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Zukunft

Conti-Belegschaft in Roding hofft weiter

Der Konzern gibt Zusage für den Standort, hält aber am Stellenabbau fest. IG Metall, Betriebsrat und Politik suchen Lösung.
Von Bastian Schreiner

Wohin führt der Weg bei Conti in Roding? Die Gespräche zwischen Konzern, Betriebsrat und Politik laufen. Foto: bs
Wohin führt der Weg bei Conti in Roding? Die Gespräche zwischen Konzern, Betriebsrat und Politik laufen. Foto: bs

Roding.Nach der Protestkundgebung und den Gesprächen im Wirtschaftsministerium vor zwei Wochen ist es still geworden um den Conti-Standort Roding. Der geplante Stellenabbau, von dem über 300 der rund 800 Mitarbeiter betroffen sind, schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Werk am Eisenhart. Zwar hält das Unternehmen weiter an der Verlagerung von einem Teil der Fertigungslinien nach China, Thailand und Tschechien fest, hat aber immerhin die Aussage gegeben, dass der Standort auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen soll. Das ist dem Betriebsrat natürlich zu wenig. „Wir geben die Hoffnung nicht auf und kämpfen um jeden Arbeitsplatz“ sagt Vorsitzende Claudia Hecht.

Die Stimmung in der Belegschaft sei sehr betrübt. Auch vom Ergebnis des Treffens, an dem Landrat Franz Löffler und Rodings Bürgermeister Franz Reichold mit Vertretern von Continental, der Regierung der Oberpfalz und des bayerischen Wirtschaftsministeriums teilgenommen haben, ist sie enttäuscht. „Der Stellenabbau wird weiter verfolgt. Es gab keine Zugeständnisse“, so Hecht. Auch für die „verbleibende Mannschaft“, rund 470 Beschäftigte, sei noch keine Zukunftsperspektive aufgezeigt worden.

Abbau – beschlossene Sache?

Zumindest sei es gelungen, Vertreter aller Seiten an einen Tisch zu bringen, meint der Landrat. „Eine wichtige Botschaft ist die Aussage, dass die Division Powertrain der Continental AG den Standort Roding schätzt und dieser als Kompetenzzentrum auch für die Zukunft eine wichtige Rolle spielen soll“, betont er im Interview mit unserem Medienhaus. Dennoch musste auch Löffler den Eindruck mitnehmen, dass derzeit eine Änderung der Ziele des Konzerns wohl nicht durchsetzbar ist.

Was Continental verlauten lässt

  • Grund:

    Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit der Fertigungslinien von Benzin- und Dieselhochdruckpumpen plant Continental eine sukzessive Verlagerung von Roding ins Ausland.

  • Anzahl:

    Laut Conti geht es um 120 feste Stellen, Leiharbeitsplätze (zwischen 80 und 120) und etwa 50 befristete Arbeitsverhältnisse. Der Abbau soll bis 2019 abgeschlossen sein.

  • Plan:

    Es wird angestrebt, die Anpassungsmaßnahmen sozialverträglich umzusetzen und soweit wie möglich auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verzichten. (bs)

Der Landrat geht aber davon aus, dass die Conti AG auch künftig eine weltweit führende Rolle sowohl im Bereich der Hochdruckpumpen als auch in anderen modernen Technologiefeldern einnehmen wird. Hier habe der Standort Roding mit seinen innovativen Mitarbeitern eine hohe Kompetenz. „Ich kann wirtschaftliche Entscheidungen des Konzerns zwar nicht beeinflussen und auch weltweite Entwicklungen nicht prognostizieren, aber ich bin sicher, dass das Unternehmen gut beraten ist, auf die vor Ort vorhandene und schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellte Kompetenz auch künftig aufzubauen“, sagt er.

Bei Continental in Roding wird gestreikt

Für den Bürgermeister ist das Gesprächsergebnis „ernüchternd“. Das Management habe an der Absicht, die Linien ins Ausland zu verlagern, nichts geändert. Sollte es dabei bleiben, geht es laut Reichold darum, für die verlorenen Arbeitsplätze neue zu generieren. Die Politik stehe weiter in Kontakt mit der Geschäftsleitung, wolle aber zunächst die Prüfungen und Verhandlungen des Betriebsrats mit dem Autozulieferer abwarten. Wie Löffler macht auch Reichold Continental die Qualitäten des Standorts schmackhaft. „Wir haben viel Industrie mit viel Know-how vor Ort. Vielleicht ergeben sich ja Kooperationen“, meint der Bürgermeister.

Betriebsratsvorsitzende Hecht ist dankbar für die Unterstützung aus der Politik. Zunächst hatte die SPD-Fraktion eine Resolution im Rodinger Stadtrat eingebracht und die Geschäftsleitung von Conti aufgefordert, sich nicht nur auf ihre Verantwortung gegenüber den Aktionären zu berufen, sondern auch der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bewusst zu werden. Zudem bekundete die bayerische Landesgruppe der Linksfraktion im Bundestag ihre Solidarität mit den Mitarbeitern. Die Abgeordneten zeigen sich empört über die Abbaupläne. „Wir sind froh über die Unterstützung. Das gibt uns Kraft“, bekräftigt Hecht.

Gewerkschaft gibt nicht auf

Auch die IG Metall, die vor zwei Wochen zur Demo aufgerufen hatte, kämpft weiter. „Die Pläne liegen auf dem Tisch, wir hoffen weiter auf eine Lösung“, sagt Geschäftsführerin Olga Redda und lässt auf Nachfrage wissen, dass eine weitere Protestkundgebung geplant sei. Die Aktion vor zwei Wochen wird nicht die letzte gewesen sein, kündigt auch Claudia Hecht an. „Ich bin der festen Überzeugung, dass das in Regensburg ankommt“, meint Hecht.

Löffler informiert, dass das Wirtschaftsministeriums zugesagt habe, mit Conti die Möglichkeiten der Technologieförderprogramme zu besprechen. Die Kompetenzzentren wie auch der Campus in Cham könnten für Conti bei der Erforschung von neuen Produkten ein interessanter Partner sein. Man biete Conti an, die dort vorhandenen Kompetenzen in Forschung und Entwicklung zu nutzen.

Continental hält sich indes bedeckt. „Aktuell gibt es keine ergänzenden Informationen zur Lage in Roding. Die genannten Ansätze zu Kooperationen oder Technologieförderungen sind mögliche Diskussionspunkte, die geprüft werden“, teilt Pressesprecherin Simone Geldhäuser auf Nachfrage mit.

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