Stadt Cham. Seine Bilder findet man auf Facebook unter „Der Mitch“ oder auch unter der Gemeinschaftsgruppe „Landkreis Cham in Bildern“. Kritik daran hat er erlebt und weggesteckt. Oft bearbeitet er seine Bilder stundenlang. „Das muss nicht jedem gefallen, aber es freut mich, wenn ich sehe, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach schönen Bildern mit dem Fotoapparat durch die Stadt laufen.“

Auf die hat es der Mitch speziell abgesehen. Gemeinsam mit ihnen würde er gerne 2016 einen Fotokalender gestalten. Dafür sucht er noch gute Bilder und bastelt gerade an einer Sponsoring-Idee. Am liebsten würde er das Projekt gemeinsam mit Bürgermeisterin Karin Bucher durchziehen. Deren Lob hat ihn besonders gefreut: „Sie hat gesagt, ich beweg’ was!“

Michael Cizek – der Mitch

  • Zwei Leidenschaften

    Geboren ist Michael Cizek am 3.12.1968 in Regensburg. Der Vater zweier Kinder wuchs in Cham auf und wohnt heute in Windischbergerdorf. Er besuchte die Grundschule in Vilzing und die Teilhauptschule II in Cham. Dort kam er erstmals bei seinem Lehrer Robert Fuchs mit der Fotografie in Berührung und wollte eigentlich Fotograf werden. Weil er nicht nach Regensburg ziehen wollte, lebte er seine zweite Leidenschaft, die Technik, und wurde Kfz-Mechaniker.

  • Hochs und Tiefs

    Cizek führte ein wechselvolles Leben. Er arbeitete als Anlagenbauer und Spezialschweißer für die Pharma-Industrie. Zwölf Jahre verbrachte er auf Monate im Ausland und war mit seiner eigenen Firma sehr erfolgreich, bevor er pleite ging. Gesundheitlich am Ende, rappelte er sich wieder hoch und arbeitet heute bei Wagner Metall-Concept.

Cizeks Blick auf Chamer Schönheiten

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